EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am 8. Juni saß das Bundesgesundheilsamt (BGA) wieder einmal zu Gericht, um über das Ende oder den Fortbestand des vorübergehenden Ruhens der Zulassung für sogenannte Zelltherapeutika zu beschließen. Es entledigte sich damit seiner Pflicht, im Rahmen des dafür vorgesehenen Stufenplanverfahrens die Stufenplanbeteiligten, also Hersteller, Sachverständige, Mitglieder der Arzneimittelkommissionen und weitere Interessengruppen zum Thema zu hören, was freilich keineswegs bedeutet, daß sich das Gremium des BGA in irgendeiner Weise eventuell durch sachverständige Beiträge in seiner bereits vorgefaßten Meinung noch beeinflussen lassen wollte.

Man kennt diesen mißverständlichen »Dialog« zwischen dem biologisch-naturheilkundlich denkenden Lager und den streng an der Schule ausgerichteten, sogenannten wissenschaftlichen Vertretern zur Genüge – ein stets in derselben Weise Aneinandervorbeireden, wenn ein biologisches Mittel strittig verhandelt wird. Während die Vertreter der biologischen Medizin die Argumentation des BGA zwar theoretisch nachvollziehen können, aber immer darauf aufmerksam machen, daß diese nicht auf die biologischen Mittel zutreffe und andere Kriterien zur Beurteilung herangezogen werden müßten, stehen die Vertreter des BGA den Argumentationen der biologischen Medizin mit absolutem Unverstand gegenüber.

Wenn z. B. im Zusammenhang mit der Erörterung von Möglichkeilen, Risikopatienten in bezug auf eine Allergisierung durch Zelltherapie über evll. Testmethoden herauszufinden, festgestellt wird, daß es in erster Linie Patienten mit stummen und sogenannten unentdeckten Herden sind, und man dann einige Testmethoden, diese kenntlich zu machen, erörtert, etwa den unspezifischen IgE-Test, den Granulationstest, das Testen der Histaminempfindlichkeil, den Hautprovokationstest, internistische Untersuchungsmethoden, das Blutbild – und hier insbesondere die BSG, aber auch die Bioelektronische Funktionsdiagnostik (BFD) und von Sachverständigen des BGA dann gefragt wird: »Ach bitte, was verstehen Sie denn unter ... wie sagten Sie doch?- Biologische Funktionsdiagnostik« worauf die Antwort Iautet, daß man dort über Hautwiderstandsmessungen gewisse energetische Fehlsteuerungen in bezug auf Herdgeschehen messen kann, wenn dann gekontert wird: »Was hat denn der Hautwiderstand mit dem Herdgeschehen zu tun?«- ... Wenn man dies alles hört und miterlebt, und bedenkt, daß diese Damen und Herren hinterher die sogenannte Endbeurteilung – oder besser gesagt Verurteilung  – vornehmen, verspürt man als Staatsbürger und Steuerzahler eine nicht geringe Lust, sie vom Pult zu verjagen.

Kein Wunder, daß bei engagierten biologischen Therapeuten mit der Erfahrung von Hunderttausenden von Zelltherapien die Argumentation gegenüber dem BGA nicht ganz emotionslos bleiben kann. In diesem Zusammenhang erscheint die Mahnung des Tribunals, doch bitte sachgebunden und emotionslos diskutieren zu wollen, eher als eine zusätzliche Provokation. Gerade die Borniertheit, mit der man zeigt, daß man durch das Stufenplanverfahren einer gesetzlichen Pflicht der Anhörung genügt, sich aber keineswegs beeinflussen zu lassen gedenkt, erzeugt ja erst bei den dermaßen von oben herab Behandelten das Ohnmachtsgefühl, das als letztes Ventil die „Emotion“ läßt.

Man sollte endlich ein für allemal einen grundsätzlichen Wissenschaftsdialog zwischen streng naturwissenschafllich ausgerichteten und biologisch-naturheilkundlich Denkenden führen, der entweder Vorurteile ausräumt oder aber endlich zu der Erkenntnis führt, daß man sich nicht miteinander unterhalten kann. Dann sollte allerdings im Sinne des Wissenschaftspluralismus auch ein Ende damit gemacht werden, daß diejenigen Kreise über die biologische Medizin zu Gericht sitzen, die nichts davon verstehen und auch nichts davon verstehen wollen.

Es ist unsinnig und eine Farce, daß man dieses Aneinandervorbeireden bei jedem strittig werdenden biologischen Mittel von neuem zelebriert – ein unwürdiges Schauspiel, das zudem noch durch seinen personalintensiven Verwaltungsaufwand den Steuerzahler eine Menge Geld kostet. Es steht abermals die Frage im Raum, warum bei soviel hochgeschraubtem und meist auf Staatskosten teuer erworbenem Spezialwissen unbedingt der gesunde Menschenverstand auf der Strecke bleiben muß? Es erscheint immer unverständlicher, warum es nicht auch in der biologischen Medizin zu einer in den Kriterien ihr angemessenen Beurteilung von Nutzen und Risiko kommen kann?

Aber hier sind eben die gefragt, die etwas davon verstehen, und nicht die, die von vornherein dagegen sind und deren Beurteilungsverstand durch ihren eigenen Wissenschaftsdogmatismus vernagelt ist. Ich finde, man sollte es nicht auf die Spitze treiben! Denn eine zunehmende Gegnerschaft zwischen beiden Lagern wird eine vernünftige Lösung zunehmend blockieren.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 07/1988