EDITORIAL

Globalisierung ...

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Globalisierung – ein Wort, das den Topmanagern von Großkonzernen ein Leuchten in die Augen zaubert und Menschen, die um ihren Arbeitsplatz bangen, wie ein Angstgespenst im Nacken sitzt. Eine genaue Vorstellung davon aber, wohin dieser Begriff uns alle führt, haben nur wenige und kaum jemand traut sich zu prognostizieren, wie schnell und mit welcher unausweichlichen Konsequenz die Entwicklung zu welchem Ziel voranschreitet und welche ungeahnten und vielleicht schwer überwindbaren Hemmnisse sich noch in den Weg stellen.

Globalisierung heißt doch wohl, dass auf dieser Welt alles, was irgendwo herkommt irgendwo anders hingelangen kann, sozusagen grenzüberschreitend. Das Wetter z.B. macht es uns vor: es war schon von jeher grenzüberschreitend, also globalisiert. Kein Mensch ist je auf die absurde Idee verfallen, Strafzölle auf schlechtes Wetter zu erheben, wenn es die Staatsgrenze passiert. Das Wetter ist an sich das Normalste, was es gibt, so normal, dass der von Hause aus neugierige Bauer die Spruchweisheit geprägt hat:

„Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.“

… „Schön wär‘s“, möchte man sagen und wischt sich eine kleine Träne ab, die ein sozialromantisch rückwärtsgerichteter Gedanke hat in das Auge aufsteigen lassen. Es besteht anscheinend keine Frage: die Großwetterlage, das Klima ändert sich, und das ganz im Sinne der angesprochenen Entwicklung – global. Damit werden auch Folgeentwicklungen eingeleitet, die in das Gebiet unseres Interesses, die Gesundheit, fallen. Auch wenn die heimische Mücken-Szene schon bisher mehr als 50 Arten zählt, die blutrünstig und stechfreudig den Sommer genießen, die Krankheiten, die sie übertragen, sind überschaubar. Den meisten tropischen Viren und Parasiten ist es in unseren Breiten noch zu kalt. Sie brauchen Temperaturen über 30 Grad, und das mehrere Tage und Nächte am Stück – lange genug, um auch den sirrenden Körper ihrer Wirte auf ein erträgliches Maß aufzuheizen.

Aber das zunehmend wohlig warme Klima hat gleich mehrere Mücken-Neuzugänge angelockt, zum Beispiel die Tigermücke. Der Weg von Aedes albopictus über Japan und die USA bis in unsere Breiten ist skurril: Für ihre Reise benutzt sie gebrauchte Autoreifen. Dunkel und nass müssen sie sein, dann eignen sie sich als Bruthöhle hervorragend. Auf diese Weise hat die Tigermücke es schon bis nach Italien, Belgien, Holland und die Schweiz geschafft.

Auch das Insekt mit dem biologischen Namen Anopheles plumbeo ist besonders gefürchtet – es überträgt die gefährlichste aller Malaria-Arten, die Malaria tropica. Wenn die Temparaturen hoch genug sind, scheint sie sich in deutschen Erlenwäldern wohlzufühlen, wo schon erste Exemplare gefunden wurden.

Ähnlich besorgt wie die Bewegungen der Tigermücke verfolgen Forscher weltweit das Schwärmen von Aedes aegypti. Die Mücke ist weltweit auf dem Vormarsch. Über Südamerika ist sie in Texas angekommen, von dort ist es bis in die USA nicht mehr weit. Mit ihrem Stich spendiert die Mücke in den Tropen schon mal das Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber oder Gelbfieber.

In Mitteleuropa wird sich das Dengue-Fieber vermutlich nicht einnisten. Anders das West-Nil-Virus. Die Mücke brütet in Pfützen, Blumentöpfen. Sie sind genügsam, es genügt der Fußabdruck einer Kuh. Ähnlich unkompliziert gebärdet sich das West-Nil-Virus. In den USA ist der Erreger schon angekommen.

So ist das mit der Globalisierung: globale Erwärmung hat weitere globale Folgen im Gepäck. Wie wär‘s denn mit globaler Energieeinsparung? Die brächte doch sicher erfreulichere Veränderungen mit sich.

Es sei erinnert an die alte Weisheit naturheilkundlicher Betrachtung, dass die Natur eine Leihgabe für uns Menschen ist, die wir sorgsam gehütet weitergeben müssen.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 09/2007