EDITORIAL

... Alles in Allem

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Unsere Religion lehrt uns, dass Gott in allen Dingen ist; der Schöpfungsgedanke beinhaltet nicht nur das Gesetz alles Lebendigen, dass nämlich das Ganze mehr als die Summe seiner Teile sei, sondern dass alles vom Schöpfungsgedanken durchdrungen ist: „Alles ist in Allem.“

Besonders diesen Satz muss die moderne Lebensmittelindustrie wohl gründlich missverstanden haben, in dem sie ihn als Rezept zur Herstellung unserer Nahrungsmittel umfunktioniert. Wer das Kleingedruckte liest auf unseren industriell hergestellten „Lebens“-Mitteln, wird diesen Satz weitgehend bestätigt finden. Nun ist das allerdings nicht Ausdruck des Respekts vor unserer Schöpfung und allen Lebenszusammenhängen, sondern es ist das genaue Gegenteil, nämlich die Missachtung derselben, es ist der ganz normale Pfusch mit dem Ziel der Gewinn- und Profitmaximierung.

Wir reden hier nicht davon, dass im Brot außer Mehl noch Wasser und Sauerteig sind, und man nicht das Korn „solo“ knabbert, nein, nein, sondern von den weiteren bis zu hundert Substanzen, die auch im Brot wie in allen anderen industriellen Lebensmittel verarbeitet werden – eben nach dem Motto: Alles ist in Allem. Wer hier unkritisch in die Regale vom Supermarkt greift und sich sein „Essen“ zusammenstellt, der isst letztlich in jedem Teil seiner Menükomposition stets das Gleiche – nein, halt: der Geschmack der Frikadellen unterscheidet sich von dem der Gemüsebeilage durch das Hinzufügen unterschiedlicher Aromastoffe. Wer so sein „täglich Brot“ zusammenstellt, der entgeht keiner der für unsere Gesundheit kritischen Substanzen.

Mit der Folge haben wir in unseren Praxen zu tun: die Zunahme der Allergien. Als besonders aggressiv gelten Erdnüsse und Schalentiere. Da Erdnussbutter auch zu den beliebten Beimischungen gehört, müssen Erdnussallergiker besonders vorsichtig sein. Nun wäre die Wissenschaft, die hinter der Industrie steht, nicht die Wissenschaft, die postuliert „Wir forschen für Ihre Gesundheit“, wenn sie nicht nach einem Impfstoff für Erdnussallergiker forschen würde. Gesagt – getan: ein solcher steht in Aussicht, man hätte ja sonst vielleicht die Erdnussbutter aus der Schokolade nehmen müssen.

Immerhin raten viele Ärzte dazu, während der Schwangerschaft und beim Stillen auf diese Nüsse zu verzichten. Aber etwas verwirrt die Wissenschaft: die Ursachen einer Erdnussallergie sind bisher unklar. Und noch etwas scheint wissenschaftlich nicht zusammenzupassen: In Israel essen schon Kleinkinder reichlich Erdnüsse und in England kaum. Dennoch ist die Allergierate im United Kingdom rund zwanzig Mal so hoch. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Mütter hier immer mit der Sakrotanflasche hinter ihren Kindern herlaufen und ihnen einschärfen, was schon Franz Joseph De­genhardt so herrlich gesungen hat: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern ...“

Uns Naturheilkundlern kommt da schon ein Gedanke. Wollen wir ihn weitersagen? Wollen wir Ihnen sagen, dass die Schöpfungsaussage „Alles ist in Allem“ anders gemeint war und höchst zu respektieren sei. Es war damit jedenfalls nicht gemeint, dass man alles Mögliche zu einem Einheitsbrei zusammenrühren soll. Aber wem sage ich das?

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Monat April.

Herzlichst


Naturheilpraxis 04/2011