EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Kohlepfennig ja oder nein, Atomenergie ja oder nein, und wenn nein, was dann? Themen, die im parteipolitischen Gerangel verkommen sind. Stellvertreterauseinandersetzungen, die das über alle Parteien hinweg verbindende schlechte Gewissen vertreiben sollen, das eigentlich jeder über die Zusammenhänge Aufgeklärte haben müßte, wenn man diese Fragen einmal für eine weltweite Anwendung dieser Technologien und grundsätzlich stellen würde. Es besteht nämlich überhaupt keine Frage, daß bei einer weltweiten Anwendung unserer heutigen Technologien zur Energiegewinnung auf gleichem Niveau, wie wir uns das in den sogenannten Industrienationen erlauben, das ökologische Gleichgewicht dieser Erde vollständig kippen würde. Die heute verwendeten Technologien sind keine, die eine Entwicklung unserer Erde mit der Ausbildung von Leben ermöglicht hätten. Da unsere Natur eine Entwicklung mit dem gesamten Reichtum des Lebens aber ermöglicht hat, muß sie offenkundig viel geschicktere und effektivere Strategien angewendet haben.

Wollen wir alle überleben, wird uns auf die Dauer nichts anderes übrig bleiben, als uns mit allen Kraftanstrengungen auf die Erforschung der natürlichen Energiequellen zu konzentrieren und alle anderen Technologien, die die Natur einmal ausbeuten und zum anderen mit den Abfallprodukten belasten, logischerweise fallen zu lassen. Das ist keine grundsätzliche Frage mehr, es kann allenfalls eine des geplanten Übergangs sein. Aber auch hier diktiert die ökologische Krise bereits einen engen Zeitrahmen.

Es ist viel zu lange in die falsche Richtung geforscht, und die mittelmäßigen Ergebnisse in bezug auf die Ökobilanz sind viel zu leichtfertig in einer Art Machbarkeitswahn im großen Stil angewendet worden. Die Forschungsmilliarden sind viel zu lange in die absolut falsche Richtung geflossen. Der wissenschaftliche und technische Perfektionismus einer linear kausalen Denkweise hat alles auf sich gezogen.

Bei den bescheidenen Forschungsansätzen über die technische Anwendung z. B. der Photosynthese kann man heute einen Wirkungsgrad von 10% erreichen, während bei der natürlichen Photosynthese ein Wirkungsgrad von 98% erreicht wird. Und daß bei der Photosynthese auch elektrische Energie entsteht, hat man erst in den letzten zehn Jahren entdeckt – das muß man sich einmal vorstellen, bei den gigantischen Anstrengungen, die man in falscher Richtung unternommen hat. Die Photosynthese produziert elektrische Energie und verpestet nicht unsere Atemluft, sondern erzeugt noch den Sauerstoff, der unser Leben überhaupt erst ermöglicht.Es ist hohe Zeit für eine Umkehr der Forschungsschwerpunkte.

Auch die Krebsforschung, die seit Jahrzehnten die Forschungsmilliarden verschluckt, hat uns noch in den 70er Jahren suggeriert, die Krebssterblichkeit bis zur Jahrtausendwende halbieren zu können. Heute schon ist sie über doppelt so groß. Einige Etats und ihre Betreiber haben ein paar Jahrzehnte prächtig gelebt. Das Geld der Steuerzahler ist weg. Zur Erklärung gibt es ein Achselzucken. Will man endlich biologische Alternativen erforschen, müssen die Bürger eben erneut in die Tasche greifen. So schön einfach ist das: linear, kausal. Umkehr ist allenthalben gefragt: mehr Synergismus mit der Natur.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 04/1995