EDITORIAL

... ex oriente lux

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

"Viele Menschen verlieren nach dem Abschied vom Sommer und angesichts düsterer, kürzer werdender Herbsttage die Lust an allem. Am liebsten möchte man sich in einer Decke aufs Sofa kuscheln und hinter einem Schmöker vergraben - bloß nichts sehen von dem tristen, naß-kalten Herbsttag draußen. Wer doch raus muß, schleppt sich zur Arbeit und oft übel gelaunt und niedergeschlagen, erschöpft und freudlos durch den Tag.

Dabei ist eine vorübergehend gedrückte Stimmung in der dunklen Jahreszeit kein Grund zur Besorgnis. Vielmehr handelt es sich um eine normale Reaktion des Körpers auf die veränderten Wetterbedingungen. Ein Grund für den sogenannten "Herbst-Blues" ist der Lichtmangel. Ohne Tageslicht produziert der Körper weniger stimmungsaufhellende Endorphine und schüttet weniger vom "Glückshormon" Serotonin aus. Dagegen wird in der Dunkelheit von der Zirbeldrüse mehr Melatonin erzeugt, das normalerweise in der Nacht den Schlaf mit steuert und darum müde und schlapp macht. Dabei gilt auch in trüben Tagen: Tageslicht ist die beste Therapie. Spaziergänge, Joggen, Walken oder Radfahren bei Tageslicht hellen die Stimmung auf. Man sollte das natürliche Licht nutzen, denn selbst an dunklen Wintertagen strahlt die Sonne mit bis zu 1500 Lux durch die Wolkendecke. In der Wohnung beträgt die durchschnittliche Lichtintensität gerade mal 500 Lux.

Das sollten unsere Patienten wissen. Wenn depressive Beschwerden wie Schlafstörungen, tiefgehende Freud- oder Hoffnungslosigkeit mehr als zwei Wochen anhalten und den Alltag stark beeinträchtigen, sollten die Betroffenen zu uns kommen, damit sie diese Stimmung nicht bis in den Frühling mit sich herumschleppen müssen mit der Gefahr sogar in eine Depression einzumünden, denn der Übergang vom leichten Seelenblues zur echten Depression kann fließend sein, besonders wenn Begleitumstände im persönlichen Umfeld ungünstig wirken, erst recht aber wenn die allgemeine Stimmungslage, wie sie z.B. im Augenblick in Deutschland vorherrscht, eine regelrechte Sogwirkung hin zu einer kollektiven "Depression" mit ausgeprägten Zukunftsängsten ausübt.

Auch hier sind wir Therapeuten gefordert mit intensiven Gesprächen, die Zusammenhänge aufzuklären und Anregungen und Ratschläge zur Überwindung zu geben, ganz zu schweigen auch von den Empfehlungen des einen oder anderen naturheilkundlich regulierenden Mittels. Wenn der Patient vom "Gefühl der Gefühllosigkeit" berichtet, davon daß er wie "innerlich abgestorben" ist, dann müssen wir an seiner Seite den Kampf dagegen aufnehmen, denn dann droht ihn Hoffnungslosigkeit in permanente Trauer zu stürzen.

Dann ist Hoffnung gefragt, dann ist jede Hoffnung recht, so wie das bevorstehende Weihnachtsfest der Christenheit immer wieder neue Hoffnung geben möchte.

Ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, auch im Namen der Redaktion und des Pflaum Verlages einen ganz starken Hoffnungsfunken, der sie begleitet in die Zukunft, die im neuen Jahr 2003 auf uns wartet.

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Treue, auch sie gibt uns Hoffnung in die Zukunft und soll uns Ansporn sein, Ihnen und unserer Naturheilkunde auch weiterhin zu dienen.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 12/2002