EDITORIAL

... was machen die eigentlich?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

so eine Frage ist ja sehr beliebt, und meist wird sogar noch ein bißchen Distanz mit hineinformuliert, quasi um sich abzusetzen und zu distanzieren, indem es heißt: „Was machen die eigentlich da oben?“, mit denen man sich auf gar keinen Fall gemein machen möchte.

Der Bürger nimmt sich das Recht zu dieser Frage gegenüber der Regierung heraus, nicht zuletzt weil er via Steuern schließlich die Regierung bezahlt.

Auch Verbandsmitglieder stellen zuweilen diese Frage in bezug auf ihre Vorstände. Ja, doch, es soll wohl so sein, daß es in allen – auch den Heilpraktikerberufsverbänden – unzufriedene Mitglieder gibt. Meist liegen die Gründe, warum Mitglieder auf Distanz gehen, in irgendwelchen Funktionärsquerelen, innerverbandlich oder mit Konkurrenzverbänden, die zudem noch mindestens halböffentlich, z.B. in Verbandsorganen, ausgetragen werden. Da kann man dann lesen, welche Fehler andere Verbände machen und wie gut und fehlerfrei der eigene Vorstand agiert. Zwischen den Zeilen läßt sich natürlich herauslesen, was unsere gewählten Freunde so alles in ihren Köpfen bewegt. Keiner will sein Gesicht verlieren, besonders die nicht, die gar keins haben.

In einem Medienzeitalter, das von der „Durch-und-durch-Information“ lebt, wird es natürlich immer schwieriger, Unhaltbares vom Gegner in die Welt zu setzen, weil die Nachprüfbarkeit leichter geworden ist und man nicht nur die Richtigstellung unmittelbar erwarten muß, sondern evtl. den Gegenschlag, denn jeder weiß etwas – oder glaubt etwas Negatives über den anderen zu wissen. Schon aus diesem Grund, möchte man meinen, erscheint die Verbandslandschaft in letzter Zeit ein wenig friedlicher. Wenn man sich an die sachlichen Gegensätze der Heilpraktikerverbände zu lebenswichtigen Fragen, wie z.B. die der Ausbildung, aus früheren Zeiten erinnert, muß man einen Zuwachs an Einsicht für ein Miteinander konstatieren, das evtl. auch einmal zu einer fruchtbaren Gemeinsamkeit für den Berufsstand als Ganzen führen könnte. Auch wenn sich jeder weiterhin sein Teil denkt, so ist doch die Notwendigkeit, zu Kompromissen zu kommen, unumgänglich geworden. In diesem Bestreben darf niemand müde werden, auch wenn er einmal von der gemeinsamen Konsenssitzung mit Blessuren nach Hause kommt. Das nächste Mal muß ein anderer eine Niederlage wegstecken. Wir sitzen alle in einem Boot und sind auf Gedeih und Verderb zu einer gewissen Gemeinsamkeit „verdammt“, wenn denn diese nicht völlig unter Niveau und deshalb wiederum zum Schaden des Berufsstandes ausfällt.

Die Deutschen Heilpraktikerverbände – DDH – zeigen hoffnungsvolle Ansätze, endlich das zu beginnen, was getan werden muß, und sich unter einen niveauvollen Freiheitsbegriff zu flüchten, der unter Freiheit nicht versteht, daß jeder machen kann, was er will, sondern daß Freiheit in einer Gemeinschaft ist, das tun zu können, was man tun muß.

DDH haben bereits einvernehmlich eine gemeinsame und äußerst aktive und gut funktionierende Kommission, nämlich die „Arzneimittelkommission der deutschen Heilpraktiker – AMK“. Eine Kommission sollte auch zur Lösung anderer Aufgaben herangezogen werden, z.B. für die vernünftige Erarbeitung eines berufsständischen Professionalisierungsmodells, das bei unbestrittener Fachqualifikation Gemeinsamkeit schafft und durch Dokumentation aller Qualifikationsbemühungen, die es ohnehin und ungeheuer vielfältig gibt, mehr Transparenz in die Qualität der Heilpraktiker brächte. Wir haben zu diesem wichtigen Thema ein „Diskussionsforum“ eingerichtet (S. 614 ff.), in dem wir fortlaufend ein großes Meinungsspektrum von der Selbstfindung bis zur Organisation von Professionalisierung einfangen möchten.

Herzlich Ihr


Naturheilpraxis 04/1999