EDITORIAL

Allex komplex - oder?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Wir wollen mit unserem Schwerpunkt „Komplexhomöopathie“ keineswegs einer einseitigen Hervorhebung dieser Therapierichtung gegenüber anderen Therapien und schon gar nicht gegenüber der klassischen Homöopathie das Wort reden. Das dokumentieren wir schon durch die monatlich bei uns erscheinenden „Blätter für klassische Homöopathie“, deren hochkarätige Beiträge wir unserer geschätzten Fachleserschaft nur auf das allerwärmste empfehlen können und deren Qualität uns bereichert. Wir wollen auch keine erneuten Diskussionen fördern zwischen Anhängern und Gegnern der einen oder anderen Richtung, wie sie in der Vergangenheit erschöpfend und stets hitzig geführt wurden, welche Therapie die bessere oder gar die einzig richtige sei. Beide Therapierichtungen haben ihre Berechtigung schon wegen der millionenfachen Erfolge am Patienten – und darin dürften wir uns einig sein, dass dieses Ziel im Zentrum aller unserer Bemühungen als Heilberuf stehen muss.

Ob der Begriff „Komplexhomöopathie“ letztendlich ganz glücklich gewählt ist, darüber jetzt noch zu räsonieren dürfte ein wenig zu spät sein, da der Begriff sich im wahrsten Sinne des Wortes „eingebürgert“ hat. In jedem Fall handelt es sich bei den homöopathischen Kombinationen um Mittel, deren Partner nach den Herstellungsvorschriften des Deutschen Homöopathischen Arzneibuchs entstehen.

Ziel unserer wiederholten Bemühungen um die Komplexhomöopathie ist es vielmehr, als naturheilkundliche Fachzeitschrift, die die Geschicke unseres Arzneimittelschatzes seit über 60 Jahren begleitet, diese Therapierichtung, die durch die Nachzulassung und Nachregistrierung massive Verluste – auch in Form von Ausdünnungen der Kombinationen – hinzunehmen hatte, immer mal wieder etwas tiefer in unserem therapeutischen Bewusstsein zu verankern. Das Bewusstsein nämlich dafür, dass auch viele Spezifitäten, die einen Anklang von Indikationen in ihrem Namen tragen, letztlich homöopathische Komplexe sind, darf nicht verloren gehen.

Nicht nur nach dem Namen zu verordnen, sondern jeweils die unterschiedlichen Bestandteile zum Ziel individueller und personotroper Anwendung bei noch so ähnlichen Syndromen zu machen, wird nicht nur unsere behandlerische Phantasie bereichern, sondern auch die Komplexhomöopathie lebendig erhalten.

Sie hat es ohnehin von Amts wegen – allein wenn man nur an die Dosierungsvorschriften denkt – nicht einfach.

Lassen Sie sich das Mosaik ähnlicher und unterschiedlicher Erklärungsmodelle von Komplexhomöopathika gefallen – mögen sie konstitutionellen Erwägungen folgen, regulationsmedizinsche Aspekte verfolgen oder auch rational-indikativ zusammenkomponiert worden sein.

Dieses ist mein 300. Editorial.
Ich muss dankbar sein für eine recht robuste Gesundheit, die mir erlaubte, in den 300 Monaten nicht einmal aussetzen zu müssen. Und 300 Monate, das sind nach Adam Riese ein Vierteljahrhundert.

Danke, dass Sie mich als Chefredakteur so lange ausgehalten haben.
Darf ich hoffen, dass ich noch eine kleine Weile Kredit in die Zukunft habe?

Ach übrigens:
Mein erstes Editorial im Jahre 1983 war die Klage darüber, dass ständig neue Verbände gegründet werden, die sich nicht vertragen.
Wie schätzen Sie die Situation heute ein? – Besser???

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 03/2008