EDITORIAL

Business as usual?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Dass wir neu gewandet sind, haben Sie auf der Seite gegenüber von der Verlagsleitung bereits vernommen. Die Redaktion freut sich über das neue Outfit und hofft natürlich, dass es auch Ihnen, unseren Fachleserinnen und Fachlesern gefällt.

Wir haben das alte Jahr verabschiedet – ein Jahr voller Diskussionen um unser Gesundheitswesen – oder besser darum, was es kosten darf und wer das alles bezahlt, denn man weiß: Systeme sind teuer – schon wegen der gewissen Anonymität der Finanzströme, die aufgrund teils planwirtschaftlicher und statistischer Erwägungen fließen, ohne dass die individuellen Gesundheitsbedürfnisse angemessen berücksichtigt würden.

Bei all dem Hin und Her vermisste man eine Diskussion völlig, die uns die letzten Jahre in der Lieblingszeit der Grippeviren rund um die Uhr von den Medien, der Politik und wohl auch von der Pharmaindustrie aufgedrängt wurde. Auch das letzte Jahr hatte eine „Impfsaison“, aber keiner hat darüber geredet: Business as usual. Die Pharmaindustrie hat das Thema nicht ins Spiel gebracht, sie hat wohl nach den geschäftlichen Erfolgen mit der Schweinegrippe in 2009 keine Chance gesehen, diese Gewinne noch einmal zu toppen. Die Gesundheitsbehörden der Länder zeigten eine fast auffällige Zurückhaltung mit Appellen und Warnungen, sitzen sie doch noch auf Bergen von Impfstoffen gegen die Schweinegrippe und haben die vielen Millionen, die sie dafür hingeblättert haben, sicher längst noch nicht in ihren Haushalten verkraftet.

Dennoch haben im letzten Herbst die Hausärzte ihren „Risikogruppen“ wie jedes Jahr zur Impfung geraten. Ansonsten lagen die Zahlen der zusätzlichen Arztbesuche aufgrund einer Grippe im Bereich einer mittelstarken Grippesaison. Die Wissenschaft hingegen stellt Überlegungen an, weshalb an der Schweinegrippe so viele jüngere Menschen erkrankten, und erklärten es damit, dass Ältere im Laufe ihres Lebens evtl. schon einmal mit einem H1N1-Virus in Berührung gekommen und deshalb in gewisser Weise immun seien. Da sich das N1H1-Virus auch weiterhin auf der Südhalbkugel ausbreitet, hatte die WHO es als eines von drei Grippeviren empfohlen, gegen die der letztjährige Impfstoff wirken sollte. Wiederverwerten lässt sich der überschüssige Impfstoff allerdings nicht, da das Antigen nicht zu „recyceln“ ist. Und der „Wirkungsverstärker“ des Pandemie-Impfstoffs, um dessen Verträglichkeit 2009 ja heftig gestritten wurde, fehlt in der saisonalen Grippeimpfung 2010/11.

Virologen, so liest man, sind beunruhigt und befürchten, dass die Impfraten noch unter die der vergangenen Jahre rutschen könnten. Im Schnitt lasse sich nur jeder Vierte impfen. „Katastrophal“ sei das Impfverhalten von Ärzten und medizinischem Personal. Die Quote läge sogar nur bei ca. 20%. Offensichtlich vertrauen diese mehr auf ihr Immunsystem als auf die Impfung. Die Naturheilkunde weiß, dass ein gesundes Immunsystem im Zentrum aller Bemühungen um die Gesundheit stehen muss. Deshalb wird es auch bei keiner Therapie außer Acht gelassen und die Ordnungstherapie im körperlichen und geistig-seelischen Bereich ist eine der Säulen in der naturheilkundlichen Denk- und Vorgehensweise.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen von Herzen ein gesundes neues Jahr und viel Freude mit unserer traditionsreichen Fachzeitschrift in einem – wie wir finden – sehr schönen neuen Gewand.

Herzlich Ihr


Naturheilpraxis 01/2011