EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Mißverständnis von Wunsch und Wirklichkeit, das schon bei den alten Chinesen im Nackenbereich angesiedelt war, sitzt uns im wahrsten Sinne des Wortes in demselben. Die Politiker, die eigentlich weniger fürs Philosophieren und Politisieren zuständig sein sollten, sondern für die Realisation und Bewältigung lebenswichtiger Aufgaben unserer Gemeinschaft, bewegen sich im Bereich der Umweltfragen in gewisser Weise im luftleeren Raum. Durch langwierige und umständliche – als demokratisch bezeichnete bürokratische Prozesse wird effektives Handeln allzu lange vor sich hergeschoben. Dabei handelt es sich im Umweltbereich nicht um irgendein politisches Feld, auf dem zu streiten, zu diskutieren und Strategien zu entwickeln man beliebig Zeit hat, sondern hier geht es um ein Problem, das uns während des Diskutierens einholt und – wenn es so weiter geht – überholt.

Es genügt nicht, daß wir Schäden messen und warnen. Kaum ein Tag vergeht, wo nicht eine neue Schreckensmeldung durch die Medien geistert. Es kann eben nicht zur Beruhigung beitragen, wenn man liest, daß sich die Umweltminister von Bund und Ländern auf ein einheitliches Warnsystem bei Sommersmog geeinigt haben, der bei starker Sonneneinstrahlung aus Stickoxyden und Kohlen Wasserstoffen eine zu hohe Ozonkonzentration entstehen läßt und zu Schleimhautreizungen führt. Und ein wenig klingt das alles auch noch so, als sei die Sonne schuld.

Welche ungeheure Verunsicherung löst die Meldung aus, daß die Gesundheitstees, die Patienten zur Genesung trinken, übermäßig mit Schadstoffen belastet sind.

1987 war das Motto des Deutschen Heilpraktikertages: »Heile Natur heilt«, und natürlich besteht die Gefahr, daß eine zerstörte Natur nicht mehr heilen kann – uns nicht und evtl. sich selbst nicht. Soweit darf es nicht kommen.

Herzlich ihr


Naturheilpraxis 08/1990