FACHFORUM

Behandlung der Nasenschleimhaut als naturheilkundliche Schlüsseltherapie:1

Die “Nasale” nach Wilhelm Quast

Von Thomas Scholze

Diese Arbeit wurde mit dem Preis der Stiftung Deutscher Heilpraktiker ausgezeichnet.

Als noch das erste Menschenpaar
Vergnügt im Paradiese war,
Da brauchte es kein Taschentuch –
Die Welt war voller Wohlgeruch,
Darin, mit ungeschneuzten Nasen,
Der Adam und die Eva saßen.
Eugen Roth 2

Einleitung

“Nun stecken Sie Ihre Nase doch nicht überall rein”, hat auch Ihnen vielleicht eine schlagfertige Nachbarin schon mal empfohlen. “Überall” mitreden, auf “alles” einen Einfluss nehmen wollen, genau das tut unsere Nase bezüglich des eigenen Körpers sehr gern und intensiv. Der Volksmund hat das längst erkannt, wenngleich er gerne etwas übertreibt. Der von Patienten bei Problemen mit der Nase zunächst in Anspruch genommene Hals-Nasen-Ohren-Arzt wiederum sieht die Funktion der Nase im Gegensatz dazu häufig eher als eine lokal begrenzte: er würdigt ihre Bedeutung vor allem bei der Geruchserkennung, als Resonanzorgan für die Lautbildung und besonders als Haupteintrittspforte der Atemluft. Damit erhält die Nase – und damit meine ich jetzt den eigentlichen “Vorsprung” im Gesicht – im Verhältnis zu anderen Körperorganen, die als spezialisierter gelten, eine gewisse Randständigkeit zugewiesen. Das um so mehr – um ein Beispiel zu geben –, als die Nase zwar ständig die für den Menschen unverzichtbare Riechfunktion wahrnimmt, dabei jedoch mit ihrer gelblichen Riechschleimhaut ausschließlich rezeptiv arbeitet. Letztere findet sich als peripheres Riechzentrum nur auf der oberen Nasenmuschel sowie dem gegenüber liegenden Septum nasi als je ein Quadratzentimeter große Fläche. Das Geruchsbild selber entsteht gar erst im olfaktorischen System des Riechhirns.3

Aus der mehr anatomisch begründeten Bedeutung und Funktion der Nase leitet heute die weitestgehend verbreitete universitäre Medizin ihre Postulate und praktischen Konsequenzen ab, auf die im Weiteren nur am Rande eingegangen werden kann.4 Als Schlüsselorgan für Reize zur Behebung verschiedenster körperlicher Störungen wird der Nase dort also normalerweise keine Beachtung geschenkt. Hauptsache “man kriegt Luft”, die Schleimhaut ist feucht und glatt, nicht trocken und borkig und man findet keine Infektionen, Entzündungen oder Tumoren. Ein Ansatz, der lediglich berücksichtigt, dass die Nase wie der ganze Körper aus gemeinsamen Strukturen wie Haut und Schleimhaut, Knorpel und Knochen, Blutgefäßen und Nervengeweben aufgebaut ist. Jedoch gerade zwischen dem Naseninneren, der Nasenschleimhaut und verschiedenen Körperregionen besteht ein enger gegenseitiger Zusammenhang.

Das sicher schon viel ältere Wissen darum auszuweiten und therapeutisch zu nutzen hatten sich auch in der Vergangenheit aufgeschlossene Ärzte zum Ziel gesetzt. Sie wussten bereits damals gut über verschiedene komplexe Zusammenhänge im Körper Bescheid und haben die recht praktisch angelegten Forschungen in Richtung Nasenreflexzonen hoffnungsvoll voran getrieben.

