EDITORIAL

... schwarz auf weiß?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“, diese euphorisch-dümmliche Hoffnung, die der Schüler in Goethes „Faust“ seinem mephistophelischen Lehrmeister gegenüber äußert, hat zwar Eingang in den allgemeinen Zitatenschatz deutscher Sprichwörter gefunden, aber es ist wahrlich keine Lebensweisheit, dann schon eher das englische „by heart“.

So fragwürdig dieser Ratschlag als Weisheit für unser Leben ist, so hat er doch eine technische Bedeutung für Druckerzeugnisse, weil unsere optische Wahrnehmung durch stärkere Kontraste in bezug auf z.B. die Lesefreundlichkeit optimiert wird.

Kurzum: Wir drucken ab dieser Juli-Ausgabe auf neuem, weißeren Papier. Die Druckerschwärze war immer schon schwarz, aber das Papier war, wenn es denn nicht allzu umweltbelastend produziert werden sollte, früher nicht ganz weiß. Seit die Chlorbleiche technisch ersetzt werden kann, kann man auch weißes Papier „umweltfreundlich“ herstellen, und es ist seit geraumer Zeit nicht mehr nötig, naturheilkundliche Botschaften sozusagen „ideologiekonform“ auf tristem Grau zu verkünden. Es hätte heute sogar etwas Mutwilliges, weil das sogenannte „Recyclingpapier“ durch seine Reinigungsvorgänge von zuvor Bedrucktem die Umwelt erheblich mehr belastet.

Doch auch unter „weißen“ Papieren gibt es Unterschiede, die vom Blattgewicht und der Oberfläche des Papiers abhängen. Unser Verlag hat uns dieses in der Grammatur, also dem Gewicht, leicht heraufgesetzte und mit einer glatteren Oberfläche versehene Papier spendiert, ohne daß wir die Kosten an Sie, verehrte Fachleserschaft, weitergeben müssen. Wir können die Kosten an anderer Stelle unseres schlanken Produktionsprozesses „unterbringen“. Unsere seit Jahren praktisch nicht erhöhten Abonnentengebühren definieren sich aus dem Umfang unserer „Naturheilpraxis“, der zwischen 160 und 180 Seiten pro Heft monatlich liegt. Im Spektrum unserer „Konkurrenz“ sind wir damit günstig kalkuliert.

Hat eine Zeitschrift etwa den halben Umfang oder gar ein Drittel und liegt im Abo-Preis leicht über der Hälfte des unseren, sind wir relativ günstiger. Erscheinen dann vielleicht nur zehn oder gar nur sechs Ausgaben jährlich, wären wir doppelt günstiger im Preis. Das soll hier ruhig einmal gesagt werden, da ja oft mit dem Preis argumentiert wird, ohne ihn in Relation zum Umfang zu setzen.

Wir freuen uns auch weiterhin engagiert für unsere „Naturheilpraxis“ zu arbeiten. Sie soll die große überverbandliche Fachzeitschrift bleiben, die seit fast 60 Jahren die Entwicklung und die Geschicke der Naturheilkunde und der Heilpraktiker begleitet, auch schon zu einer Zeit, als andere, die inzwischen auch den „Naturheilkundemarkt“ entdeckt haben, dieselbe noch abgelehnt oder lächerlich gemacht haben.

In 60 Jahren unseres Erscheinens ist natürlich auch ein Archiv entstanden, das seinen Namen verdient. Wir arbeiten dieses gerade elektronisch auf, und es ist sicher eine der umfangreichsten Naturheilkunde-Dokumentationen, die auch in der Diskussion um die Erhaltung und vermehrte Anerkennung der Naturheilkunde gute Dienste leisten mag.

Sie als unsere Fachleserschaft haben die Möglichkeit des kostenfreien Zugangs zu den bereits erarbeiteten Archivteilen. Die jüngere Vergangenheit, fünf Jahrgänge (2000–2004), halten wir auch als CD zu einem Abonnenten-Vorteilspreis bereit.

Wir möchten weiterhin die Fachzeitschrift bleiben, die die Themen der „handfesten“ und traditionellen Naturheilkunde aufbereitet und auch neuere Entwicklungen und Forschungen beachtet – allerdings ohne sich von allzu modischen „Trends“ wie etwa einer mißverstandenen Esoterik-Welle irritieren zu lassen.

Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung, verehrte Fachleserschaft.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 07/2006