EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

»Gemeinsamkeit« dürfte die Zauberformel sein, die so viele Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker in diesen ersten Juli-Tagen nach Karlsruhe zieht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Heilpraktikerverbände ein gemeinsamer Heilpraktiker-Kongreß. Bereits im Vorfeld deutete sich an, daß es eine Großveranstaltung werden würde, die diesen Namen wahrhaft verdient und durchaus nicht erst zu einer solchen hochstilisiert werden muß. Schon Monate im voraus ließen die Anmeldungen zu diesem gemeinsamen Kongreß eine außergewöhnlich hohe Besucherzahl erwarten. Am 13. Juni wurde die 5000. Anmeldung registriert und der 5000. Wunsch nach einer Teilnehmerkarte erfüllt.

Auch die Dimension der begleitenden Ausstellung der befreundeten biologischen Industrie spricht eine deutliche Sprache über die Bedeutung dieser Großveranstaltung der deutschen Heilpraktiker.

Das Schlüsselwort »gemeinsam« hat eine ungebrochene Akzeptanz bei der praktizierenden Kollegenschaft, die sich seit langer Zeit wünscht, daß die Verbände ihre Unterschiede nicht länger als Anlaß zu trennenden und erbitterten Auseinandersetzungen nehmen, sondern zugunsten der großen Gemeinsamkeit hintanstellen, den Heilpraktikerstand gemeinsam nach außen vertreten, um dann auf der Grundlage gewachsenen Vertrauens unterschiedliche Auffassungen einem friedlichen Gespräch zuzuführen.

Das Programm dieses Kongresses spiegelt die Vielfältigkeit der Denk- und Heilansätze geradezu mustergültig wider. Es wird deutlich, welche Freiheit im Denken und Handeln für die Kreativität unseres Heilberufs benötigt wird und wie schädlich ideologisch-fanatische Engstirnigkeit und Rechthaberei werden könnte.

Wir brauchen zuvörderst Toleranz auch untereinander, und das heißt, daß man nicht nur nebeneinander her lebt, sondern ein aktives Miteinander pflegt. Daß man dabei um die beste Lösung für Probleme ringt, z. B. auch in Aus- und Fortbildungsfragen, ist wichtig.

Probleme sind nicht dazu da, auf Dauer ausgeklammert zu werden. Aber je größer die Erfahrung erlebter Gemeinsamkeit ist, wie z. B. mit einem solchen großen Kongreß, desto größer ist auch die Chance, Themen mit unterschiedlichen Auffassungen anzupacken und einvernehmlichen Lösungen zuzuführen, zumal der Druck von außen auf den Berufsstand nicht gerade nachgelassen hat. Da tut eine so deutliche Demonstration der Gemeinsamkeit der sechs Bundesverbände so richtig gut.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 07/1995