Zur Geschichte nasaler Reflextherapien

Gewissermaßen als Vater einer Nasenreflexzonen-Behandlung um die Wende zum 20. Jahrhundert muß der Berliner Arzt Wilhelm Fließ (1858–1928) gelten, der als Allgemeinmediziner und Gynäkologe vor allem „Die Beziehung zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. In ihrer biologischen Bedeutung dargestellt“ (1897) und ins Licht der medizinischen Öffentlichkeit gerückt hat. Er begriff die „nasale Reflexneurose“ als eine ausschlaggebende Störung, durch die dann in einer gewissen einseitigen Verursachung auch organische Krankheiten entstünden.5 An seiner Seite interessierten sich Fachkollegen immer wieder für dieses Phänomen. So publizierte in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts etwa der Hannoveraner HNO-Arzt Aderhold Fröse (geb. 1869) über den „Nasentrigeminus und das vegetative Nervensystem“, der Frauenarzt Alfred Koblanck (1863–1928) vom Berliner Virchow-Krankenhaus schrieb ebenfalls über „Die Nase als Reflexorgan des autonomen Nervensystems“. Und schon 1893 faßte Fließ das ganze Spektrum möglicher Beeinflussung durch Nasenbehandlung zusammen und schrieb: es können Störungen bestehen „in den Functionen des Kopfes, der Athmungsorgane, des Herzens, des Magen- und Darmtracts und des Uterus“.6

Dieser historische Ansatz einer als komplex wirksam verstandenen nasalen Reflexzonen-Therapie beinhaltete allerdings eine Behandlung, die für unser ambulantes Verständnis als Heilpraktiker sicherlich ungeeignet ist. Noch in der Nachauflage des Koblanckschen Werkes 1958 liest man, worum es ging: durch genaue Inspektion „nervöse Schwellungen“ zu finden und zu beseitigen, und dies entweder – wie Fließ – durch Elektrolyse, durch „Cocainisierung“ (Pinselung mit 10%iger Kokainlösung), durch Ätzung mit Trichloressigsäure oder eben durch die operative Abtragung von Schleimhaut.7 Damit führte diese historische Linie dann doch nicht zu einem umfassenden naturheilkundlichen Ansatz, sondern sie kann sogar in gewisser Weise als Weg zu der heute üblichen operativen Naseninnenraum-Entkernungs- und Korrektur-Medizin8 begriffen werden kann.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die nasale Reflextherapie eine Art Renaissance. Ärzte mit Interesse an Natur- und Erfahrungsheilkunde trafen sich 1961 in Ulm, um sich über eine diesbezügliche Therapie mit ätherischen Ölen auszutauschen. Einer der Teilnehmer, der Allgemeinmediziner und Landarzt Niels Krack, brachte 1975 ein schmales Buch heraus, das er mit „Nasale Reflex-Therapie mit ätherischen Ölen“ betitelte. Es faßte den Stand der Dinge für die letzten Jahrzehnte zusammen, empfahl eine differenziert durchzuführende Massage der Nasenmuscheln mit ätherischen Ölen und erlebte in der Folge fünf Auflagen.9 Seither gilt Niels Krack als Pionier der jüngeren Nasenreflexzonentherapie.

Bis heute benutzen viele Heilpraktiker nasale Reflextherapien. Im Folgenden wird die meines Wissens in ihrer Handhabung und überlokalen Wirksamkeit einzigartige Weiterentwicklung10 der Therapie nach Niels Krack durch Wilhelm Quast dargestellt.

Abb. 1: Patient unmittelbar vor der „Nasale“ nach Wilhelm Quast. Die typischen Schwellungen, die erfahrungsgemäß auf länger bestehende Funktionsstörungen der Schleimhaut der inneren Nase hinweisen, denen der Körper durch den reflektorischen Versuch, Raum zu gewinnen, entgegenwirkt
Abb. 2: Einbringen der „Nasale“-Mischung in die Nase
Abb. 3: Patient
im Verlauf der Behandlung mit der „Nasale“ unter Unisol-Bestrahlung und mit Reizstäbchen
Abb. 4: Patient während der Reizung der inneren Nase zum Niesen, dem Reinigungs- und Heilreflex

Die „Nasale“ nach Wilhelm Quast

Während meiner Assistentenzeit bei Wilhelm Quast lernte ich einige praktische Therapien kennen, zu denen ich häufig in der Literatur nichts fand. Es waren offensichtlich Heilverfahren, die rein erfahrungsmäßig entstanden waren und die nur über Praxismitarbeit erlernt werden konnten. Eines davon war W. Quasts „Nasale“.

