EDITORIAL

»Alle reden von Kooperation, wir haben sie«. So oder ähnlich könnte der Slogan der Deutschen Heilpraktiker lauten. Nun wird die Silbe »Ko« im Sinne von »Zusammen« heute allenthalben im Munde geführt. Auch die beiden großen Blöcke in Ost und West haben für ihr Zusammenleben das Wort Koexistenz gefunden, wobei »Ko« hier weniger den Sinn von »zusammen« zu haben scheint, sondern eher von »miteinander « oder, noch trauriger, »nebeneinander«. Die Kombination dieser an sich integrierenden Silbe »Ko« mit dem Wort Existenz heißt also in ihrer Minimalforderung, daß man nebeneinander herleben will, ohne sich etwas zu tun.

Ganz anders das Wort »Kooperation«: Es drückt Tatkraft aus und sagt, daß man etwas miteinander unternehmen will. Die Deutschen Heilpraktiker sind im Unterschied zu den beiden .Blöcken in Ost und West keine so unüberschaubare Einheit, daß man sich nur auf Minimalforderungen verständigen kann. Nicht nur die politischen Behörden verlangen von uns, daß wir, wenn es um unsere berufspolitischen Belange geht, mit einer Stimme sprechen. Vielmehr muß dieses Zusammenarbeiten Herzensbedürfnis sein für uns Heilpraktiker, die wir als unabdingbare Forderungen für die Ausübung unseres Berufes die Begriffe Verständnis, Liebe, Zuneigung, Mitleid und Demut haben müssen um der kranken Menschen willen, die zu uns finden.

Unser Bundeskongreß am Anfang dieses Monats in Düsseldorf war ein Kongreß der Integration. Die Kooperation Deutscher Heilpraktikerverbände der DH, der Union und des VDH, die ursprünglich eine Konstruktion war, um in Bonn mit einer Stimme sprechen zu können, beginnt sich immer mehr mit Leben zu füllen. Die ehrlichen Bekenntnisse der drei Präsidenten zur Kooperation hat alle zuhörenden Heilpraktiker angerührt und besonnen gemacht. Der glückliche Umstand, daß man nach den Vorträgen nicht in alle Himmelsrichtungen auseinanderging, sondern daß allein über dreihundert Heilpraktiker in einem Hotel wohnten, hat sicher seine Katalysatorwirkung bei der interkollegialen Verständigung nicht verfehlt. Man »mußte« sich immer wieder begegnen, in der Cafeteria, im Restaurant, in der Bar, in den verschiedenen Foyers. Überall sah man Kollegen der verschiedenen Verbände miteinander im Gespräch. Fachfortbildungsleiter der unterschiedlichen Verbände saßen zusammen und fragten sich, warum man eigentlich alles so getrennt veranstaltet und diskutierten die Möglichkeit, auch an der Basis künftig enger zusammenzuarbeiten. Pläne wurden geschmiedet, die hoffentlich schnell reifen. Mit Toleranz und Verständnis gestand man sich aber auch die Zeit zu, die es noch braucht, einige unterschiedliche Positionen zur Übereinstimmung zu bringen.

Alle Gespräche waren getragen von der Hoffnung auf unser gemeinsames Ziel. Ein neuer Anfang ist gemacht, ein Funke ist übergesprungen. Der Blick zurück in die Vergangenheit hat nicht die alten Konflikte wiederaufleben lassen, sondern war ein Weg der Rückbesinnung auf unsere eigentlichen Quellen und Gemeinsamkeiten, nämlich die Naturheilkunde.

Und so hat denn auch das Thema unseres Kongresses »Natur und Gesundheit« widergespiegelt, worum es geht. Nicht um irgendwelche diffusen Flickwerkaktionen an den unterschiedlichsten Schauplätzen, sondern um die vom Ganzheitsgedanken getragene Gemeinsamkeit. Denn der Mensch und die Natur haben nur eine Gesundheit. Sicher gehört zur Gesundheit des Menschen als soziales Wesen auch der feste Wille für ein friedliches Zusammenleben. Wenn es einem Berufsstand in Deutschland um die gemeinsame Sache gehen sollte, dann sind es doch wir Heilpraktiker und alle unsere Freunde, die sich um die Naturheilkunde scharen; weil wir die Wahrheit der Natur nicht manipulieren oder verändern wollen, sondern anerkennen.

Wie war das doch? Wenn man am Boden liegt, daß man den Blick zu den Sternen richten sollte?  

Ihr


Naturheilpraxis 07/1983