EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Neulich las ich in der Zeitung folgenden Artikel:

Kind durch Verabreichung großer Salzmenge umgebracht
Salem, 15. Dezember – Eine 36 Jahre alte Frau ist von einem Gericht in Salem/Virginia für schuldig befunden worden, ihre vier Jahre alte Adoptivtochter durch Verabreichung einer großen Menge Salz getötet zu haben. Die Frau hatte dem Kind Salz gegeben, nachdem sie es beim Naschen aus der Zuckerdose ertappt hatte.

Ich möchte Ihnen Hintergrundinformationen zu dieser Meldung nicht vorenthalten: Das BGA erwägt Maßnahmen zum Verbot von Salz. Ausgenommen hiervon soll der Verbrauch aus mit Zeitschaltuhren ausgerüsteten Streuern sein, die täglich nur bis zu höchstens 1 1/2 Körnchen freigeben. Das Entnehmen der Tagesdosis ohne sofortigen Verbrauch sowie das Ansammeln tödlicher Dosen ist bei Strafe untersagt. Die Verpackungsindustrie arbeitet an einem Dosierverschluß, der die Tagesdosis nur freigibt , wenn diese direkt in Speisen eingeleitet wird. Zusätzlich erwägt man die Einführung der Flüssigsatzung in Tagesdosisampullen zu 1 ml mit einer Konzentration von 0,1 ppm – ähnlich wie bei den Pyrrolizidinen.

Da das Kind allerdings zuvor Zucker genascht hatte, läßt das BGA gegenwärtig Überfütterungsversuche mit Puderzucker an Hasen durchführen. Diese sollen evtl. zu Ostern als Zuckerhäschen auf den Markt kommen. Möglicherweise können sich die Versuchsreihen mit Staubzucker aber noch hinziehen, da bei solcherart Versuchsanordnung absolute Windstille herrschen muß. Dr. Kleinbaas vom BGA wies darauf hin, daß die jahrtausende alten Erfahrungen mit Staubzucker null und nichtig seien, da man nicht ausschließen könne, daß Wind mit im Spiel war. Erst die Versuche unter idealen Laborbedingungen, wie man sie sonst in der Realität nicht vorfindet, könnten einen Aufschluß über die Unbedenklichkeit des »süßen Lebens« geben.

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören war, soll ein bekannter deutscher Schokoladenhersteller Interesse gezeigt haben, die Puderzuckerhasen später, damit sie nicht so stauben, mit einem Guß zu überziehen. Die Gußmasse soll – wie verlautete – aus Diabetikerschokolade bestehen, um die Akzeptanz der Osterhasen in der allgemein stoffwechselerkrankten Bevölkerung zu erhöhen. Die Opposition sieht in dem Versuch, die Beliebtheit von Osterhasen in der Bevölkerung zu erhöhen, eine gezielte wahlkampftaktische Variante der Regierung, mit der sie sich Vorteile bei der nächsten Wahl verschaffen wolle. Sie schloß nicht aus, daß sie in diesem Falle für sich die Weihnachtsmänner reklamieren werde.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung hingegen hat die konzertierte Osterhasen-Aktion im Gesundheitswesen nach der durch die Strukturreform entstandene Flaute zu Beginn des Jahres als ein Zeichen guten Willens sowohl von seiten des BGA wie auch von der Zucker- und Schokopharma als eine, in die auch nicht der kleinste Tropfen Salz fallen dürfe, ausdrücklich begrüßt.

Ich darf doch davon ausgehen, daß Sie, verehrte Leserschaft, diese Hintergrundinformation vertraulich behandeln.

Herzlichen Dank


Naturheilpraxis 02/1989