Durchführung11

Während der Patient sich auf die Liege setzt, eine dünne PE-Schürze umgebunden bekommt und mit ausreichend großen Stücken von ungebleichtem Zellstoff versorgt wird, bereitet der Behandler in einem sterilisierten Glasschälchen eine Mischung vor, die in die Nase eingebracht werden soll. Enthalten sind ca. 150 ml lauwarmes Aqua dest./steril, 1 ml Lidocain (?Xyloneural?) und 10-15 Tropfen reines Minzöl. Weiterhin je nach Konstitution und Krankheitsbild zugegeben werden kann: ein Herz-Kreislauf-Mittel (z.B. 10–15 Trpf. ?Chamoca M? der Firma Hanosan), ein Nierenmittel (z.B. 10–15 Trpf. ?Solidagoren? der Firma Klein) und ein Nervenmittel (etwa 10–15 ?Dysto-Loges?-Trpf. oder eine ?Dysto-Loges?-Ampulle der Firma Loges). Bei ganz schweren und akuten Fällen verstopfter Nase gebe ich beim ersten Mal zwei, drei Tropfen ?Nasivin sanft? (für Babys, 0,01 g Oxymetazolin-HCL, Firma Merck) hinzu, um etwas Schleimhautabschwellung zu erreichen, was für den weiteren Therapieerfolg z.T. notwendig ist und in dieser Dosierung vertretbar erscheint. Alles wird gut mit einer 10-ml-Spritze (ohne Nadel) durchmischt, dann wird sie etwa drei Viertel voll gezogen. Der Behandler, nachdem er vorher den Ablauf erklärt hat, tritt an den sitzenden Patienten heran, stützt mit einer Hand dessen Hinterkopf, setzt mit der anderen die nadellose Spritze mit dem Konus dicht an ein Nasenloch (ich nehme immer zuerst das stärker betroffene) und drückt deren Inhalt auf ein Zeichen des Patienten hin zügig ins Nasenloch. Der Patient hat zuvor eingeatmet, nach Einbringen der Mischung wird der Kopf nach vorn gebeugt, und im Ausatmen fließt das meiste wieder aus der Nase heraus und auf die Schürze bzw. den Zellstoff. Nach kurzem Atemholen folgt das andere Nasenloch, danach ist eine Ruhephase bzw. Nase putzen angezeigt.

In jedes Nasenloch wird nun ein vorher in die angefertigte Mischung getauchtes, speziell wattiertes Reizstäbchen (W. Quast nahm einen sehr weichen Pfeifenreiniger, vorn umgebogen) eingeführt, so weit wie möglich in Richtung der oberen Nasenmuschel geschoben und steckengelassen. Ausschlaggebend für die Compliance dieser Maßnahme ist die vorausgegangene detaillierte Aufklärung des Patienten. Dann wird die Unisol-Heilsonne gezündet. Wegen des besser gestreuten Lichtes wird die Verwendung von Lampen mit gehämmertem Reflektor empfohlen, aber Vorsicht vor leichten Verbrennungen bei neuer Lampe. Der Patient schließt die Augen. Aus einer Entfernung von etwa 1,50 m wird die Heilsonne auf die Mitte zwischen beiden Augenbrauen12 gerichtet.

Nunmehr beginnen häufig Schleim, Eiter und andere Sekrete verstärkt abzulaufen und können ausgeschnieft werden. Einmaliges Wechseln der Stäbchen oder auch eine zweite Spülung sind möglich, zwischendurch kann sich der Patient die Nase kräftig putzen. In dieser Position sitzt er dann zehn bis zwanzig Minuten und sollte mehrmals (10–15 Mal ist ein guter Mittelwert) hintereinander niesen. Daß dies erfolgt, dafür hat der Behandler beispielsweise durch die Manipulation der Stäbchen unbedingt zu sorgen. Denn erst der spezielle Reinigungs- und Abschwell-Impuls, den das Niesen auch hinsichtlich der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut auslöst und der den durch die eingebrachten Mittel bereits angeregten Heilimpuls ergänzt, bringt dem Patienten freie Nasenatmung. Vor allem regt er den Körper zur zielgenauen Regeneration der Schleimhaut und damit auch zur allmählichen Heilung weiterer körperlicher Störungen an.

