EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

viele Sachen auf dieser Welt sind auf eine ganz natürliche Weise mit Personen verbunden. Erst wie wir damit umgehen, verschiebt das Bild zur einen oder anderen Seite. Die sachliche Auseinandersetzung, z. B. über gegensätzliche Standpunkte, wird erst dadurch zum unsachlichen Konflikt, daß man diese verpersönlicht. Eine beliebte – wenn auch logischerweise für die Sache selbst zerstörerische – Spielart in den Funktionärsetagen von Verbänden.

Das andere Extrem mit diesem Phänomen »Sache – Person« umzugehen, ist die unabhängig von jeder Person betriebene »Versachlichung«: Bei Fachgesellschaften, die von ihrer Sache fasziniert und durchdrungen sind, mag diese Fachbezogenheit zeitweilig unumgänglich sein und eine wunderbare Bescheidenheit der Menschen zeigen, die ihrer Sache ohne Rücksicht auf ihre Person dienen möchten.

Gleichzeitig leben solche Personen oft aus der Sache heraus, für die sie da sind. Es ist doch keine Frage, daß eine solche Verknüpfung eine ganz elementare Lebensform ist und eine wunderbare und beglückende noch dazu, wenn man sich mit einer Sache identifizieren kann. Und sicher ist ein Teil des Erfolges, den die Naturheilkunde in der Behandlung kranker Mitmenschen zu verzeichnen hat, der Tatsache zu verdanken, daß der Naturheilkundler sich mit seiner Sache identifiziert, daß er ein »Überzeugungstäter«, daß er im besten Sinne ein fanatischer Verfechter der Naturheilkunde ist. Sicher ist die Naturheilkunde nicht zuletzt auch zu so hohem Ansehen gelangt, weil sie von solchen überzeugten und engagierten Persönlichkeiten getragen wird.

Diese Erkenntnis können wir heute nicht ganz zufällig an einem Beispiel festmachen, da wir in diesem Monat das Schwerpunktthema »Traditionelle chinesische Medizin« gewählt haben, in diesem Monat, in dem vom 8. -11. Mai in Rothenburg die große Jahrestagung der »Arbeitsgemeinschaft für klassische Akupunktur und traditionelle chinesische Medizin e. V.« stattfindet. Und hier ist so eine glückliche Verknüpfung dieser Arbeitsgemeinschaft mit einer Person und deren erfülltem Engagement. Diese Person ist kein geringerer als August Brodde, der der Naturheilkunde speziell in diesem Bereich so vielfältige und wichtige Impulse gegeben und die Arbeitsgemeinschaft zu Bedeutung und Ansehen geführt hat, und nicht umsonst hat man ihn zum Präsidenten der »Societé international d'Acupuncture« gewählt.

Das bedarf an dieser Stelle einmal der dankbaren Erwähnung. Möge diese glückliche Verknüpfung beiden weiterhin wohl tun.

Und da es uns allen wohl ergeht, möchte ich an dieser Stelle dazu aufrufen, an die zu denken, die in bitterer Not sind:

HELFEN SIE MIT SPENDEN FÜR DIE KURDEN.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 05/1991