EDITORIAL

... Zukunftsmusik?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nachdem ich in meinem letzten Editorial ein wenig salopp über den Zahn der Zeit hergezogen bin, habe ich Anlaß noch einmal auf das Thema zurückzukommen. Nun soll also die Stammzellenforschung zum Jungbrunnen der Zähne werden.

Man geht zum Zahnarzt, so heißt es, der entnimmt einige Zellen, behandelt diese und setzt sie dort ein, wo ein neuer Zahn wachsen soll. Doch Zähne sind relativ kompliziert aufgebaut. Auf die äußere Schmelzschicht folgen bekanntlich nach innen das Zahnbein und die von Nerven und Blutgefäßen durchzogene Zahnhöhle. Diese und andere Komponenten müssen in geregelter Folge aufgebaut werden. Viele Forscher halten das für zu schwierig, aber Mary MacDougall, Dekan der zahnmedizinischen Fakultät an der Universität Texas, ist optimistisch: „Gerade diese Mischung ist es, die uns einer Lösung näher bringt.“

Der Optimismus wurde geschürt, als eine amerikanische Arbeitsgruppe entdeckte, daß in jeder Zahnhöhle Stammzellen vorhanden sind, wenn auch nur wenige. Unter dem Zahnfleisch eingesetzt, entwickelten sich diese Zellen zu Zahnbildungszellen und bauten Dentin mitsamt der inneren Höhle auf. Doch das ist nur der erste Schritt. Ein kritischer Punkt ist das Überziehen des Zahnbeins mit dem harten Schmelz. Diese Aufgabe übernimmt ein anderer Zelltyp. Bringt man diesen Typ im Reagenzglas mit Zahnbildungszellen zusammen, dann entstehen Dentin-Schmelz-Strukturen. Das ist zwar noch lange kein Zahn, aber man muß sich damit begnügen, daß das Ganze in die gewünschte Richtung geht. Im nächsten Schritt sollen Tierversuche folgen, bei denen eine solche Zahnknospe auf den Kieferknochen gepflanzt wird, damit eine Zahnwurzel in den Knochen wachsen kann.

Das alles macht noch Probleme, aber die sind schließlich da, um überwunden zu werden. Man versucht den natürlichen Entwicklungsgang zu imitieren und glaubt ihn die Arbeit machen zu lassen. Wie heißt es schließlich im Werbeschaukasten des ICE: Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig. – Da bin ich unversehens schon bei einem Motto für die Zukunft. Vielleicht kann ja unsere Gesellschaft die Hängemattenmentalität endlich überwinden. Ich würde uns allen wünschen, daß wir aus den schweren Geburtswehen herauskommen. Aber auch in bezug auf die Zähne aus Stammzellen gilt: wie auch immer die Forschung fortschreitet, auf den Patienten kommt ein Problem zu, das nicht nur Kinderärzte als Zahnen bezeichnen. Sichern Sie sich schon einmal einen Beißring.

Herzlichst Ihr

Der Pflaum Verlag – Geschäftsleitung, Vertrieb, Anzeigenabteilung – und die Redaktion der „Naturheilpraxis“ wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Fachzeitschrift und ihren Familien eine besinnliche Weihnachtszeit.Wir bedanken uns für Ihre Treue, die uns Ansporn sein soll, auch in Zukunft die Fahne unserer Naturheilkunde hochzuhalten durch Fachlichkeit und Sachlichkeit, aber auch mit einem engagierten Herzen für unsere gemeinsame Sache.

Wir begrüßen die Mitglieder der AGTCM recht herzlich, die unsere „Naturheilpraxis“ als ihr Fachorgan gewählt haben.


Naturheilpraxis 12/2003