EDITORIAL

... „Duftabdruck“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Nein, nein, das ist kein Irrtum. Wir haben nicht etwa versehentlich in die falsche Schublade gegriffen mit unserem Titelbild. Im Gegenteil, es war pure Absicht. Wir wollten uns ganz bewusst den ausgetretenen Designer-Pfaden entziehen, dass man zur Winterszeit auf Titelseiten immer wieder Eisblumenmotive abzubilden hat. Wir möchten ganz bewusst daran erinnern, was sich in einigen Monaten aus dieser Zeit der Erstarrung wieder entwickeln und unsere Sinne erfreuen wird. Darüber hinaus erschien uns die Blumenwiese ein wenig symbolträchtig zu sein für die Vielfältigkeit des Gesamtspektrums der Naturheilkunde als eines lebensidentischen Phänomens. Ohne die uns innewohnende Heilkraft wäre sicher manche Medizinbastelei zum Scheitern verurteilt. Selbst Perfektionisten kommen in ihren Konstrukten und Organisationsformen nicht an den Tatsachen der Natur vorbei und müssen sich ihrer bedienen. Und wenn die Väter unseres Grundgesetzes die Würde des Menschen als unantastbar postuliert haben, muss man daran erinnern, dass es letztendlich nur um die Würde der Individualität und Unverwechselbarkeit gehen kann und nicht um ein „Abstraktum“ Mensch. In der Organisation unseres menschlichen Zusammenlebens muss man natürlich Merkmale finden, die Identität des Individuums zu dokumentieren. Namen sind austauschbar, Passbilder schon weniger, und der Fingerabdruck ist unverwechselbar. Als Naturheilkundler verwundert es uns nicht, dass es auch schon Erfolg versprechende Pilotprojekte an Geldautomaten und bei Flughafenkontrollen mit dem Iris-Scan gegeben hat.

Neuerdings experimentiert man mit einem Phänomen der Unverwechselbarkeit, das man als Duftabdruck bezeichnen könnte. Zu den unverwechselbaren Merkmalen eines jeden Menschen gehört dieser chemische Fingerabdruck. Jeder Mensch trägt sein ganz individuelles Duftbukett mit sich herum.

Vermutungen darüber existieren schon sehr lange. Eine internationale Arbeitsgruppe hat diese Hypothese jetzt erstmals an einer großen Anzahl von Menschen bestätigt. Der Körpergeruch eines Menschen ist ausgesprochen variabel. Er hängt unter anderem von der Ernährung, der jeweiligen Gemütslage und dem Gesundheitszustand ab. Zur Auswertung kamen 965 Schweißproben von 197 Teilnehmern. Darin fanden die Wissenschaftler 4941 verschiedene Geruchssubstanzen, aber nur 373 traten konstant während der gesamten zehnwöchigen Beobachtungsdauer auf. Eine Schweißprobe enthielt im statistischen Durchschnitt jedoch nur 241 Substanzen. An diesen Zahlen wird deutlich, dass der Körper für die Kreation eines individuellen Duftbuketts auf ein großes Reservoir zurückgreifen kann.

Geruchspräferenzen spielen bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle. Ob ein Mann und eine Frau gemeinsam Kinder zeugen, hängt davon ab, wie gut sie sich riechen können.

Grundlage für den individuellen Duftabdruck ist eine Region im Erbgut, die als Haupt-Histokompatibilitätskomplex (MHC) bezeichnet wird. Aus biologischen Gründen ist es für den Nachwuchs ungünstig, wenn der MHC zweier Partner zu ähnlich ist, aber zu unähnlich ist auch nicht gut. Deshalb erscheinen die Proteine des MBC auch auf der Haut und tragen zum Körpergeruch bei. So steuert die Nase der potenziellen Eltern eine optimale Zusammensetzung des Erbguts der zukünftigen Kinder.
Da steht natürlich die Frage im Raum, was ist, wenn man seinen „Duftabdruck“ mit Parfums überdeckt?
Und siehe da: Es gibt kein „Überdecken“. Versuche haben gezeigt, dass die Vorlieben eines Menschen für spezielle künstliche Düfte auch vom MHC beeinflusst sind, das heißt, einzelne Komponenten des Eigengeruchs werden durch Parfums und Deodorants noch verstärkt.

Bleibt mir, Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, nur noch zu wünschen, dass Sie im neuen Jahr 2007 Ihren Duftabdruck recht erfolgreich und nachhaltig hinterlassen.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 01/2007