EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

aber wieder manchmal geht auch eine Ära zu Ende, und sicher ist es mehr als berechtigt, beim Uslarer Kreis für Augendiagnose mit dem Ausscheiden der hochgeschätzten Kollegen Rehwinkel und Wenske vom Ende einer Ära zu sprechen. Mit dem umsichtigen Organisator Herrn Eberhard haben diese beiden Altmeister der Augendiagnose 27 Jahre lang jährlich in drei Wochenseminaren jeweils hundert begeisterte Zuhörer zum genauen Hinschauen angehalten. Die Struktur der Kurse gab der avisierten Zielvorstellung, genauer Schauen zu lernen, die kleinsten Zeichen nicht zu übersehen, zu differenzieren und das Geschaute einzuordnen und zu bewerten, recht. Vieles, was dort vermittelt wurde, kann ein einstündiger Vortrag oder sogar ein Tagesseminar manchmal nur schwer leisten. Hier wurde ganz bewußt das Wochenende zum Ausruhen und zur An- und Abreise reserviert, um Montag früh, Punkt neun Uhr, frisch und ausgeruht den Lernstoff aufnehmen zu können. Man mußte ganz bewußt seine Praxis für eine Woche schließen und hatte in dieser Woche nichts anderes zu tun, als Schauen zu lernen. Und wenn man freitags nachmittags die letzte Stunde der permanenten Dia-Schau von Tausenden Augen verließ, waren einem die eigenen Augen geöffnet, und man konnte wirklich mehr sehen.

Was man dort miteinander auszutauschen und zu besprechen hatte, war Naturheilkunde reinsten Wassers: das Beobachten, Bewerten und Verknüpfen des Details und seine Einordnung in die Gesamtzusammenhänge.

Bevor sie nun selbst Tradition werden, standen die Kollegen Rehwinkel und Wenske 27 Jahre in der Tradition ihrer Vorgänger. Aber sie gingen mit dieser Tradition von Eva Flink und Ernst Hugo Kabisch aktiv um, erfüllten sie mit Gegenwart und entwickelten die Erkenntnisse fort. Der Heilpraktikerstand ist ihnen zu Dank verpflichtet.

Gerade in diesen Tagen haben ihre Nachfolger, die Kollegen Gütter und Schwarz, schon ihre erste Feuertaufe bestehen müssen. Man möchte ihnen Glück und Geschick wünschen, und daß sie, wie Dr. Udo Madaus zum Abschied der Veteranen sagte, ihre Chance nutzen, »daraus evtl. noch mehr zu machen«.

Die Augendiagnose hat sich in den  letzten Jahren fortentwickelt – obgleich die Schulmedizin sie nach wie vor in die okkulte Ecke stellt. In unserer NATURHEILPRAXIS hat die Augendiagnose seit nunmehr fast 50 Jahren eine Heimat. Nicht zuletzt deshalb haben wir auch den Titel der eingestellten Zeitschrift »Methodik und Grenzen der Augendiagnostik« erworben, um diesen erneut in unserer Fachzeitschrift aufleben zu lassen.

Wir werden in unserer nächsten Ausgabe mit einer Aufarbeitung des Ist-Stands der Augendiagnose unter dieser Kolumne beginnen und nach und nach alle Aspekte dieser unverzichtbaren Hinweisdiagnostik gründlich beleuchten.

Dieser Ausgabe liegt wieder unsere Patientenzeitschrift natürlich HEILEN bei, die wir Ihrer und Ihrer Patienten Aufmerksamkeit empfehlen und zwar mit einem Thema, das sicher viele Ihrer Patienten zu Fragen an Sie anregen wird.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 04/1996