EDITORIAL

… Auge als Pin

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Szene spielt in der Sierra Nevada. Sie sind mit einem ziemlich klapprigen Leihwagen unterwegs, Ihr Bargeld wurde im Verlauf dieses Tagesausflugs knapper, die letzte Tankstelle vor der Sierra akzeptierte Ihre Kreditkarte nicht, und Sie legten den Rest Bares auf die Theke, um wenigstens den Sprit bis Granada zu haben. Es ist ein überwältigendes Erlebnis, über die end-losen Straßen der Sierra zu fahren. Am Horizont taucht der bekannte Stier von Osborne auf, und es dauert fast eine halbe Stunde, bis Sie endlich an ihm vorbeifahren. Nach Stunden liegt Granada zu Ihren Füßen. Da stottert der Motor und gibt auf. Kein weiteres Auto, kein Geld. Nach zwei Stunden Fußmarsch erreichen Sie die Außenbezirke von Granada und endlich eine Bankfiliale mit Geldautomat.

Sie führen Ihre Karte ein, wählen die Abwicklungssprache „aleman“ und werden prompt in deutsch durchs Menü geführt: „Geben Sie Ihren Pin (Geheimzahl) ein.“ Sie tippen automatisch, wie in Trance von der Anstrengung, die Num-mer ein. Die Antwort des Geldautomaten: „Falscher Pin – noch einmal. Bei dreimaliger Falscheingabe wird die Karte auto-matisch eingezogen.“ Ihnen bricht der Schweiß aus. In äußerster Konzentration vergegenwärtigen Sie sich: 74 05, ja 74 05 – oder 75 04? Sie sind am Ende. Dann – kühler Kopf: Ich habe noch zwei Mög-ichkeiten: Wenn ich erst 74 05 drücke, und es ist wieder falsch, kann ich immer noch 75 04 wählen, und die Peseten fließen. Also los. „Falscher Pin – noch einmal.“ – Moment, was hatte ich jetzt eben zuerst gedrückt? – Aus, alles aus!

Glaubt man Fortschrittsmeldungen, soll dieses Horrorszenario bald der Vergangenheit angehören, denn in Zukunft heißt es: Augenaufschlag statt Nummer!

Nicht mehr an der Geheimnummer der Kontokarte, sondern am Augenaufschlag erkennt ein neuer Geldautomat aus den Niederlanden den Kunden. Anstatt seine Nummer einzutippen, sieht der Kunde kurz in eine Kamera, die eines seiner Augen fotografiert. Ein Computer wertet blitzschnell die Besonderheiten des Auges aus und erstellt daraus einen persönlichen Code. Dieser wird mit den Informationen auf der Bankkarte verglichen, und wenn beides übereinstimmt, darf der Kunde Geld ziehen. Die Augenkontrolle ist nach Angaben ihrer Erfinder sicherer als das Eintippen einer Nummer.

Und dabei kommt es nicht etwa auf den flehentlichen Blick an, der signalisiert: Ich brauche dringend Geld!, sondern auf die Einmaligkeit der Merkmale, wie sie auch die Irisdiagnose erkennen und zuordnen will, wenn „Ähnlichkeiten“ ähnliche Konstitutionen und Dispositionen im gesundheitlichen Bereich vermuten lassen, auch wenn die Unverwechselbarkeit des individuellen Auges bestehen bleibt. Niemals würden sich sonst die hartgesottenen Banker darauf einlassen und gegen einen Augenaufschlag Geld rausrücken. Eine Diagnose außer der des Kontostandes darf der Automat aus datenschutzrechtlichen Gründen allerdings nicht erstellen.
Fazit: Die Wissenschaft hat die Einmalig-keit und Unverwechselbarkeit der Zeichen des Auges begriffen. Welchen Wissenschaftsdefizit hat die Medizin eigentlich wirklich durch Festhalten an ihrem nun auch nicht mehr so ganz neuen Wissenschaftsdogma?

Fragen über Fragen, die eine vorurteilsfreie und patientenorientierte Vorgehensweise täglich zigtausendfach zum Wohle hilfesuchender Menschen beantwortet.

Übrigens: Wer heute auf sich hält, ist natürlich im Internet vertreten. So auch wir, die NATURHEILPRAXIS, die seit über fünfzig Jahren den Dialog mit der naturheilkundlichen Fachwelt pflegt. Wie sagt man so schön stereotyp? – Besuchen Sie uns im Internet unter http://www.naturheilpraxis.de

Herzlichst Ihr


Naturheilpraxis 10/1998