EDITORIAL

Hurra ein Kind!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Geburtenrate ist weiterhin rückläufig in Deutschland – und nicht nur hier. Im vergangenen Jahr wurden 714 000 Kinder geboren, so wenige wie noch nie. Diejenigen aber, die Nachwuchs bekommen - oder die sich das leisten können, muß man wohl sozial ausgewogen anmerken –, geben für ihren Schützling, wenn man Schätzungen und Statistiken Glauben schenken darf, monatlich etwa 670 Euro aus.

Seit „Madonna“ Mutter wurde, ist zwar die Geburtenrate nicht etwa objektiv nach oben geschnellt, aber bei Trendsettern ist ein Kind wieder in – eins, versteht sich. Da ist dann alles möglichst modisch und vom Besten für den Besten, den Liebling. Es beginnt mit dem Ultraschall. Sind die Wellen erfolgreich durch den Storchenteich gewabert ohne Anzeichen auf evtl. Probleme, werden mit Akribie und Perfektionismus Möbelprospekte gewälzt, um den Nachwuchs in einem trendigen Kinderzimmer gebührend zu beherbergen.

Der Besuch im Babyladen steht an. Die hoffnungsfrohen Eltern verirren sich in Kolonnen von mehr oder weniger geblümten oder anders gemusterten Kinderwagen, dem automobilen Statussymbol, in dem man seine erwartete Prinzessin standesgemäß in Rüschenbettwäsche gebettet zum Staunen und Bewundern aller Passanten herumkutschieren wird. Die Auswahl der Karosse erfordert geduldiges Verständnis zwischen den Partnern. Sie sagt: „Schau, Schatz, den hat Madonna – glaub‘ ich.“ Der Mann nestelt nervös am Preisschild, taumelt leicht und keucht hervor: „Der kostest 1200 Euro.“ Sie streicht über ihren Bauch und sagt: „Aber es ist doch für sie.“ Er läßt das Preisschild fallen, als hätte es plötzlich zu glühen begonnen. Später sieht man sie mit dem Wagen an der Kasse. Abends wieder die Möbelprospekte: ein bißchen ökologisch soll´s schon sein – man möchte schließlich nicht, daß die Kleine Lösungsmittel atmet. Nach dem dritten alkoholfreien Bier bestellt sie eine ökologische Wickelkommode – teuer, aber es sind schließlich nur noch sieben Monate. Und es gibt noch soviel zu beschaffen. Warum nicht auch gleich das Bettchen passend dazu und die süße kleine Matratze aus einer so gesunden Latex-Kokos-Mischung. Er greift sich schmerzverzerrt an seine Bandscheiben und denkt an die alte Schaumgummimatratze, auf der er seit Jahren die Nächte verbringt. – Und so geht das weiter: spannende Monate, und immer muß man darauf achten, daß man im Trend bleibt. – Der Schnuller ist noch das Leichteste – „Ökotest“ meint, sie seien alle gut. Naja?

Spaß beiseite: Wir können uns gar oft genug klar machen, welches Wunder hinter der Menschwerdung steht und welche Fülle zum Teil auch sicher schockierender Erstbegegnungen mit der Umwelt die Entwicklung des heranwachsenden Lebens prägen. Das warme Bad z.B. des Säuglings als ein zunächst täglich wiederholtes zeitweiliges Zurückversetzen in den physiologischen Storchenteich, in die Geborgenheit des warmen Mutterleibs wird eine willkommene Dämpfung der schrillen Begegnung mit dieser Erde sein. Geborgenheit schaffen ist oberstes Gebot. Dazu gehört auch die behutsame Begleitung des Heranwachsens in der sanften und verständnisvollen Obhut unserer Naturheilkunde. Das Gespräch mit den Eltern, Aufklärung über die Zusammenhänge des Lebens, und gar nicht früh genug kann die Gesundheitserziehung beginnen, damit die gesunde Lebensweise der Normalfall wird.

In diesem Sinne verstehen Sie bitte unser Schwerpunktthema.

Redaktion und Verlag wünschen Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit!

Wir bedanken uns abermals für Ihre Treue!

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 12/2004