EDITORIAL

„Digitale Demenz? ...“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Der stromlinienförmige Mensch hat fortschrittsgläubig zu sein, wobei der Fortschritt ohne Frage als etwas Positives und Wünschenswertes verstanden wird. Wer sozialromantisch rückwärts gerichtet ist und stets von der guten alten Zeit erzählt, in der alles besser gewesen sei, sieht in vieler Augen ziemlich alt aus – und meistens ist er auch etwas älter, so dass seine Einstellung als Alterserscheinung eingestuft und abgetan wird.

Der Fortschritt ist schließlich auch deutlich abzulesen an den unterschiedlichen Epochen: nach der Agrargesellschaft, kam das Industriezeitalter mit Kohle und Stahl und seit einigen Jahrzehnten müssen wir uns nun nicht mehr die Hände schmutzig machen, denn wir befinden uns im Informationszeitalter – einer immer virtueller werdenden Epoche. Wer das nicht als Fortschritt begreift, muss wohl aus der Steinzeit kommen.

Die Tablet-PCs halten jederzeit jede Information für uns bereit, nehmen uns Arbeitsprozesse und Verwaltungsarbeit ab und spucken auf Knopfdruck statistische Auswertungen derselben aus.

Nehmen sie uns eigentlich auch Denkprozesse ab? Viele meinen das, aber darin steckt ein verheerendes Missverständnis, es sei denn man versteht unter den Verknüpfungsfähigkeiten unserer Computer bereits einen Denkprozess.

Wenn das also nicht so ist, muss logischerweise die Frage gestellt werden: Behindern die Computer eventuell unsere Denkfähigkeit? Das ausgeprägte Gehirn eines erwachsenen und im Denken eingeübten Menschen kann ohne Verlust für sein Gehirn den Computer verwenden, um seine Denkergebnisse zu kommunizieren, zu verarbeiten und zu speichern.

Aber wie sieht es mit den in Entwicklung befindlichen Gehirnen unserer Kinder aus? Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass die Entwicklung des kindlichen Ge­hirns schwer behindert wird durch zu häufige Ausflüge in die virtuelle Welt der Computer und ihrer Spieleplattformen. Der durchschnittliche Medienkonsum von Jugendlichen in Deutschland soll bei 7,5 Stunden täglich liegen und damit doppelt so hoch sein wie die Zeit für die Beschäftigung mit dem gesamten Schulstoff. Die Daten der Suchtbeauftragten der Bundesregierung zeigen, dass wir eine Viertelmillion Internet- und Computersüchtige haben, die behandlungsbedürftig sind.

Schon vor Jahren waren koreanische Ärzte gezwungen, sich mit diesem Phänomen auseinanderzusetzen, weil sich ihnen junge Leute vorstellten, die sich nicht nur nicht mehr konzentrieren und nicht mehr denken konnten, sondern komplett nicht mehr wussten, wo´s langgeht. Es waren Leute, die ihre Jugend am Computer verbracht haben. Damals wurde der Begriff „Digitale Demenz“ geprägt.

Es ist ein verheerender Irrtum zu glauben, dass unsere Kinder später nicht den Computer bedienen können, wenn sie nicht in der Grundschule oder gar schon im Kindergarten damit umzugehen lernen. Das Gegenteil ist der Fall: ihr Gehirn kann sich trainieren, an den Erfahrungen, die sie machen, sich ihre Welt zu erobern, um schließlich später mit einem ausgeprägten Verstand den Computer viel besser ausschöpfen zu können.

Schenken Eltern ihrem Kind eine Playstation, verschaffen sie ihm schlechte Noten und Schulprobleme, meint der Gehirnforscher Manfred Spitzer. Auch solche Themen sollten beim Patientengespräch kein Tabu sein.

Ganz in diesem Sinne darf ich Sie, verehrte Fachleserschaft, mit Ihren ausgeprägten Gehirnen, durchaus einmal einladen, uns auf Facebook zu besuchen, wo wir versuchen, auch anderen „Leserschichten“ z.B. unsere Heilpflanzen nach und nach etwas näher zu bringen.

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Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 10/2012