EDITORIAL

Ess-Klima ...

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Aktuell wird ja alles am CO2 „gemessen“, und unter diesem Aspekt betrachtet, kommen seltsam anmutende Aussagen zustande. So kann der Apfel aus Neuseeland durchaus mit einem bei uns erzeugten Lagerapfel konkurrieren. Denn unter CO2-Gesichtspunkten ist die langfristige Lagerung von Äpfeln umweltschädlicher als ihr weiter Transport über die Weltmeere. Das macht die Entscheidung für den Verbraucher natürlich nicht einfacher. Unumstritten dürfte sein: Unsere Essgewohnheiten schlagen in der Klimabilanz zu Buche, und zwar genauso stark wie der Verkehr in Deutschland. Bei 16 bis 20 Prozent unseres gesamten Ausstoßes an Treibhausgasen liegt der Anteil dessen, was durch Anbau, Verarbeitung und Zubereitung von Essen verursacht werde. Unsere Ernährungsmuster und Ernährungsgewohnheiten gehörten auf den „Klimaprüfstand“.

Einen erheblichen Anteil an den Treibhausgas-Emissionen hat die Landwirtschaft selbst. Wiederkäuende Kühe, die massenhaft Methan in die Luft rülpsen, oder Stickstoffdünger, der umweltschädliches Lachgas freisetzt, tragen in Deutschland laut Umweltbundesamt mit etwa acht Prozent vom Gesamteffekt zur Klimaveränderung bei. Den mit 55 Prozent größeren Teil in der Ernährungsklimabilanz nimmt in Deutschland jedoch nicht die Produktion von Lebensmitteln ein, sondern deren Lagerung, Zubereitung und Beschaffung. Was wir heute essen, wie es produziert und gelagert wird, das entscheidet über unser Klima von morgen. Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft könnten einen maßgeblichen Beitrag leisten, Treibhausgase drastisch zu reduzieren. Jeder Verbraucher entscheidet bereits an der Ladentheke über seine persönliche Klimabilanz. Die CO2-Emissionen für Milchproduktion und Fleisch liegen pro Kilo wesentlich höher als die Emissionen für Obst und Gemüse. Die Energiebilanz der Nutztiere ist denkbar schlecht. Um ein Kilogramm Gewicht zuzulegen, muss ein Rind fünf bis sechs Kilogramm Nahrung zu sich nehmen. Und das von den Tieren durch Wiederkäuen ausgestoßene Methangas ist bei weitem klimaschädlicher als CO2. Die Treibhausgas-Emissionen für ein Kilogramm Rindfleisch sind viermal so hoch wie für ein Kilogramm Hühnerfleisch. Ein höherer Fettgehalt eines Milchprodukts geht automatisch mit höheren Emissionen einher. Von daher gesehen müsste man jedem raten Vegetarier zu werden. Aber auch eine mäßige Änderung der Lebensgewohnheiten würde schon helfen. Statistiken zufolge nimmt jeder Deutsche innerhalb seiner Nahrung ca. 39% tierische Produkte auf. Italiener decken ihren Tagesbedarf nur zu 25% aus tierischen Produkten. Hier wird klar, warum mediterrane Kost als Gesundmacher empfohlen wird. Ein Umdenken in Deutschland käme sowohl der Lebensqualität als auch der Esskultur zugute.

Sind Vegetarier also doch die besseren Menschen – zumindest in ihrer Klimabilanz? Diese Frage ist eindeutig mit Ja zu beantworten.

Daraus folgt, was die Naturheilkunde schon immer wusste und postulierte, dass eine gesunde Ernährung nicht nur gut ist für die Gesundheit des Menschen, sondern auch für seine Umwelt, deren Teil er ist. Je gesünder die Nahrung durch unseren Organismus hindurchgeht, desto gesünder ist das für unsere Umwelt – und unser Klima, wie man ja nun auch wissenschaftlich gemessen und berechnet hat.

Eine Möglichkeit, um dem Verbraucher eine bewusste Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Lebensmittel zu erleichtern, wäre nach Ansicht der Experten ein glaubwürdiges Kennzeichnungssystem für klimafreundliche Produkte. Da ist dann genau zu erkennen, wie viel CO2 im „Rucksack“ der Produkte ist.

Ebenso wichtig wäre auch eine bessere Herkunftsbezeichnung für die Produkte in deutschen Supermärkten und die Empfehlung, vor allem regionale und saisonale Produkte zu kaufen.

Ihr


Naturheilpraxis 02/2008