Zum Schluß wird alles entfernt, und der Patient ruht sich einige Minuten aus, bevor evtl. weitere Anwendungen stattfinden. Eine gereizte Naseneingangsumgebung kann mit etwas Zinkpaste versorgt werden. Bleibt zu erwähnen, daß es je nach Bedarf und körperlicher Reaktion in den meisten Fällen angezeigt ist, den Reiz mittels „Nasale“ in mehreren Sitzungen zu setzen. Der Abstand zwischen den einzelnen Behandlungen sollte 7–14 Tage betragen.

Anwendungsmöglichkeiten und Beschränkungen

Indikationen

Der bisher empirisch entstandene Indikationskatalog trägt vorläufigen Charakter, da die Bandbreite der Anwendungsmöglichkeiten m.E. noch immer nicht ausgeschöpft ist. Indiziert ist die „Nasale“ uneingeschränkt für unten aufgeführte Erkrankungen, bei denen sie bereits vielfach erfolgreich eingesetzt wurde. Eindeutige und schnelle Ergebnisse zeigt die „Nasale“ nach meiner Erfahrung vor allem bei den akuten und chronifizierten allergischen Erkrankungen mit Manifestationen im Kopf- und Brustbereich sowie bei den akuten und chronischen Erkältungs- bzw. Atemwegserkrankungen.

A. Kopf- und Brustbereich:

B. Verdauungstrakt:

C. Urogenitaltrakt:
(adjuvant zu anderen Behandlungsmethoden)

D. Allgemein zur Umstimmung in der Geriatrie und bei Therapie-Blockaden

Kontraindikationen:

Risiken:

Nicht zu vergessen ist die Pflicht des Behandlers zur (auch eigenen) Infektionsprophylaxe. Es ist daher nur mit Einwegmaterial zu arbeiten, und das Gefäß für die zuzubereitende Mischung ist nach jeder Verwendung zu säubern und im Autoklaven zu sterilisieren. Handschuhe und Mundschutz sollten erwogen werden, und alle Einwegmaterialien, die mit den Sekreten des Patienten in Berührung gekommen sind, sowie Mischungsreste sind nach den gesetzlichen Vorschriften zu entsorgen.

Ausgewählte Fallbeispiele

Bei allen Patienten wurden im Verlauf der Behandlung begleitend nach Bedarf zusätzliche naturheilkundliche Therapieverfahren angewandt. Vor allem kamen homöopathische und phytotherapeutische Arzneimittel, Eigenblutbehandlungen, Hautableitungsverfahren, elektrophysikalische Heilverfahren, Akupunktur und Neuraltherapie zum Einsatz.13

Fallbeispiel 1:
Patientin S. W., Jahrgang 1953, med. Beruf (Behandlung von 8/94 bis 3/97)

Anamnese:
Pollinosis seit ca. 10. Lebensjahr, Asthma bronchiale seit 1986; Allergie auf Hausstaub und Meerschweine; rezidivierende Gehörgangsentzündungen beidseits mit eitrigem Sekret; schwieriges Verhältnis zur Mutter, weil als Kind ungewollt

Körperliche Untersuchung:
RR 120/70, Puls 72; gelbliches Hautkolorit; an beiden Beinen multiple Varizen; latenter Reizhusten, auskultatorisch trockene Rasselgeräusche (Giemen und Brummen) beidseits über den oberen Lungenabschnitten; nervlich überreizt; sonst guter Allgemeinzustand

Labor:
(bei Eingangsuntersuchung) BSG 6/25, Harnstatus (Multistix 10 SG) o.B.

