EDITORIAL

Listenmedizin

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Am 17. Mai 2000 fand die konstituierenden Sitzung der "Positivlisten-Kommission" nach § 33a SGB V statt (s. Bericht in der Beilage "Politik"). Dabei wurde Professor Schwabe von der Universität Heidelberg zum Vorsitzenden gewählt. Prof. Schwabe ist seit Jahren bekannt als Herausgeber des jährlich erscheinenden "Arzneiverordnungs-Report. Stellvertretender Vorsitzender wurde der für die Phytotherapie berufene Professor Saller aus Zürich.

Die "Positivlisten-Kommission" hat nach § 33a des fünften Sozialgesetzbuchs die Aufgabe, bis spätestens 30. Juni 2001 eine Indikationsbezogene Vorschlagsliste von Arzneimitteln zu erstellen, die in der vertragsärztlichen Versorgung verordnungsfähig sein sollen. Die Kommission umfaßt neun stimmberechtigte Mitglieder. Sie ist mit mindestens sieben Stimmen beschlußfähig. Die Kommission faßt ihre Beschlüsse mit einfacher Mehrheit - dies betrifft auch die Einzelentscheidungen über die Aufnahme bestimmter Stoffe. Für die Schlußabstimmung über die Vorschlagsliste sind jedoch mindestens sieben Stimmen erforderlich.

Auf der konstituierenden Sitzung wurden insbesondere Verfahrensfragen besprochen. So wurde beschlossen, die Sitzungen im monatlichen Rhythmus durchzuführen. So wird die nächste Sitzung Ende Juni 2000 stattfinden. Entsprechend dem gesetzlichen Auftrag wird die Erarbeitung indikationsbezogen aufgenommen. Dabei wird die Geschäftsstelle der Kommission (Leitung: Professor Quiring) die hierfür erforderlichen Vorarbeiten erbringen.

Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben wird die Liste aus einem Hauptteil sowie einem Anhang bestehen, in dem die Arzneimittel der besonderen Therapie-Richtungen aufgelistet werden. Diese können dann unter der Bedingung in den Hauptteil aufgenommen werden, daß sie den für diesen geltenden Urteilsstandards entsprechen.

Hinter dem, was da so vernünftig und plausibel klingt, verbirgt sich das eigentliche Problem bei der Umsetzung.

Wenn man sich die Zusammensetzung der Kommission anschaut, muß man damit rechnen, daß nach Meinung der Mehrheit in der Kommission wohl nur wenige Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen "diesen geltenden Urteilsstandards entsprechen." Relativ unverhohlen spricht man schließlich auch im politischen Raum von Bestrebungen zur "Marktbereinigung" im Arzneimittelbereich. Und es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, wann die privaten Krankenversicherungen die Ausgrenzung der nach Meinung der Kommission nur "mit geringfügigem therapeutischen Nutzen" belegten Arzneimittel übernehmen und so letztlich auch die Verkehrsfähigkeit dieser Mittel gefährden, weil sie in zu geringem Verordnungsvolumen nicht mehr wirtschaftlich hergestellt werden können.

Was können wir tun? Natürlich in unserer Öffentlichkeitsarbeit auf diese Zusammenhänge aufmerksam machen und "unsere" Arzneimittel konsequent verordnen, um diesen bewährten traditionellen Arzneischatz zu erhalten. Wenn sich die Listenmedizin mit Ihrer medizinischen Bedarfsdeckung auf die "hochwirksamen" chemischen Substanzen zurückzieht, entsteht schließlich auch eine immer größere Bedürfnislücke nach den mild aber nachhaltig wirkenden Naturarzneimitteln - eine Lücke, die als Chance begriffen werden sollte, schließlich waren die Heilpraktiker schon stets Lückenschließer im deutschen Gesundheitswesen - und das im besten Sinne.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 06/2000