EDITORIAL

„Innovationsflops“?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Der Mensch in einer modernen Industriegesellschaft ist – wenn angepasst – stromlinienförmig, und dazu gehört, außer dem Hang zu Perfektionismus, das Vertrauen in Technik und Fortschritt. Ob eine Innovation dem Fortschritt dient oder gar hinter bewährte Standards zurückfällt, wird in keinem anderen Bereich so heftig diskutiert wie in der Medizin. Denn schließlich geht es hier zum einen um das Wohl oder gar Überleben von Menschen; zum anderen werden gerade medizinische Innovationen nicht selten mit großem finanziellen Aufwand erkauft.

Die kritische Bewertung von neuen Therapien ist nicht zuletzt deshalb geboten, weil im Gesundheitswesen der Markt nicht funktioniert – einmal weil hier ein gerüttelt Maß an Planwirtschaft herrscht, andererseits aber auch, weil Todkranke für einen Funken Hoffnung alles ausprobieren, was mit viel Versprechungen auf den Markt geworfen wird.

Nun meint ja die hohe Schule, dem medizinischen Fortschritt verdankten wir nicht zuletzt die gestiegene Lebenserwartung. Die Kehrseite der Medaille ist die Tatsache, dass der medizinische Fortschritt mit einem damit verbundenen kaum noch bezahlbaren Anstieg der Gesundheitskosten erkauft werden muss, und wo Milliarden „gehandhabt“ werden, ist oft Misswirtschaft, Korruption und Betrug auf dem Sprung – ersparen wir uns, an diesbezügliche und allzu bekannte Beispiele zu erinnern.

An was aber am wenigsten gedacht wird, jedenfalls in der Medizinwirtschaft: dass nicht jede Innovation notwendigerweise einen medizinischen Fortschritt bedeutet. Ein Beispiel ist der noch vor wenigen Jahren gefeierte Operationsroboter „Robodoc“, der viel genauer als ein menschlicher Operateur Knieoperationen durchführen sollte. Die Praxis offenbarte indes, dass überdurchschnittlich viele Patienten, die vom Kollegen Roboter operiert wurden, anschließend deutlich schlechter auf ihren Beinen unterwegs waren als die klassisch behandelten. Diese Innovation war also ein gefährlicher Flop. Die „Robodocs“ verschwanden still und leise aus den Operationssälen. Keiner der Beteiligten redet heute gerne über dieses Thema.

Schaut man allerdings, abgesehen von den Kosten, auf medizinische Innovation in Bezug auf ihren Nutzen, so stellt man fest, dass dieser nicht nur fehlte, sondern dass sogar Schaden angerichtet, also statt Fortschritt teurer Rückschritt entwickelt, produziert und verkauft wurde:
Stents aus Gold, der Cholesterinsenker Lipobay, das Schmerzmittel Vioxx, der Blutdrucksenker Prazosin oder der Blutungsstiller Trasylol.

Ein anderes Phänomen des medizinischen Fortschritts aber hat die Statistik der Kostenrechnung an den Tag gebracht: Wenn wir auf dem medizinischen Stand der 50er Jahre stehen geblieben wären, hätten wir heute nur 1,5 Prozent der tatsächlichen Gesundheitskosten, rechnet ein Kenner der Szene vor. Woran die systemimmanenten Rechner gar nicht gedacht haben bei ihrer schonungslosen Offenheit, dass sie damit eines der besten Argumente geliefert (und errechnet!!!) haben, dass der Einsatz von mehr Naturheilkunde in der gesamtmedizinischen Versorgung ein ganz wichtiger Kostenersparnisfaktor wäre, selbst wenn man die Kosten – und auch das sind Milliarden – für die iatrogenen Krankheiten völlig unberücksichtigt ließe. Die stetige Innovation der Naturmedizin ist die Empirie über Jahrhunderte und war vergleichsweise ein Sonderangebot aus der Natur.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 11/2009