EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im vergangenen Monat Juni gab es wie im letzten Jahr zwei Großveranstaltungen der Heilpraktiker, einmal den Deutschen Heilpraktikertag in Düsseldorf anfangs des Monats und den Deutschen Heilpraktikerkongress in Hannover Ende des Monats.

Außenstehende könnten meinen, dass dieses Ausdruck einer ganz besonderen Wissbegier und eines mit einem einzigen Kongress gar nicht zu befriedigenden Informations- und Fortbildungsbedürfnisses sei. Insider allerdings kennen die Eltern dieses »doppelten Lottchens« und wissen, daß diese zwei getrennten Veranstaltungen in der seit Jahren scheinbar unüberwindlichen Blockbildung der Verbände begründet liegen.

Viele haben bereits die Hoffnung aufgegeben, daß diese Blockbildung wirklich überwunden werden kann, weil die Interessenslage der Verbände zu unterschiedlich ist und jeder glaubt seine Linie „zum Wohle des Berufsstands“ fortsetzen zu müssen. Dabei kann es überhaupt kein größeres Wohl für den Berufsstand geben, als daß die Verbände sich einig wären und in wichtigen Fragen nach außen gemeinsam mit einer Stimme sprächen. Auch der befreundeten biologisch-pharmazeutischen Industrie wäre zu gönnen, dass sie ihre Zelte nur noch jährlich einmal bei einer Großveranstaltung aufschlagen muß.

Die NATURHEILPRAXIS versucht als überverbandliche Fachzeitschrift der deutschen Heilpraktiker über das fachliche Engagement hinaus, auch das  gemeinsame Interesse zu fördern. Analysen bestehender Umstände, auch das Ansprechen von Mißständen, sollen helfen, die Probleme durchschaubarer für den einzelnen zu machen, damit sich jeder einen Überblick verschaffen, eine eigene Meinung bilden und auf diese Weise aktiv Einfluß auf das Verbandsleben nehmen kann, um seinen Teil zur Überwindung der Blockbildung beizutragen.

Einen Hoffnungsschimmer für mehr Gemeinsamkeit gibt es seit einiger Zeit: die Arzneimittelkommission der deutschen Heilpraktiker in der gemeinsamen Trägerschaft von sechs Verbänden. Die wichtigen arzneimittelpolitischen Probleme werden also bereits gemeinsam vertreten. Gemeinsamkeit heißt hier selbstverständlich: Erhalt unserer Mittel – darüber gibt es wohl auch keine Meinungsverschiedenheiten.

Warum sollte dieses Modell nicht ebenso auf anderen Gebieten möglich sein? Das Ziel muß die Auflösung der Blöcke Kooperation und Arbeitsgemeinschaft sein. Der Briefkopf in der gemeinsamen Außenvertretung der Heilpraktiker sollte schlicht und einfach lauten: »Die Deutschen Heilpraktikerverbände« – und zwar möglichst alle und einvernehmlich und wirklich zum Wohle des Berufsstands.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 07/1994