EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

natürlich ist der Verbraucherschutz ein unverzichtbares Rechtsgut, weil dahinter der Schutz der menschlichen Gesundheit steht. Nun sollte man ja meinen, daß es auch der letzte begriffen hat, daß die Naturheilkunde und die nach ihren Gesetzen »lege artis« verordneten Naturarzneimittel wie kaum eine andere Maßnahme dem Ziel des Gesundheitsschutzes dienen. Von daher müßte die Naturheilkunde als willkommene Maßnahme auch bei den verantwortlichen staatlichen Stellen uneingeschränkte Anerkennung und Akzeptanz finden. Das ist aber – zugegeben mit Ausnahmen – fast nur in Sonntagsreden der Fall. In praxi unterliegen die Naturheilkunde und in besonderer Weise die Heilpraktikeranwender an allen Ecken und Enden Restriktionen.

Eine besonders perverse Art der Einschränkungen kommt aus der Gesetzes- und Richtlinienschmiede der EG. Hier argumentiert man beabsichtigte Einschränkungen der Naturheilkunde, die im Gegensatz zur stark nebenwirkungsbehafteten Arzneitherapie ohnehin schon eine Verbraucherschutzmaßnahme ist, ausgerechnet mit dem Verbraucherschutzgedanken.

Wenn das sachgerecht und toxikologisch begründet ist, sind Naturheilkundler die letzten, die dem nicht folgen, denn sie wünschen in erster Linie eine unbedenkliche und unschädliche Therapie, getreu ihrer Maxime »nihil nocere«.

Wenn aber die naturheilkundlichen Mittel von sachfremden Fachleuten be- oder besser abgeurteilt und Sicherheitsstandards aus Unkenntnis unnötig hochgeschraubt werden und damit eine Jahrhunderte bewährte und zudem noch seit einem guten Jahrzehnt in den Kommissionen des BGA toxikologisch und pharmakologisch wissenschaftlich aufbereitete Therapierichtung grundlegend beeinträchtigt wird, ist das nicht hinzunehmen.

Dem Bürger sollen in Zukunft bei »ganz normalen« Gesundheitsbeschwerden seine gewohnten und ihm in ihrer Wirkung bekannten »ganz normalen« Mittel vorenthalten werden. Er soll sich der Chemie bedienen, und es soll möglichst soll auch gleich noch ein Arztbesuch mit herausspringen.

Das ist kein Verbraucherschutz, sondern Verbraucherbevormundung. Wir sollten keine Gelegenheit auslassen, es dem Verbraucher zu sagen.

Herzlich


Naturheilpraxis 11/1990