Augendiagnose (lymphatisch-hydrogenoide Konstitution):
allgemeine Gewebsübersäuerung, labiles Nervensystem, Spasmophilie, Nieren- und Gallenstau, gestörter Hautstoffwechsel, gestörter Leber- und Fettstoffwechsel, Entzündungen und Ablagerungen in Lungen und Bronchien, endogene wie exogene Drüsenschwäche (bes. Milz/Pankreas), allergische Reizung

Antlitzdiagnose:
Schwächen hinsichtlich Herz, Lunge, Nieren, Haut; Darmentzündung; Magenunterbesaftung; starke Verquellung der Hautzonen beidseits des Nasenrückens unmittelbar über den Nasenflügeln

Zungendiagnose:
vegetatives Nervensystem und Psyche im Vordergrund; Leber-, Darm- und Pankreasbelastung

Naturheilkundliche Gesamtdiagnosestellung:
chronische Bronchitis auf allergischer Grundlage mit starker nervlicher Komponente, diverse Organschwächen und Regulationsstörungen

Behandlungsverlauf:
Frau W. wurde vom 29.8.94 bis 19.12.94 beinahe wöchentlich je zwei Stunden behandelt. Am Beginn der Behandlung standen akute Symptome wie Reizhusten, häufiger Luftmangel, schleimiger Auswurf sowie Angst vor Luftnot im Zentrum der Behandlung. Bereits beim zweiten Termin am 5.9.94 erhielt Frau W. daher eine erste „Nasale“. Der akute Luftmangel besserte sich, die Bronchialmuskulatur entspannte sich, verstärkter Auswurf und Husten erfolgten. In den folgenden 14 Behandlungen erhielt Frau W. noch weitere fünf Mal eine „Nasale“, etwa jedes zweite oder dritte Mal. Sie mußte unmittelbar nach den „Nasalen“ des öfteren wasserlassen (evtl. auch kurzfristige Solidagoren-Wirkung), die Atmung entspannte sich zügig, die Bronchialmuskulatur ebenfalls. Frau W. hustete und nieste viel, auch zu Hause, es kam viel Schleim, die Nase war mal zu, mal offen. Die trockenen Rasselgeräusche über diversen Lungenabschnitten entwickelten sich zurück. Es kam nach vier Monaten nur noch selten zu geringen Atembehinderungen, jedoch zu keinen bronchospastischen Atemkrisen mehr.

Ab dem Jahr 1995 wurde Frau W. nur noch ein bis zwei Mal monatlich behandelt. Sie erhielt bei 15 Behandlungen insgesamt drei Mal eine „Nasale“. Die Atemkrisen traten in den Hintergrund, die Sekretion aus dem äußeren Gehörgang verstärkte sich zeitweise, versiegte aber zusehends. Frau W. empfand im Verlauf des Jahres zunehmend keine bronchialen Beschwerden mehr.

Ende 1996 erschien Frau W. wegen akuter Bronchitis mit weiteren allgemeinen Beschwerden in den Atemwegen zu einer neuerlichen Behandlung. Im Januar wurde mittels Stuhlprobe wegen eventueller Immunschwäche eine geringe Belastung mit Candida albicans festgestellt und mit Nystatin sowie durch Symbioselenkung behandelt. Bis März 1997 erhielt Frau W. zudem sieben Behandlungen, darunter eine „Nasale“. Die akuten Beschwerden klangen schnell vollkommen ab, und mit dem 13.3.97 konnte die Patientin als geheilt entlassen werden. Die antlitzdiagnostisch festgestellten Verquellungen beidseits des Nasenrückens waren noch vorhanden, aber in Rückbildung begriffen.

Prognose:
Behandler steht seither immer wieder mit der Patientin in Verbindung, die keinerlei Atemwegserkrankungen mehr aufweist. Die allergischen Erscheinungen haben sich um etwa 90 Prozent reduziert und verstärken sich nur saisonal leicht. Gehörgangsentzündungen sind nicht mehr aufgetreten. Das psychische Trauma wurde bewußt verarbeitet. Die Patientin fühlt sich gesund.

