EDITORIAL

... Prinzip Hoffnung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Einerseits möchte man die Vorweihnachtszeit natürlich ein wenig gediegener und problemfreier begehen, andererseits kann man Probleme nicht aus der Welt schaffen, indem man sie unerwähnt läßt.

Und so schön ist die von Kaufhäusern gestaltete Vorweihnachtszeit auch wieder nicht, die allzu frühzeitig die Einkäufe ihrer Kunden mit der Beschallung von „O du fröhliche ...“ begleitet, damit das Kaufbedürfnis – man gönnt sich ja sonst nichts, es ist doch schließlich bald Weihnachten – gesteigert wird und nach Weihnachten möglichst wenige Schokoladen-Weihnachtsmänner in Osterhasen umgeschmolzen werden müssen.
Es ist nicht einmal ausgeschlossen, daß dabei auch eine Technologie zum Einsatz kommt, die sich zu einem handfesten Problem auswachsen könnte, was denn hier im „besinnlichen“ Dezember angesprochen werden will: die Nanotechnologie.

Mehr als 300 Produkte der Nanotechnologie sind weltweit bereits im Handel. Sie verbergen sich in so unterschiedlichen Dingen wie Autoreifen, Kosmetika und Lebensmitteln. Und das ist erst der Anfang. Selbst Experten geben zu, daß alle Einsatzmöglichkeiten der neuen Technik noch gar nicht abzuschätzen sind. Die enorme Vielfalt der Nanomaterialien mit ihren unterschiedlichen Größen, Formen und Zusammensetzungen überbietet womöglich noch die unserer „konventionellen“ Chemikalien. In der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ wird auf mögliche Gefährdungen hingewiesen und der Aufbau einer internationalen Risikoforschung gefordert.

Als besorgniserregend erweist sich die ausgesprochene Winzigkeit von Nanopartikeln. Die Teilchen sind noch kleiner als feinste Staubpartikel. Und Feinstäube, mögen sie aus natürlichen Quellen stammen oder aus Dieselmotoren, sind berüchtigt dafür, daß sie tief in die Lunge und ins Blut eindringen und die Gesundheit schwer schädigen. Man könnte Nanopartikel durchaus als eine neue Klasse von Feinstäuben bezeichnen. Ob sie aber ebenso gefährlich sind, kann für die meisten Substanzen bislang noch niemand sagen.

Als nanoskalig wird der Größenbereich zwischen 1 und 100 Nanometer bezeichnet. Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters. Ein durchschnittlich großes Nanoteilchen ist im Vergleich zu einem Fußball etwa so klein wie der Fußball im Verhältnis zur Erdkugel.

Allgemeines Charakteristikum der Nanoteilchen ist, daß sie physikalisch-chemische Eigenschaften annehmen, die völlig verschieden von jenen sind, die sie als Festkörper von größerer Dimension besitzen. Das macht sie für praktische Anwendungen interessant, aber auch unberechenbar.

Ob aus Gold, Silber, einer Metallegierung, reinem Kohlenstoff oder Kunststoffen – niemand kann bisher sagen, wie diese Substanzen als Nanopartikel reagieren.

Nanomaterialien, die als Schutzfilme auf Fensterglas oder Fassaden aufgebracht sind, verschwinden irgendwann, aber wo bleiben sie? Sie gelangen in den Boden, in Oberflächengewässer und – nicht auszuschließen – gar ins Grundwasser. Der Forschungsbedarf ist immens, aber ebenso bemerkenswert sind die Bemühungen. Es ist das erste Mal, daß Industrie und Forschungsinstitute auf breiter Basis Risikoforschung für eine Technologie betreiben.

Dürfen wir also hoffen? Wir wollen es hoffen.

In diesem Sinne wünschen wir all unseren Leserinnen und Lesern ein besinnliches Fest, an dem die Christenheit die Geburt ihres Hoffnungsträgers feiert.
Kommen Sie gut ins neue Jahr 2007!
Das wünschen Ihnen die Redaktion der Naturheilpraxis und der Pflaum Verlag.

Danke für Ihre Lesetreue.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 12/2006