EDITORIAL

Sommerlochspiele?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

aus dem sogenannten Sommerloch wurde ja schon manche mediale Brühe hochgespült. Wir sind es gewohnt. Themen aus der Politik scheinen journalistisch hinreichend „ausgelutscht“ zu sein. Der Bundeskanzlerin sind in kurzer Zeit eine ganze Reihe bisher für unverzichtbar gehaltene Weggefährten abhanden gekommen, und ihr „Charakterbild schwankt in der Geschichte“.

Damit nicht noch mehr ins Schwanken kommt, muss man sich an etwas festhalten, und da gibt es ja noch den in allen kritischen Situationen und allen Stürmen erprobten unerschütterlichen wissenschaftlichen Dogmatismus – alles, was man nicht messen und wiegen kann, gibt es nicht. Und da kommt natürlich so ein Phänomen wie die Homöopathie wie gerufen, um allen zu zeigen, dass man sich auf die Wissenschaft jedenfalls noch verlassen kann.

Ich rede von einem „Spiegel“-Artikel und von Gesundheitspolitikern, die nicht nur die evtl. Erstattungsfähigkeit von Homöopathie diskutieren, sondern sogar deren Verbot im Munde führen.

Uns haben mehrere empörte Stellungnahmen erreicht, die sich differenziert mit den zweifelhaften Vorgehensweisen von Studien im „Spiegel“-Artikel befassen und im Einzelnen versuchen aufzuzeigen, wo denn die Fehler gemacht wurden. So mancher ist dabei auch in Argumentationsenge geraten, weil er innerhalb des vorgegebenen „Systems“ argumentierte.

Dabei scheint ja wohl das Missverständnis grundsätzlicher Art zu sein: Wie soll denn eine personotrope – also auf eine Person bezogene – Therapie in einer sog. Doppelblindstudie mit vielen Personen ein signifikantes Ergebnis in Bezug auf eine losgelöste Indikation ergeben?
Dabei gibt es sogar erfolgreiche Studien mit Komplexhomöopathika, die im niederpotenten Bereich liegen und einen rational-indikativen Bereich abdecken und weniger personotrop sind – was logisch erscheint.

Weiter möchte ich das Problem hier gar nicht vertiefen. Es interessieren ganz andere Studien, nämlich die, dass über 80% der Bürger die Naturheilverfahren befürworten, und die Homöopathie gehört in der Anschauung der Bevölkerung als fester Bestandteil dazu.

Wenn nun die Politik glaubt, die von ihr stets als „mündige Bürger“ apostrophierte Bevölkerung wiederum bevormunden zu müssen, dann sollte der mündige Bürger diesbezüglich von seinem Wahlrecht Gebrauch machen und die Partei, die die Homöopathie meint diskreditieren oder am besten abschaffen zu müssen, einfach nicht mehr wählen.

Und wenn man die Beliebtheitsumfragen mit über 80% betrachtet, dann ist allerdings ganz unwissenschaftlich – einfach nach Adam Riese – klar, dass aus einer solchen Partei im Handumdrehen eine sogenannte Splitterpartei würde.

Da wären wir wieder auf der politischen Ebene. Und wenn man genau dahinter schaut, sind ja auch die wissenschaftlich-dogmatischen Angriffe auf die Homöopathie durchaus nicht unpolitisch, sondern massiv interessengesteuert.

Vielleicht bringt ja eine sechsteilige Sendung über die Homöopathie im August und September in BR alpha eine kleine Wiedergutmachung. Mehr über die Ankündigung zur Serie unter: www.naturheilpraxis.de/aktuell/

Ich wünsche Ihnen einen entspannten August und möchte mich bei Herrn Scheweling bedanken für die engagierte Beratung zu unserem Schwerpunkt „Mikrosystemakupunktur“.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 08/2010