EDITORIAL

... self made?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

von Zeit zu Zeit läßt der aktive Fachverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) die Bevölkerung befragen , wie sie es denn mit der Selbstmedikation hält. Die Standortbroschüre mit den Trends und Perspektiven für das Jahr 2000 ist zwischenzeitlich erschienen und kann abermals die Bedeutung der Selbstmedikation in unserem Gesundheitswesen konstatieren und weiterhin einen Wachtstumstrend vermelden. Gut 60% der Bürger betreiben mehr oder weniger Selbstmedikation - vorwiegend als Prävention und bei sogenannten geringfügigen Gesundheitsbeschwerden und Befindlichkeitsstörungen. Dabei ist auch die Beliebtheit und Anwendung von Naturheilmitteln in den letzten Jahren nochmals gestiegen. Eine Studie belegt, daß der Anteil der Naturheilmittelanwender von 52% im Jahre 1970 auf 65% im Jahre 1997 gestiegen ist.

Auch für das Problem der Zulassungs- und Erstattungsbeschränkungen ist der Bürger sensibilisiert. Naturheilmittel sollen erstattungsfähig bleiben! Man wäre in diesem Falle bereit - man höre und staune - bis zu 30% zuzuzahlen.

Auch die alte Binsenweisheit, daß Anwender von Naturheilmitteln stärker auf ihre Gesundheit achten, sich gesünder ernähren oder z.B. durch Vorbeugung mit Phytopharmaka ihre Abwehrkräfte stärken, hat sich in der Meinung der Bevölkerung verfestigt.

Natürlich helfen positive Zulassungsentscheidungen des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte den schon seit langem im Markt befindlichen und beliebten Naturheil-Präparaten auch offiziell das Siegel für Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zu verleihen.

Allerdings darf man bei dieser Feststellung nicht verschweigen, daß eine jahrelange schleppende und restriktive Vorgehensweise vielen traditionellen und bewährten Mitteln dieses Siegel vorenthalten hat und daß weitere Restriktionen mit Umsetzung der 10. Arzneimittelgesetzes-Novelle zu erwarten sind.

Daß aber über Kassenerstattung und Zuzahlung hinaus 1999 ein Betrag von 15,4 Mrd. DM zusätzlich für Arzneimittel ausgegeben wurde (über 30% davon für Naturheilmittel), zeigt, daß es ein gewaltiges finanzielles Potential gibt, das der Bürger zusätzlich bereit ist für die Gesundheit auszugeben. Man kann davon ausgehen, daß er dieses Geld auch in gewisser Autonomie ausgeben will.

Wenn man diese Tatsachen zur Kenntnis nimmt und auswertet, folgt daraus, daß man den Patienten in diesem Bereich nur erreicht über eine partnerschaftliche Beratung, deren Eingangspforte sicher die differenzierte Aufklärung über gesundheitliche Zusammenhänge und die Sinnhaftigkeit einer ebenso differenzierten Therapie sein dürfte.

Man kann beobachten, daß sich auch der Naturheilmittelmarkt teilweise verändert hat, er ist linearer geworden und dadurch "allgemeinverständlicher" und "anwendungsfreundlicher" für die Selbstmedikation: Kombinationen wurden ausgedünnt, Hochkonzentratextrakte haben einen linearen Bezug zu "selbstdiagnostizierbaren" Gesundheitsstörungen. Da wo die Grenzen dieser Möglichkeit erreicht werden, beginnt unsere Arbeit. Je aufgeklärter der Bürger über diese Grenzen ist, desto besser. Außerhalb (und sogar innerhalb) dieser Grenzen gibt es auch nicht selten eine gezieltere und deshab sogar einfachere und kostengünstigere Möglichkeit, als es die Selbstmedikation manchmal sein kann.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 09/2000