EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sorge, Bestürzung und Protest waren in den letzten Jahren die meistgebrauchten Worte, wenn es darum ging, die Behandlung der Naturheilmittel durch den Gesetzgeber und seine ausführende Behörde, das Bundesgesundheitsamt, zu kommentieren. In einer naturheilkundlichen Fachzeitschrift war man eigentlich schon daran gewöhnt, ständig sein Klagelied anzustimmen und man kommt fast aus dem Rhythmus, wenn es jetzt etwas Erfreuliches zu berichten gibt. Aber der Ehrlichkeit halber: Es gibt einen begründeten Anlaß zu positiver Berichterstattung.

Der Referentenentwurf des Bundesarbeitsministers zur Negativliste, der ja überfallartig zum 1.1.1990 in Kraft treten sollte und der eine Unmenge von Naturarzneimitteln aus der Erstattung der gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen hätte, hat sein Gesicht nun doch noch gewaltig verändert. Man hat den Vertretern der besonderen Therapierichtungen wirklich einmal sehr genau zugehört, ihre Argumente auf sich wirken lassen und tatsächlich in der Abänderung des Referentenentwurfs Konsequenzen gezogen, die sich immerhin sehen lassen können. So stellt man sich Sachverständigenanhörungen eigentlich auch vor. Das war bisher leider nicht immer der Fall.

Die Rechtsverordnung über die Negativliste wird zunächst einmal eineinhalb Jahre später in Kraft treten, nämlich zum 1.7.1991, d. h., daß möglichst keine Arzneimittel vor ihrer Nachzulassung vorverurteilt werden.

Zum anderen ist der Paragraph, der die Kombinationsmittel der besonderen Therapierichtungen auf sechs begrenzen sollte, ersatzlos gestrichen worden. Es gibt also keine Begrenzung der Kombinationspartner nach oben, jedenfalls nicht in der Rechtsverordnung nach § 34 GRG.

Da kann man sich diese vorweihnachtliche Zeit eigentlich nur mit der Hoffnung verschönen, daß es gelingen möge, auch noch die beiden anderen Schlingen, die um den Hals der Naturheilmittel gelegt sind, rechtzeitig zu durchtrennen, nämlich die »Nachzulassung« und die Arzneimittelprüfrichtlinie.

In diesem Sinne, meine lieben Leserinnen und Leser, wünscht Ihnen die Redaktion der NATURHEILPRAXIS eine friedliche Adventszeit in guter Stimmung, schöne Feiertage... und kommen Sie schließlich hoffnungsfroh in das Jahr 1990.


Naturheilpraxis 12/1989