Fallbeispiel 2:

Patient J. H., Jahrgang 1968, Wachschutzmitarbeiter (Behandlung von 9/99 bis 9/00)

Anamnese:
seit 10 Tagen Husten mit Heiserkeit und Schnupfen bzw. Infekt mit starkem Krankheitsgefühl; zuvor immer wieder rezidivierende Atemwegsbeschwerden mit Husten und eitrigem Schnupfen; Kontaktekzem auf Wollsachen; Infektion mit unbekanntem Erreger nach Kubareise 1998; Tonsillektomie der Tonsilla palatina u. Tonsilla pharyngealis bds.

Körperliche Untersuchung:
Athletiker, RR 130/80, Puls 90, motorisch sehr unruhig, li. ob. Lungenlappen Knisterrasseln, BMI 30,7 (120 kg auf 1,96 m Körperlänge)

Labor:
(bei Eingangsuntersuchung) Urin: (Multistix 10 SG) Spur Keton; (24.11.99): Spuren Eiweiß und Leukozyten

Augendiagnose (lymphatisch-mesenchymatische Konstitution):
Gewebsübersäuerung, Kalziummangel, Allergieneigung, Fettstoffwechselstörung mit Ablagerungen im Kopfbereich, Pankreas- und Nierenschwäche mit Stauungen, Reizmagen und -darm, Hautausscheidungsschwäche, arterielle und venöse Gefäßbelastung, Übererregbarkeit, hormonelle Dysbalance, Schilddrüsenüberfunktion, Herz- und Lungenschwäche

Antlitzdiagnose:
Belastungen von Schilddrüse, Nervensystem, Magen/Darm, starke Hautverquellungen beidseits des Nasenrückens unmittelbar über den Nasenflügeln

Fußreflexzonendiagnose:
Empfindliche Areale finden sich an den Reflexzonen für: Hypophyse, Herz, Nieren, Endokrinium, Schilddrüse, Halswirbelsäule, duodenales Verbundsystem

Naturheilkundliche Gesamtdiagnosestellung:
chronisch rezidivierende Infekte auf präallergischer Basis, nervliche Überreizung, Immunschwäche, diverse Organschwächen und Regulationsstörungen

Behandlungsverlauf:
Der Patient erhielt zwischen dem 15.9.99 und dem 24.11.99 neun zweistündige Behandlungen. Kernstück der Therapie war die „Nasale“, die acht Mal verabfolgt wurde. Während der „Nasalen“ gingen große Mengen an Eiter und Schleim ab. Nach einer ca. dreiwöchigen Verschlimmerungsphase klangen die akuten Erscheinungen schnell ab. Übrig blieb eine leichte Anfälligkeit für Heiserkeit bei stärkerer Stimmbeanspruchung sowie eine weiterhin verschleimte Nase mit zeitweise starker Sekretion. Der Patient setzte die Behandlung daher sporadisch im Jahr 2000 fort und erschien bis 9/00 sieben Mal in der Praxis. Vier Mal erhielt er eine „Nasale“. Die Beschwerden besserten sich weiter, der Husten verschwand völlig, Hauterscheinungen traten keine auf. Es kam jedoch immer wieder zu leichteren Infektionen (besonders im Frühjahr/Herbst). Herr H. war nicht in der Lage, die Behandlung konzentrierter durchführen zu lassen und brach sie dann gänzlich ab. Etwaige berufliche und persönliche Erschwernisse (Nachtarbeit, Drogen) sind wahrscheinlich, konnten aber nicht geklärt werden. Die antlitzdiagnostisch festgestellten Verquellungen beidseits des Nasenrückens blieben bestehen.

Prognose:
Herr H. zeigte eine gute Heiltendenz, die Erkrankung hätte bei längerer Reiztherapie ausgeheilt werden können. Die Immunschwäche konnte gebessert werden, blieb jedoch latent vorhanden, indem zwischenzeitlich immer wieder leichte Infektionen auftraten. Eine versteckte Behandlungsblockade wird angenommen.

