EDITORIAL

... Volksgesundheit?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Spurenelemente – die lexikalische Auskunft lautet: „Spurenstoffe sind bestimmte chemische Elemente, die für das pflanzliche und tierische Leben unentbehrlich sind. Sie brauchen nur in kleinsten Mengen zugeführt zu werden.“ Es sind also diese kleinsten und doch so unverzichtbaren Teile, damit alles für das große Ganze ineinandergreifen kann. Oft haben sie Katalysatorfunktion, d.h., sie begünstigen den Ablauf lebendiger Prozesse und machen ihn überhaupt erst möglich, ohne sich selbst zu verändern. Sie sind das sprichwörtliche „Salz in der Suppe“, und jeder weiß, wie eine Suppe ohne Salz oder eine versalzene Suppe schmecken: nämlich gar nicht.

Wenn wir dieses Bild nun in bezug auf Krankheit und Gesundheit in den gesamtstaatlichen Rahmen unserer Republik übertragen, so wird schnell deutlich, daß die Vertreter der Naturheilkunde in diesem Zusammenhang schon immer so etwas waren wie das Salz in der Suppe. In dieser Zeitschrift wurde bereits vor 45 Jahren, da das Wort „Umweltverschmutzung“ noch niemand kannte, vor den Folgen der Vergiftung unserer natürlichen Lebensgrundlagen gewarnt, die damals noch völlig unbedenklich auf der ideologischen Grundlage eines blinden und arroganten Glaubens an unbegrenztes Wachstum und die ebenso grenzenlosen Möglichkeiten technischer Machbarkeit strapaziert wurden. Damals hatte die Naturheilkunde ihre berechtigte Mahnerfunktion, auch wenn sie im allgemeinen Aufschwungstaumel gern in die fanatisch-sektiererische Ecke gedrängt wurde. Unseren Älteren und Altvorderen, die „das Fähnlein der Sieben Aufrechten“ für die Naturheilkunde bildeten, gilt auch heute noch unser Respekt und Dank, nicht weil sich klangvolle Dankesworte an die Vergangenheit immer gut machen, sondern weil wir von ihrer Unbestechlichkeit und Konsequenz lernen können und müssen für die durch das raffinierte Verschleiern der Grenzen undurchschaubarer gewordenen Auseinandersetzungen um die Wahrheit der natürlichen Existenz.

Heute ist alles ganz anders. Die Tatsachen liegen auf dem Tisch: ernährungsbedingte Krankheiten verursachen in der Bundesrepublik jährlich Milliarden direkte oder indirekte Kosten. Der Staat, der unter dem Prägestempel der sog. freien Marktwirtschaft jahrzehntelang eine Entwicklung begünstigt hat, die den Bürger täglich rund um die Uhr in Funk und Fernsehen zu immer mehr Genußmittelkonsum in jeder Form leider erfolgreich aufforderte, dieser selbe Staat betreibt heute Elternschelte dafür, daß diese das tun, was ihnen anempfohlen ward, nämlich täglich stundenlang vor dem Fernsehgerät zu sitzen mit allen Ingredienzien.

Auch die Medizin ist den gesundheitlichen Problemen unserer Bevölkerung in den letzten Jahren eher durch Spitzfindigkeiten als Vernunft begegnet. Ständig neue Detailerkenntnisse und -maßnahmen kamen im Kampf gegen den Verfall der Volksgesundheit in Mode, wurden wieder verworfen und von ebenso nutzlosen anderen abgelöst.

Das sprichwörtliche Kind sitzt längst nicht mehr auf dem Brunnenrand, sondern ist längst hineingefallen. 30% der Schulanfänger leiden unter Verfettung und noch mehr an Haltungsschäden. Allerdings spricht man heutzutage mehr von Gesundheit und gesunder Lebensweise als je zuvor. Wer aber meint, daß dieses einer ebenso gesunden und vernünftigen menschlichen Einsicht entspringt, muß sich getäuscht sehen. Der Staat muß davon reden, weil er die Kosten nicht weiter tragen kann. Andere aber sehen die sog. „Grüne Welle“ als eine willkommene Wachstumsbranche an, aus der man mit den geübten Marktstrategien, nur eben diesmal auf einem anderen Sektor, seine gewohnten, in anderen Bereichen nicht mehr zu erreichenden Gewinnspannen erwirtschaften kann. Der engagierte Naturheilkundler ist als kompetenter Mahner heute mehr gefragt denn je.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 09/2006