EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Wieder einmal geht ein Jahr seinem Ende entgegen, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Zeit schnell, immer schneller verfliegt. Oft hört man von Menschen die besinnliche, aber zugleich völlig realistische Frage: »Wo ist es nur hin, das letzte Jahr?« Wenn man allerdings die quarzgesteuerten Uhren rund um den Erdball befragt, so geben sie die äußerst präzise Antwort, daß dieses Jahr ebenso lang war wie die Jahre zuvor. Wäre es ein Schaltjahr gewesen, sogar noch einen Tag länger. Aber was hat schon diese Aussage mit dem völlig anderen Eindruck unserer sinnlichen Wahrnehmung zu tun?

Es hilft nichts, subjektiv gesehen neigt sich der Zeitvektor, auf dem sich unser Leben im Koordinatensystem unserer subjektiven Betrachtung abspielt, je länger er wird, immer mehr in Richtung Beschleunigung. Und kaum, dass wir uns im Jahr 1995 so richtig umgetan haben, befinden wir uns auch schon in seinem letzten Monat, in dem vor dem Jahreswechsel noch das Friedensfest der Christenheit gefeiert wird. Wenn auch das ganze Jahr über täglich von Kriegen und Auseinandersetzungen berichtet wird, und die gesamte Friedensaktivität sich in Friedensfesten zu erschöpfen droht, darf dennoch keine Gelegenheit ausgelassen werden, dieses höchste Gut der Menschheit zu feiern, immer wieder mit einem neuen Ansatz der Hoffnung zu erfüllen – fast beschwörend, daß ein Abglanz dieses Festes auf die rauhe Wirklichkeit fallen möge.

Und sicher wird der Friede unter den Völkern desto schwerer zu erlangen und zu erhalten sein, je größer das Potential der Summe der Einzelaggressionen im Zusammenleben der Menschen untereinander ist.

Zu deutsch: Frieden mit sich selbst, mit dem Nächsten, dem Nachbarn dem Kollegen, auch dem Konkurrenten im Beruf, in Verbänden und Organisationen – das ist der in jedem Fall zu leistende Beitrag des einzelnen zum Gesamtfrieden in dieser Welt, unsere höchstpersönliche Entspannungspolitik. Ja, die Weltpolitik beginnt in der Wohnstube.

Verehrte Leserinnen und Leser, wenn auch unsere schönen Weihnachtslieder seit Spätherbst zur Untermalung des Kaufrausches in unseren Kaufhäusern heruntergedudelt werden, möchte ich dennoch ein wenig auf ihren eigentlichen Inhalt, nämlich den der Besinnlichkeit und Freude zurückgreifen und Ihnen im Namen des Pflaum Verlags und der NATURHEILPRAXIS-Redaktion für das Weihnachtsfest einige Tage einer beschaulichen Atempause wünschen, aus der Sie Mut schöpfen mögen, das neue Jahr 1996 mit Hoffnung und Kraft zu erfüllen.

Wir möchten uns für Ihre Leseakzeptanz und Treue im Jahr 1995 herzlich bedanken. Für uns war es ein aufregendes Jahr, in dem unsere Patientenzeitschrift natürlich HEILEN geboren und so überaus positiv aufgenommen wurde. Sie liegt der nächsten, der Januar-Ausgabe 1996, wieder bei mit einem ganz winterlichen Themenkreis und dem Titelthema Rheuma. 1995 war aber auch das Jahr, in dem unsere Datenbank eröffnet wurde. Sie wächst weiter und steht Ihnen mit ihrem Reichtum an Beiträgen zur Verfügung.

Wir werden weiter bemüht sein, uns Ihre Treue zu verdienen.

In diesem Sinne – herzlichst


Naturheilpraxis 12/1995