EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

abgesehen von klinischen Notfall- und Intensivmaßnahmen, die freilich wegen ihres lebensrettenden Charakters und der meist herrschenden Zeitknappheit ganz auf die augenblickliche Situation bezogen und standardisiert sein müssen, versucht die Medizin, so alt sie ist, immer auch die Person des Kranken in ihre Überlegungen einzubeziehen. Erst die letzten Jahrzehnte des rasanten technischen Fortschritts in der Medizin waren von einer Tendenz geprägt, allein auf Krankheiten und Indikationen bezogene standardisierte Maßnahmen mehr und mehr in die »ganz normale Alltagsmedizin« einzuführen. Auch die Arzneimittelzulassungen durch das BGA leisten dieser Tendenz Vorschub, indem dieses nicht nur standardisierte Qualität und Unbedenklichkeit verlangt, sondern durch Zulassungsbedingungen im Bereich der Wirksamkeit auch die auf Krankheiten ausgerichtete indikationsbezogene Standardisierung begünstigt, die zwangsläufig die Einbeziehung des jeweiligen kranken Individuums außer acht läßt.

Durch eine vermehrte Hinwendung zu den Naturheilverfahren ist auch das Problembewußtsein für das naturheilkundliche Gedankengut gewachsen, daß es den Krankheitsverlauf zu beachten gilt, der durch die Begegnung einer Krankheit mit einer individuellen Konstitution eines Kranken geprägt ist, und daß man einen kranken Menschen dementsprechend auch aus diesen beiden Ansatzpunkten heraus in der Behandlung angehen kann.

Die Heilkunde war von alters her dieser Frage nachgegangen: »Wer ist eigentlich dieser kranke Mensch? Wo, auf welchem Weg befindet er sich?«

Hier hat es die unterschiedlichsten Ansätze gegeben, diese Frage zu beantworten. So fragte die alte Säftelehre nach der jeweiligen Mischung der Säfte in einem Kranken und wollte wissen, auf welchem Weg er sich zum Beurteilungszeitpunkt befand, ob vom Sanguiniker mehr zum Choleriker oder Melancholiker oder einer Mischung.

Es hat eine Vielzahl von Konstitutionserwägungen gegeben bis hin zur Irisdiagnostik mit ihren Unterkonstitutionen, Dispositionen und Diathesen. Die Homöopathie bemüht sich, möglichst die individuelle Konstitution herauszufinden, wobei man nicht vergessen darf, daß es mehr unterschiedliche Menschen gibt, als man Similes zur Verfügung hat. So ist im materiellen Bereich, falls es diesen im Lebendigen isoliert überhaupt gibt, sicher die Eigenblutbehandlung die individuellste Therapie.

Seit gut einem Jahrzehnt macht die »Bioresonanztherapie« mehr und mehr von sich reden. Auch sie kann für sich in Anspruch nehmen, eine wirklich individuelle Therapie zu sein und zwar im Bereich ultrafeiner energetischer Schwingungen. Es ist nicht verwunderlich, daß die Erfolge in der Praxis frappierend sind.

Wenn es auch manchmal Probleme und sogar Mißerfolge geben kann, vielleicht liegt es daran, daß wir hier zwar in einem energetischen Steuerungsbereich arbeiten, der sicher ein sehr übergeordneter ist, aber eben immer noch nicht mit dem »Kern des Lebens« behandeln, der ein wohlgehütetes Geheimnis bleibt.

In diesem Sinne Ihr


Naturheilpraxis 02/1994