EDITORIAL

... rein und durch?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Von-der-Hand-in-den-Mund- und Spaßgesellschaft spricht nicht gern über Unbequemes. Und die Zukunft gehört zweifellos zu den unangenehmen Dingen - jedenfalls dann, wenn man dieses Thema einmal ohne jede Schönfärberei angeht und ernste Überlegungen über zweifelsfreie Entwicklungen für einen längeren Zeitraum anstellt und nicht nur über die Spanne einer Wahlperiode oder gar nur bis zum nächsten Tag nach dem Motto:
Wir machen durch bis morgen früh?

Dabei ist es ja unerläßlich, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und möglichst rechtzeitig Strategien zu entwerfen, mit denen man nicht im wahrsten Sinne des Wortes „erdrutschartig“ untergeht.
Also: In den nächsten 50 Jahren wird die deutsche Bevölkerung von derzeit 82 Millionen um 16 Millionen auf 66 Millionen zurückgehen. Bei diesem Szenario ist unterstellt, daß die Zuwanderung bei null liegt. Geht man dagegen davon aus, daß jährlich 200000 Personen netto zuwandern, so ist der Rückgang mit 7,5 Millionen immer noch beachtlich; das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung wird dann von 39,8 Jahre (1999) auf 48,6 Jahre im Jahr 2050 zunehmen.

Zwangsläufig hat dies Konsequenzen für die Finanzierbarkeit der Renten- und der Krankenversicherung. In einer alternden Gesellschaft herrschen insgesamt andere Bedingungen für wirtschaftliches Wachstum. So nimmt ein bedeutender Wachstumsfaktor, das Arbeitsangebot, ab. Offen ist schließlich, wie sich die politische Ökonomie der alternden Gesellschaften verändern wird. Ältere Wähler könnten risikoscheuer sein und deshalb ein anderes Wählerverhalten an den Tag legen. Dabei mag sich auch von der Politik her das Umfeld für das Innovative weiter verschlechtern. Es wäre jetzt an der Zeit, daß die Politik die Weichen für die notwendigen Anpassungsprozesse stellt, bevor der Prozeß des Alterns der Gesellschaft richtig beginnt. Vor allem aber wäre es wichtig, Bedingungen herzustellen, die der Wachstumserlahmung alternder Gesellschaften entgegenwirken. Deshalb wäre es für eine politische Strategie unerläßlich, Kräfte der Innovation auszuschöpfen, entsprechende Infrastrukturen zu schaffen, z.B. die richtigen Arrangements auch für das berufsbegleitende Lernen. Ausbildung und Forschung sind ein entscheidender Motor für den Fortschritt.

Auch für die Heilberufe heißt es über die Zukunft nachzudenken. Die so oft und gern zitierte „Prävention“ wird einen unverzichtbaren Stellenwert erhalten. Sie wird zu einer Überlebenesfrage: eine mehrheitlich kranke Gesellschaft wird ihre Krankheiten nicht bezahlen können. Für so etwas gibt‘s keine Rentenformel. Wie heißt es so schön? „Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.“ Der, der Dir Deine Krankheit solidarisch bezahlen soll, ist selbst krank.

Aber es ist sehr deutlich zu beobachten, daß das Gesundheitsbewußtsein deutlich zunimmt. Ist das vielleicht eine Vorahnung, die unser Überlebenstrieb in unserem Unterbewußtsein fördert?

Wir Heilpraktiker haben eigentlich immer schon die gesündere Lebensweise als einen unverzichtbaren Bestandteil unserer medizinischen Bemühungen gepredigt. Auch wenn es oft vergeblich war, müssen wir jetzt weiter voll einsteigen und den Trend zu mehr Prävention kräftig verstärken: „Health“ ist eines der Standbeine von Wellness, und eine gesundheitsfördernde Medizin fürs Wohlbefinden kann schlechterdings keine Krankheitsreparaturmedizin sein, sondern nur eine der Natur des Menschen natürliche Entsprechung: die Naturmedizin - und wir sind die Fachleute. Wir liegen im Trend! Lesen Sie auch unsere Berichterstattung in „Politik“ über den Kongreß in Karlsruhe.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 07/2002