EDITORIAL

... Wellness

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

daß eine gewisse Disziplin zu einer rundum gesunden Lebensweise gehört, ist eine Binsenweisheit, die man dennoch manchem Patienten zuweilen mit großer Überredungskunst – und oft mit mangelndem Erfolg – nahe zu bringen versucht. Es ist ja auch nicht gerade das Zeitalter, in dem Entbehrungen in Mode sind. Der allgemeine Trend geht sicher hin zu einer gewissen Verwöhntheit. Die Frage "Was kann ich tun?" ist nicht so populär. Man möchte es möglichst angenehm haben. Dabei ist es ja höchst vernünftig, "das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden." Und dieser Inhalt ist geradezu maßgeschneidert mit dem Begriff "Wellness" besetzt worden, womit man einen echten Trendsetter kreiert hat.

Der Friseur verwöhnt seine Kunden mit "Wellness-Packungen", die Kur im Heilbad wird zum "Wellness-Erlebnis". Der Begriff ist in aller Munde. Aber was ist eigentlich Wellness?

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat Nachholbedarf und führt den Bereich Wellness gar nicht, obgleich all unsere Lebensbereiche statistisch durchleuchtet werden. Und es gibt dafür auch keinen Ausbildungsberuf. Beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BfBB) in Bonn hält man das auch nicht für notwendig: "Zertifikats-Lehrgänge zum Wellness-Manager oder Wellness-Berater genügen."

Wer in der Branche tätig werden will, sollte am besten eine solide Grundausbildung mitbringen. Gefragt sind dabei vor allem Menschen, die etwas von Gesundheit und deren tieferen Zusammenhängen verstehen. Um für die neuesten Entwicklungen in der Gesundheitswissenschaft, Pflege und Bewegungslehre fit zu sein, braucht man Hintergrundwissen. 120 Fortbildungsinstitute sind dem Deutschen Wellness Verband (DWV) in Düsseldorf bekannt, nicht alle freilich werden empfohlen. Das soll es ja auch in anderen Berufen geben. Hier wie überall steht die Frage nach der Qualifikation des Wellness-Trainers im Vordergrund, zumindest aber nach seiner Qualität.

Daß Wellness gefragt ist, zeigen auch die Trends im Tourismus: 1,7 Millionen Deutsche haben zwischen 1999 und 2001 bereits Wellness-Urlaub gemacht. Die meisten buchen den Urlaub im Reisebüro oder Internet, ohne allerdings genau zu wissen, was sie vor Ort erwartet. Auch die Arbeit in Fitness-Clubs, Bädern und Thermen, Beautyfarmen, Kurbetrieben oder Wellness-Hotels sieht oft anders aus, als man sich das vorstellt. Die Zukunft der Wellness wird nach Experten-Meinung andere Anforderungen stellen. Im medizinischen Bereich der Prävention, Rehabilitation und der aktivierenden Anti-Aginghilfe sehen sie die größten Potenziale: Die neuen Alten werden wie keine Generation zuvor in den Erhalt ihrer Agilität investieren.

Es steht außer Frage, daß die individuelle Vorgehensweise und Beratung der Naturheilkunde die ideale Ergänzung zu immer mehr Bedürfnis nach Wellness ist.

Also – bevor Ungeeignetere das Feld besetzen – keine Berührungsängste vor diesem Trend!

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 10/2003