EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die vor ein bis zwei Jahrzehnten überaus kühnen Prognostiker sind etwas kleinlaut geworden. Bis 1990, spätestens aber bis zur Jahrtausendwende, wollte man die Krebssterblichkeit auf die Hälfte heruntergedrückt haben. Aber es ist alles ganz anders gekommen: Die Zahl der Krebstoten steigt, obgleich viele Milliarden verforscht worden sind. Auch in Fachkreisen der streng wissenschaftlich orientierten Onkologie beginnt sich eine gewisse Unzufriedenheit breitzumachen, daß das, was wissenschaftlich bewiesen ist, partout in der Praxis nicht klappen will.

Neuere Studien scheinen denn auch vereinzelt sogar wissenschaftlich begründete Zweifel an der Richtigkeit der Wirksamkeitsnachweise z. B. von Zytostatika aufkommen zu lassen. Leider haben diese Zweifel doch noch nicht zu entsprechenden Schlußfolgerungen oder gar Konsequenzen geführt, daß nämlich die biologische Krebstherapie wahrscheinlich nur deshalb so ein »Schattendasein« führt, weil sie von den gesamten Forschungsmilliarden kaum einen Pfennig zu sehen bekommen hat. Würde man nur einen Bruchteil in die Erforschung auch der biologischen Krebstherapie stecken, könnten sicher leicht einige nicht zu übersehende Erfolge derselben erklärbar und in der Gesamttherapie des Krebses zum Wohle der Patienten nutzbar gemacht werden.

Eines jedenfalls bleibt festzuhalten, daß nämlich bei soviel Versagen der »naturwissenschaftlichen« Medizin die Naturheilkunde um so mehr aufgerufen ist, ihre Prinzipien einer ganzheitlichen Betrachtungs- und Heilweise zum Wohle der hilfesuchenden Krebskranken in die Waagschale zu werfen.

Dieses verlangt Wissen, Können, Engagement und nicht zuletzt Einfühlungsvermögen, damit berechtigt Verantwortung übernommen werden kann. Erschwerend kommt hinzu, daß die naturheilkundliche Therapie noch nicht durch das »lege artis« des wissenschaftlichen Dogmas sanktioniert ist.

Aber wo soviele »lege artis« sterben, ist naturheilkundliches Engagement allemal legitimiert.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 02/1991