EDITORIAL

… „hirnrissig“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

an sich ist das ja ein urbayerischer Ausdruck - hirnrissig -, der im Alltagsgebrauch nördlich des Weißwurstäquator durchaus auch einmal zu Verständnisschwierigkeiten führen könnte. Aber es gibt Situationen, die sind so eindeutig hirnrissig, das der Gebrauch des Begriffes nicht nur von jedermann verstanden, sondern auch als besonders zutreffend und griffig empfunden wird.

Als „hirnrissig“ bezeichnete nämlich die CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Gesundheitsausschusses Beatrix Philipp die Methode, mit der seit Jahrhunderten erfolgreich angewandte naturheilkundliche Medikamente im Vollzuge der 10. AMG-Novellierung beurteilt und massenhaft vom Markt gefegt werden.

Es könne allenfalls die Absicht dahinter stecken, eine ganze Branche „kaputt zu machen.“

Die Erregung, mit der sie das sagte, war auf einer interessanten Podiumsdiskussion zur Eröffnung des diesjährigen Heilpraktikertages in Düsseldorf deutlich zu spüren.

Unter der Moderation von Ekkehard Link, ehemals hoher Ministrialer in NRW und Vorreiter vernünftiger Überprüfungsrichtlinien in den Ländern, diskutierten einige Kenner der Szene Rettungsstrategien und Zukunftsaussichten naturheilkundlicher Arzneien in Europa und speziell auch in Deutschland. Außer Beate Philipp saßen in der Runde noch Detlev Parr (MdB und FDP-Gesundheitspolitiker), Dr. Stock (Vorsitzender der Arbeitsgruppe Homöopathie und Antroposophie beim BPI und sehr aktiv in unterschiedlichen europäischen Initiativen in Sachen Naturarzneien) und Peter Abels (Sprecher der veranstaltenden Kooperation).

Moderator Link stellte angesichts der Situation unverblümt die Frage, ob sich evtl. „Verfassungsorgane zu Handlangern der Großindustrie“ machen und womöglich „ein Meuchelmord an der Naturheilkunde im Gange“ sei.

So richtig widersprechen wollte in dieser Runde da niemand, denn unstrittig ist, daß mit dem Aussterben wichtiger naturheilkundlicher Arzneien auch eine traditionell gewachsene mittelständische Pharmabranche betroffen ist, die bisher die Vielfalt der für die Therapie unverzichtbaren Mittel bereit hielt.

Was ist zu tun? Über zwei Dinge wurde sich die Runde schnell einig: Der Berufsstand der Heilpraktiker muß erstens über alle Verbandsgrenzen und Auffassungsunterschiede hinweg konsequent mit einer Stimme sprechen und muß zweitens mit der geballten Kraft dieser Gemeinsamkeit Initiativen auf europäischer Ebene, die es ja gibt, wie Dr. Stock ausführte, in unserem gemeinsamen Interesse unterstützen. Hier müssen Hersteller, Berufsverbände und Patientenoragnisationen gemeinsam ihre Rechte vertreten.

Hoffnungsvoll Ihr


Naturheilpraxis 06/2001