EDITORIAL

... Iris-Scan?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

so ist das im Leben: es kommt immer darauf an, wer etwas sagt. In unserer Zeit des Wissenschaftsdogmatismus ist natürlich die Stimme der Wissenschaft von zentraler Bedeutung, auch wenn sie jetzt etwas erkennt, was seit langem bekannt, allerdings wissenschaftlich noch nicht bewiesen war, und was, als es andere schon erkannt hatten, wissenschaftlicherseits mit höhnischer Attitüde in den Bereich der Scharlatanerie verwiesen wurde: Ja, ja, wir sprechen von der Irisdiagnose.

Vor kurzem mußte der Chronist schon einmal von einem ersten Anflug eines wissenschaftlichen Purzelbaums berichten, als man durch eine Studie entdeckte, daß bestimmte Zeichen im Auge eine gewisse statistische Risikovoraussage für den Bereich von Nierenerkrankungen ergaben. Um dieses wissenschaftliche Ergebnis fein säuberlich vom Dunstkreis der Irisdiagnose fernzuhalten, hatte man es „eyes talking system“ genannt.

Auch die hartgesottenen Banker, die völlig unverdächtig sind, etwa Anflüge von Sozialromantik abzusondern und dem naturheilkundlich-deutschen Kulturgut der Augendiagnose zu fröhnen, hatten ja schon einmal erwogen – freilich wissenschaftlich abgesichert –, für einen Blick in den Scanner des Geldautomaten und einen Abgleich der „unverwechselbaren“ Iris ihres Bankkunden und „Bittstellers“, diesem schließlich seine „Kohle“ durch den Schlitz entgegenzuschieben.

Aber jetzt wird‘s ernst. Wir müssen neue wissenschaftliche Tatsachen zur Kenntnis nehmen: Jeder der über sechs Milliarden Menschen auf der Erde ist einzigartig. Keine Gesichtsform, kein Irismuster und kein Fingerabdruck gleichen einander. Vor allem diese drei unveränderlichen Merkmale nutzen Biometrie-Forscher nun, damit Zugänge zu Gebäuden, Datenbanken und Staatsgrenzen künftig sicherer kontrolliert werden können. „Es könnte sein, daß wir im Herbst 2005 mit der Ausgabe erster Biometrie-Pässe beginnen werden“, sagt Norbert Frauböse, Biometrie-Experte von der Bundesdruckerei in Berlin.

Ein hoch aufgelöstes Bild der farbigen Regenbogenhaut rund um die Pupille – verschämt denkt man: das ist doch die aussagekräftige Magen-Darm-Krause – könnte die Gesichtsdaten sinnvoll ergänzen. Diese Iriserkennung liefert heute die höchste Genauigkeit. Die Systeme der führenden US-Firma Iridian erfassen kontaktlos über eine spezielle Kamera das Irismuster im Auge und unterteilen es in bis zu acht Zonen für die Analyse der persönlichen Merkmale.

Zudem werden für diese biometrischen Daten Speichertechniken von Magnetstreifen bis zum RFID-Funkmodul getestet. Gerade letzteres verspricht eine rasche Grenzkontrolle, da die Daten einer Person über kurze Entfernungen quasi im Vorbeigehen von einem „Verifier“ ausgelesen werden. „In Europa könnte Deutschland der Vorreiter für diese Technologie sein“, meint der Biometrie-Experte.

„Das ist eigentlich logisch“, möchte der naturheilkundliche Chronist meinen und gerät ins Schwärmen. Warum? – Na, ist Deutschland nicht das Land, in dem die Irisdiagnose seit langem zu Hause ist und millionenfach und segensreich diagnostisch und prognostisch für eine individuelle – oder zumindest konstitutionell zuordnende – Therapie genutzt wird?

Ob es wohl einmal einen Dialog geben wird zwischen den Empirikern mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung und denen, die jetzt „wissenschaftlich“ mit der Iris zu arbeiten beginnen und sie in viele unserer alltäglichen Lebensbereiche einführen wollen?
Der Dialog wäre wünschenswert.

Vielleicht gibt es ja eines Tages ein umfassendes „evidence based eyes talking system“???
Ob‘s wohl vielleicht sogar die Kasse zahlt?

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 08/2004