EDITORIAL

Frauen-Naturheilkunde

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Während die im wahrsten Sinne des Wortes „herrschende“ wissenschaftliche Medizin eine eher männliche ist, kann man Naturheilkunde, die sich unter Respektierung der Persönlichkeit eines jeden Hilfesuchenden eher in die individuellen Ausprägungen der Krankheit in einem Menschen hineinfühlt und sie mit den Erfahrungsmustern zu verknüpfen sucht, als eine von Beginn an weibliche Medizin begreifen.

Bewahrung der Gesundheit in der Familie war schon immer Aufgabe der Frauen, der Mütter und oft genug der noch erfahreneren Großmütter. Sie besaßen einen reichen Schatz an „Geheimnissen“ für die Linderung und Heilung von Beschwerden. Ja, Frauen selbst vertrauten sich aus Schamgefühl mit Frauenkrankheiten und dem Unterleib früher lieber ihresgleichen an. Und tatsächlich hielt und hält die Naturheilkunde für die weiblichen Beschwerden vom Unterleib bis zur Psyche einen reichen Heilschatz bereit. Auch die Kräuterhexen wußten so manchen Trank zusammenzubrauen, den man heute für obsolet hält.

Leider hat Erfahrung in unserer Zeit einen viel zu geringen Stellenwert, und man vergißt gern, daß sie weniger Gutes im Laufe der Jahre fallen läßt, Bewährtes hingegen weiterentwickelt und erhält. Aus diesem Grunde haben wir in unserer Juli-Ausgabe den Themenschwerpunkt „Frauen-Naturheilkunde“ gewählt, um u.a. auch zu unterstreichen, daß Gesundheit und Krankheit bei Frauen einen anderen, ganz eigenen Stellenwert hat, den es als Naturheilkundiger tiefer zu verstehen gilt. Die Heilpraktikerin und der Heilpraktiker wissen, daß die Naturheilkunde für die weiblichen Beschwerden wie geschaffen ist. Im Zuge der Gleichberechtigungsdiskussion, die leider oft Alibi-Charakter besitzt, hat doch die Politik offenbar begriffen, daß es zu respektierende Unterschiede in den gesundheitlichen Belangen zwischen Mann und Frau gibt.

Man wollte sich mit einer Studie einen Überblick über die gesundheitliche Situation von Frauen in Deutschland verschaffen.

Ganz zu Recht hebt die 700 Seiten lange Studie auf ein auf die Lebenswelt von Frauen bezogenes Verständnis von Gesundheit und Krankheit ab. Heraus kommt, daß die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern, ihre Sozialisationserfahrungen und körperlich-biologischen Ausgangsbedingungen zu wenig in die bisherige Gesundheitsforschung eingeflossen sind.

Immerhin gibt es einige Ergebnisse, die aufhorchen lassen:

Grund genug also für die Naturheilkunde, ihre Arme weit zu öffnen mit tiefem Verständnis und Einfühlsamkeit für unsere Frauen.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 07/2001