EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Es ist nicht einfach, zu mehr Frieden und Einigkeit aufzurufen, man ist nicht immer in guter Gesellschaft. Solche Aufrufe haben Eingang auch in strategische Überlegungen gefunden und dienen sozusagen den Wölfen als Schafspelz. Es ist Mode geworden, den Aufruf zur Einigkeit mißverständlich als Kampfruf auszustoßen, und man meint damit nicht selten, daß das, was man selber macht, der einzig richtige Weg sei, dem sich alle anderen anzuschließen hätten.

Bleibt die Mahnung daran, daß Einigkeit gerade nicht das schweigende Einverständnis mit einem Alleinvertretungsanspruch ist, sondern der auf der Grundlage der Toleranz und des gegenseitigen Respekts erwirkte Frieden untereinander. Daß der Berufsstand diesen braucht, wie die Gnade zum Heilen, wer zweifelt daran? So muß man denn den Mut fassen und dennoch zu Frieden und Einigkeit aufrufen, zur Rückbesinnung auf unsere Quellen, aus denen wir in unserem Heilberuf schöpfen und von denen wir uns nicht abgraben dürfen.

Sicher ist es wichtig, die Adventszeit, die Zeit der Erwartung, daß uns Rettung und Hilfe zuteil wird in unserem geistig-seelischen Bereich, in dem wir immer wieder zu verhärten drohen, für uns zu nutzen. Sie ist wie keine andere geeignet zur Besinnung auf unsere eigentliche Bestimmung, auch in unserer Aufgabe dem Nächsten, dem Kranken gegenüber.

Unser Redaktionsteam nimmt es nicht als Selbstverständlichkeit, daß Sie uns die Treue gehalten haben. Wir wissen, daß zu unserem Bemühen auch Ihr Geneigtsein, verehrte Leserinnen und Leser, gehört.

Wir möchten uns für Ihr Wohlwollen und Verständnis bedanken, das Sie uns als Fachzeitschrift für de großen Bereich der Naturheilkunde entgegenbringen, wenn Ihr ganz spezielles Interesse einmal »zu kurz« kommt. Wir wünschen uns aber, daß wir immer wieder auch Interesse wecken können für Neues, oder für eine neue reizvolle Perspektive des »Althergebrachten«.

Wir fühlen uns in jedem Falle über das Fachliche hinaus dem naturheilkundlichen Denken verbunden, das den Behandler zum Wohl unseres Patienten in den Prozeß der Behandlung einbezieht und ebenso Teil des Ganzen ist wie der Patient und das Heilmittel. Nicht zuletzt auch fließt aus der »sanften« Heilweise die Aufforderung zur friedlichen Bewahrung dessen, was uns anvertraut ist.

Wir wünschen Ihnen Kraft aus der Besinnung für Ihre schwere Aufgabe am kranken Mitmenschen und Ihnen und Ihren Familien ein segensreiches Weihnachtsfest.

Herzlich


Naturheilpraxis 12/1991