EDITORIAL

Der Großangriff ???

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Wenn man im Wald ein Pfeifen hört, so läßt das durchaus nicht stets auf einen fröhlichen Wanderer schließen, es kann auch sein, daß es jemandem unheimlich ist und er sich durch Pfeifen selbst Mut machen will. Nicht anders kann man sich eigentlich die jüngsten monomanischen Angriffe auf die Naturheilkunde erklären, wo die "Abstimmung mit den Füßen" unzweifelhaft aussagt: Die Menschen in Deutschland wollen immer mehr Naturheilkunde! Regelmäßig bestätigen Umfragen eine weiter steigende Akzeptanz der Naturheilverfahren. Andererseits hat sich ein Medizinbetrieb zum Selbstläufer entwickelt, der sich nicht mehr an den Bedürfnissen der Kranken orientieren kann, sondern nach den Gesetzen seiner eigenen "wirtschaftlichen" Dynamik abläuft. Natürlich besteht keine Frage, daß die High-Tech-Medizin im Notfallbereich und bei lebenserhaltenden Akutsituationen Spitzenleistungen vollbringt, aber sie muß sich natürlich andererseits fragen lassen, wie viele dieser Akutsituationen sie selbst durch zu stark nebenwirkungs belastete Therapien von chronischen und "Bagatellerkrankungen" im Sinne iatrogener Schäden selbst erzeugt. Wenn man ebenso böswillig argumentieren wollte, wie das die "Schulmedizin" mit den Naturheilverfahren tut, könnte man hier ja die Vermutung anstellen, daß diese sich durch die mit starken Nebenwirkungen behafteten Therapien im Bereich chronischer und "normaler" Erkrankungen ihre Akutsituationen selbst schafft und so zweimal beim selben Patienten abkassiert. Die Tatsache von immer mehr Ärzten für immer weniger und ältere Patienten würde dieser Art "Ökonomisierung" der Patienten, statt einer "Ökonomisierung" der Therapien, durchaus nicht widersprechen - im Gegenteil. Unverdächtig sind die Funktionäre der sogenannten "konzertierten Aktion im Gesundheitswesen" jedenfalls nicht, wenn man ihr Geschiebe mit den Milliarden der durch Zwangsabzüge beim Normalverdiener "erpreßten" Gelder beobachtet hat. Geröntgt wurde doch nicht nach der medizinischen Notwendigkeit für den Patienten, sondern oft nach der Notwendigkeit der Amortisation der allerdings nicht ganz billigen Röntgengeräte.

All diese Tatsachen müßten eigentlich, so sollte man meinen, ein wenig Bescheidenheit im Umgang mit den so ganz an deren Methoden der Naturheilkunde für angeraten erscheinen lassen und bei den Schreiern - selbst wenn es nur aus taktischen Erwägungen geschähe - ein leichtes Unbehagen erzeugen. Daß sie es keineswegs haben, zeigt, daß sie genau die Mentalität besitzen, die ohne Rücksicht auf Verluste alles tut, was der eigenen wirtschaftlichen Prosperität nutzt - ungeachtet der Wünsche und Bedürfnisse des Patienten. Daß das alles mit dem Mantel des geltenden Wissenschaftsdogmas zu gedeckt wird, macht die Sache besonders perfide. Der Kampf ist erbitterter gewor den. Einschnitte am für alle Zeiten so sicher geglaubten Superjob mit Spitzenein kommen und hohem Sozialprestige haben die Situation noch verschäft. So muß man es wohl verstehen, daß eine Hand stets den Coltgriff umklammert hält und der Finger am Abzug spielt.

Der mündige Patient ist der größte Feind dieser Art Medizinbetrieb, deshalb der er bitterte Kampf um die öffentliche Meinung. Wohlfeile Medien sind die Steigbügelhalter. Stiftung Warentest geriert sich, in selbsternannter Kompetenz über die Naturheilkunde zu urteilen. Ich kenne dort keinen, der etwas davon versteht. Ob die schon einmal darüber nachgedacht haben, die Bedürfnisse kranker Menschen zu testen? Die Umfragen jedenfalls sprechen eine deutliche Sprache.

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 07/1997