EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Der Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen hat sein Gutachten »Gesundheitsversorgung und Krankenversicherung 2000« offiziell überreicht. Darin wird ein deutlicher Reformbedarf des deutschen Gesundheitswesens gesehen, und zwar bei der

- Patientenorientierung des medizinische Leistungsgeschehens und der Partizipationsmöglichkeit des Patienten,
- Stärkung der Eigenverantwortung des Versicherten,
- Förderung neuer Versorgungs- und Vergütungsformen (Praxiskliniken, Hausarztmodelle, kombinierte Vergütungsformen),
- zielorientierten Integration ambulant,
- stationär,
- Kooperation zwischen Kranken- und Rentenversicherung bei der Rehabilitation,
- Sicherung einer erfolgreichen Gesundheitsforschung,
- Dokumentation und Transparenz des Leistungsgeschehens.

Der Katalog macht deutlich, wo es überall fehlt und was geschehen muß, damit unser Gesundheitswesen in Zukunft leistungsfähig bleibt oder besser: leistungsfähiger wird, ohne dass die Krankenkassenbeiträge 50 Pfennig von jeder verdienten Mark ausmachen.

Will man die Ergebnisse optimieren, setzt das klare Vorstellungen über Aufgaben und Ziele voraus, nicht zuletzt über den zu verwirklichenden Gesundheitsbegriff, einmal nämlich den weiter gefaßten, der auch die Lebensverhältnisse in ihrer Bedeutung für die Gesundheit beachtet, wobei jede Bedrohung des Wohlbefindens als mit der Gesundheit nicht verträglich angesehen wird, oder zum anderen der engere Gesundheitsbegriff, der die altersgemäße psychophysische Norm, Funktionalität und Belastbarkeit umfaßt.

Sicher wird auch in Zukunft der engere Gesundheitsbegriff den Orientierungsrahmen bestimmen, der von der Solidargemeinschaft getragen wird. Auch dabei wird es noch genug Probleme geben bei einem vernünftigen Ausgleich zwischen einzelwirtschaftlicher Effizienz der Leistungserbringung und der gesamtwirtschaftlich vertretbaren Höhe der gesetzlich festgelegten, öffentlich zu finanzierenden Gesundheitsausgaben.

Alles in allem wird es darauf ankommen, die Eigenverantwortung zu stärken und dem Bürger durch die Krankenkassenzwangsabgabenpolitik auch ausreichend finanziellen Spielraum zu lassen, für sich selbst einen Gesundheitsbegriff zu verwirklichen, der mit Wohlbefinden und Lebensqualität verbunden ist.

Individuelle Vorstellungen hierüber wird man wohl auch in Zukunft nicht systemisch lösen können. Das wichtigste Ziel, das man hier verwirklichen kann, ist, dem Bürger die Freiheit und die Möglichkeit zu schaffen, seine Vorstellungen für sich umsetzen zu können – mit der Therapie seiner Wahl und dem Therapeuten seiner Wahl.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 08/1995