EDITORIAL

Verschwörungstheorien

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Man kann nicht gerade sagen, dass sie sich „großer Beliebtheit“ erfreuen, aber sie werden dennoch gern gehandelt und mit schaudernder Begeisterung zum Thema merkwürdigen Meinungsaustauschs bis zum Streit: Untergangsvisionen, Katastrophenprognostik und Verschwörungstheorien. Zuweilen werden solche Verschwörungstheorien von mystischen Hintergründen gespeist, manchmal sind sie auch so absurd, dass man meinen könnte, irgendjemand hat sie sich aus lauter Übermut erdacht und mutwillig in Umlauf gesetzt.

Jedenfalls kann man sicher sein, dass sich Verschwörungstheorien rasant verbreiten, weil viele sich mit dem Weitertragen interessant machen wollen und dabei gar nicht merken, wie sie selbst immer mehr daran zu glauben beginnen, denn nur ein Überzeugter kann solche Dinge mit dem Schauder des Geheimnisvollen so berichten, dass eine Art Realitätsgewinn entsteht.

Natürlich haben sich auch Forscher schon längst darum bemüht, wissenschaftlich zu untersuchen, warum manche Menschen sich so lustvoll und intensiv mit solchen Phänomenen befassen, allgemein akzeptierte Tatsachen anzweifeln und überall ein Komplott wittern. Wieso sind manche Menschen so anfällig für Verschwörungstheorien?

Man hat also die berühmten 250 Studenten zu diesem Thema „getestet“. Heraus kam zunächst, was man ohnehin vermuten konnte: Je eher ein Student dazu bereit war, selbst an einer Verschwörungstheorie teilzunehmen, desto eher glaubte er auch fremden Verschwörungstheorien. Die Psychologen vermuten, dass dieses an sich logisch erscheinende Phänomen damit zusammenhängt, dass man gern von sich auf andere schließt. Wenn man selbst also gern etwas „zusammenreimt“, glaubt man eher, dass andere das tun. Und man ist offensichtlich auch eher bereit an den Wahrheitsgehalt zu glauben, da man sich ja ansonsten auch selbst mit seinen Theorien in Zweifel ziehen müsste. Dazu scheint es auch passend zu sein, dass Menschen, die andere gern ins­trumentalisieren, bereit zu sein scheinen, konspirativ zu arbeiten, und demzufolge auch Verschwörungstheorien für glaubwürdiger halten als andere.

Außer Frage steht, dass wir im Internet­-zeitalter der sich oft widersprechenden Informationsfluten aus unterschiedlichsten Quellen einen ganz fruchtbaren Nährboden für Verschwörungstheorien bereithalten, dem viele gar nicht widerstehen können. Ihre Psyche treibt sie sozusagen in Theorien über Hintergründe zu diesen Informationen, die über Vermutungen und Gerüchte in Verschwörungstheorien einmünden, nicht selten mit dem Schauder des Negativen verbunden in Katastrophenprognostik und Untergangsvisionen.

Man denke nur an berühmt berüchtigte Beispiele: Das Ende des Maya-Kalenders, an die Behauptung, der Mondspaziergang sei eine gutgemachte Simulation der Nasa gewesen oder die Scharrbilder von Nazca in Peru seien ein Raumflughafen von Außerirdischen.

Gegenüber solchen Verschwörungstheorien sind alkoholisierte politische Stammtischgespräche recht harmlose Märchenstunden.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 04/2012