EDITORIAL

... qualitiziert

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

aus Zuschriften und den Gesprächen mit Berufsverbänden haben wir den Eindruck gewonnen, daß die ganze Diskussion um die Qualitätssicherung zum Teil mißverstanden wird.

Es kann sich freilich hierbei um keine staatliche Maßnahme handeln, da die Ermächtigungsgrundlage unseres Gesetzes dafür nicht hinreichend ist. Es geht um eine rein freiwillige und in Eigenverantwortung geleistete Qualifikationsbemühung, die eine Tätigkeit und evtl. Risiken absichert, so wie es heute der einzelne schon zum Wohle seiner Praxis und seiner Patienten in Eigenverantwortung macht.

Qualifikation um eines Spezialistentums und um des höheren Titelerwerbs willen, etwa zum Diplomheilpraktiker oder Spezialheilpraktiker, wie es immer wieder mißverständlich im Bereich der gewerblichen Ausbildung angeboten wird, kann nicht unser Ziel sein. Es gibt keine Hierarchie in diesem Beruf. Unsere Grundlage ist das Heilpraktikergesetz - ein besseres oder ein anderes gibt es nicht. Der Heilpraktiker ist unteilbar. Die Teillösung im Bereich der Psychotherapie soll und muß die einzige bleiben, und sie ist auch nach Meinung aller einschlägigen Kommentare nur aus der eigenständigen Entwicklung im letzten Jahrhundert zu einem eigenen "unkörperlichen" Behandlungsansatz zu verstehen und zu rechtfertigen. Alle anderen Behandlungsansätze, auch wenn sie auf ganz eigenen Denkmodellen basieren, zielen auch auf organische Leiden ab und auf die Behandlung des Organismus selbst. Deshalb müssen sie auch die durch das Heilpraktikergesetz vorgesehene Risikoabwehr durchlaufen, die zu dem Beruf des Heilpraktikers führt.

Daß jede Heilpraktikerin und jeder Heilpraktiker Behandlungsschwerpunkte in seiner Praxis bildet und sein Augenmerk in der Fortbildung auch hauptsächlich darauf richtet, hat nichts mit dem Spezialistentum, wie es in der "Schulmedizin" üblich ist, zu tun.

Leider neigt der Mensch, wenn er in einem bestimmten Bereich besondere Anstrengungen unternimmt, dazu sich als Spezialist zu sehen, aber dieses sollte er eben als Heilpraktiker nicht im Verkehr mit der Öffentlichkeit herausstellen. Und politisch ganz unklug ist es, wenn eine Fachgesellschaft dieses tut und solches noch in die politische Öffentlichkeit hinausträgt. Etwas ganz anderes ist es, wenn die ohnehin starken Qualifikationsbemühungen der Berufsangehörigen besser bewertet und dokumentiert würden. Hier gibt es z.T. schon ernsthafte Bemühungen, z.T. gibt es aber noch Nachholbedarf.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 08/2000