EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

bei der Sorge, was aus den EG-Richtlinien-Entwürfen auf unsere naturheilkundlichen Mittel zukommen könnte, sind die Probleme mit der Nachzulassung dieser Mittel im eigenen Lande ein wenig in den Hintergrund gedrängt worden. Dabei bauen die Richtlinien auch z. B. für die homöopathischen Komplexmittel nur schwer überwindbare Hürden auf, indem sie postulieren, daß das Wirkspektrum eines Kombinationspräparates die Summe seiner Einzelwirkungen sein soll. Ein eigenes Wirkspektrum wird nicht zugestanden. Die »Arzneimittelkommission für Biologische Medizin der Hufelandgesellschaft« hat den Vorschlag für eine Richtlinie erarbeitet, die den homöopathischen Komplexmitteln gerecht würde, die alle Interessierten zur Kenntnis nehmen sollten und für die es sich einzusetzen lohnt:

»Bewertungskriterien für fixe Kombinationen aus homöopathischen Kombinationspartnern

Präambel:
Fixe Kombinationen aus homöopathischen Kombinationspartnern werden seit Jahrzehnten bei den verschiedensten Indikationsgebieten angewendet. Veröffentlichungen, klinische Prüfergebnisse, sogenanntes anderes wissenschaftliches Erkenntnismaterial wie Fachliteratur, Gutachten und Erfahrungsberichte von Verordnern, bestätigen die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Arzneimitteln dieser Art.

Definition:
Fixe Kombinationen aus homöopathischen Kombinationspartnern sind Mischungen von homöopathischen Einzelbestandteilen. Die Herstellung der Mischung sowie ihrer Einzelbestandteileerfolgt nach Vorschriften des geltenden homöopathischen Arzneibuches.

Anforderungen:
Fixe Kombinationen aus homöopathischen Kombinationspartnern müssen folgende Voraussetzungen erfüllen: Der Nachweis von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit im Rahmen einer Nutzen/Risiko-Abwägung kann durch Monographien der einzelnen Bestandteile oder durch gesonderte Dokumentation des Gesamtpräparates erbracht werden. Hierfür kann neben klinischen Studien auch anderes wissenschaftliches Erkenntnismaterial nach § 22 Abs. 3 AMG herangezogen werden, wie Fachgutachten und Sammlungen von Therapieberichten, die eine Auswertung und Reproduzierbarkeit ermöglichen, die methodisch sich aber an den Besonderheiten dieser Arzneimittel orientieren müssen.

Die Begründung der fixen Kombination nach § 22 Abs. 3a AMC kann unter Verwendung von Monographien der homöopathischen Einzelmittel, Gutachten von Fachgesellschaften oder homöopathischer Fachliteratur erfolgen, wobei ganzheitsmedizinische Gesichtspunkte zu berücksichtigen sind. Dabei können zum Beispiel konstitutionelle, funktionsbezogene und organotrope sowie symptom- und modalitätsorientierte Aspekte zur Begründung herangezogen werden.«

Wenn die Ideen der Praktiker, die die Erfahrung mit den Patienten haben, sich in dieser Weise in der Arzneimittelgesetzgebung niederschlagen würden, müßte uns um die Zukunft unserer Naturheilkunde nicht bange sein.

Herzlich


Naturheilpraxis 09/1990