EDITORIAL

2017 - na dann ...

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Unser mit zunehmendem Alter gewöhnlich auch zunehmendes Beharrungsvermögen konnte bisher immerhin den technischen Fortschritt wenn auch zuweilen nicht mitvollziehen, so doch aber ungefähr und einigermaßen überblicken und sich mild lächelnd zurücklehnen – ausgesöhnt mit sich und der Welt. Wenn einer vor 25 Jahren gesagt hätte, so modernes Zeug wie „faxen“ mache er nicht mehr mit, dann konnte man in gewisser Weise Verständnis für diesen Standpunkt haben. Wer diesen Standpunkt heute äußerte, würde zumindest Verwunderung auslösen. Denn im Lichte der Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik ist ja „faxen“ inzwischen das Altmodischste, was es überhaupt gibt.

Was hat sich allein in den letzten zehn Jahren getan, und wie hat sich unser Leben durch das Internet verändert? Wie wir arbeiten, kommunizieren, uns und andere informieren, wie wir handeln, managen, Dinge finden, kaufen und verkaufen? Das Internet hat die Welt schneller verändert als jede Innovation in der Geschichte der Menschheit. Und dennoch: verglichen mit der Entwicklung eines Menschen stehen wir beim Internet gerade kurz vor der Pubertät. Und diese digitale Adoleszenz wird mit Sicherheit Charakter und Nutzung des World Wide Web erneut revolutionieren.

Die Zukunftsforscher sind ganz euphorisch: In zehn Jahren werden wir kaum noch an PC und Browser denken, wenn wir das Internet nutzen. Es wird in den meisten Geräten integriert und „surfen im Internet“ nichts als eine antiquierte Sprachhülse sein. 2017 wird das Internet Teil der uns umgebenden Gegenstände. Wir werden mit vernetzter Intelligenz leben, die nahtlos in unser Leben integriert ist.

Schon heute kommen auf jeden Menschen in Deutschland zirka 70 Mikroprozessoren: im Handy oder der TV-Fernbedienung etwa, aber auch in der Kaffeemaschine, der elektrischen Zahnbürste oder in der Heizungssteuerung. Bis 2017 wird diese Zahl auf 1000 pro Person angewachsen und die meisten werden untereinander vernetzt sein.

Mit Hilfe dieser Vernetzung werden aus bislang dummen Geräten „schlaue“: Während bisher beinahe 50 Prozent aller in Deutschland verkauften Videorekorder noch nie programmiert wurden, weil der Käufer an der Umsetzung der Bedienungsanleitungsbibel scheitert, müssen wir uns um derartige Probleme in der Zukunft keine Gedanken mehr machen. Die verschiedenen Medien verschmelzen intelligent miteinander: Internet wird Fernsehen und Fernsehen wird Internet. Oder ganz pragmatisch ausgedrückt: Wir schauen was wir wollen – zu einem Zeitpunkt, den wir bestimmen: ob aktuelle Programme oder das gesamte Archiv aller jemals ausgestrahlten Sendungen und Filme.

Mit diesen Entwicklungen beginnt aber auch das Ende der Reklame und der Informationsüberflutung. Künftig bestimmt immer stärker der Nutzer selbst, wann und was er an Werbebotschaften bekommt.

Die uns umgebenden Dinge vermarkten den Bedarf des einzelnen, und die Werbung kommt immer öfter im genau richtigen Moment – ein Vorteil sowohl für den Empfänger als auch für den Sender.

2017 wird die Technologie so günstig sein, dass ganze Wände als hochauflösende Bildschirme und/oder Kameras funktionieren. Damit wird ein gemeinsames Abendessen mit Freunden, die 3000 Kilometer weit weg wohnen, möglich: Die Freunde sitzen einem lebensgroß quasi gegenüber. Und das hat noch den Vorteil, dass sie einem nichts vom Teller nehmen können. Das geht vielleicht erst 2027.

Zum Trost für die, denen das Faxen als Fortschrittsphänomen Kopfschmerzen bereitet: Bis 2017 sind es noch über 500 Wochen.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 07/2007