Fallbeispiel 3:

Patient U. W., Jahrgang 1945, Optikermeister (Behandlung von 5/00 bis 11/01)

Anamnese:
Icterus neonatorum; seit ca. drei Jahren Nasentropfenabusus wegen Behinderung der Nasenatmung; vor 10 Jahren verschleppte Kehlkopfentzündung; häufige Bronchitiden und Infekte; Varizen an den unteren Extremitäten, Venenstripping re., Hämorrhoiden; Tonsillektomie (T. pharyngealis) bds.; Appendektomie; Hepatitis A; Hilusdrüsen-Tbc; Ruhr; Angiom linker Hinterkopf; allergische Reaktion auf orales Antibiotikum

Körperliche Untersuchung:
RR 140/80, Puls 64; kräftig gebauter Mann, Segler, in gutem Allgemeinzustand; leichte Adipositas; li. ob. Lungenlappen leichtes Reibegeräusch; div. Myogelosen, zu tasten vor allem im Bereich der Herz-Magen-Zone (C4/5 bis Th 5, linkss.) bzw. Leber-Gallen-Zone (C7 bis Th8, rechtss.) des Rückens14

Labor:
Untersuchung Stuhl auf Hefen und Schimmelpilze o.B.; Urin (Multistix 10 SG) o.B. außer 4/01: nach Infekt Spur Erythrozyten; 7/00: Immunstatus (IgG/IgA/IgM/ IgE) unauffällig, leicht erhöhte Gesamt-Lipide, leicht erniedrigtes Hämoglobin (hypochrome Anämie), leicht erniedrigte alkalische Phosphatase, latenter Kupfermangel

Augendiagnose (lymphatische Konstitution):
Fettstoffwechselstörung mit Ablagerungsneigung in den Gefäßen, Magenunterbesaftung, Allergieneigung, Nierenstau, Funktionsstörung duodenales Verbundsystem, besonders Leber, Herz- und Koronarienbelastung, Unterfunktion von Lunge und Pleura, Prostatabelastung, Spondylose, Entzündung im Stirnhöhlen- u. Nasenbereich

Antlitzdiagnose:
Belastung von Milz, Pankreas, Magen sowie Nervensystem, Kopfschmerzen, behinderte Nasenatmung, Nasenseitenregion bds. unmittelbar über den Nasenflügeln stark verquollen

Naturheilkundliche Gesamtdiagnosestellung:
Rhinopathia atrophicans et medicamentosa; Stoffwechselstörungen im duodenalen Verbundsystem; Stauungen im Pfortader-/Leber-/Gallensystem; angeborene Gefäßanomalien; Immunschwäche sowie div. Organschwächen und Regulationsstörungen

Behandlungsverlauf:
Der Patient wurde von 5/00 bis 12/00 genau 21 Mal behandelt. Störende Symptome waren besonders die morgendliche behinderte Nasenatmung sowie ein ebenfalls morgendlicher Reizhusten. Die Nasenproblematik bestand auch tagsüber häufig. Herr W. verwandte mehrmals täglich nach Bedarf Nasentropfen. Für den „Notfall“ wurde als Austauschpräparat „Nasivin sanft 0,01%“ empfohlen. Die „Nasale“ wurde am zweiten Behandlungstermin erstmals angewandt und danach noch weitere zehn Mal im 14tägigen Rhythmus. Am 31.5. benötigte der Patient nur noch drei Mal täglich die sanften Nasentropfen, zeitweise war die Nasenatmung frei. Besonders unmittelbar im Anschluß an eine „Nasale“ war die Nase noch fast vollständig zugeschwollen (bei Anhalten der Symptomatik bis abends durften Nasentropfen verwandt werden). Daher wurde die „Nasale“ ab der vierten Behandlung mit Lidocain-Injektionen s.c. in Akupunkturpunkte im Bereich der Nase (unter anderem in den Extrapunkt Ex-HN6, Bítóng, öffnet die Nase) ergänzt. Im Juni 2000 lösten sich bei den „Nasalen“ gelb-grünliche Sekrete und flossen ab, zeitweise bestanden Kopfschmerzen. Der Patient bekam nach einer Nahrungsumstellung und Entgiftungskur zunehmend Kniegelenksbeschwerden re., nach schwerer Arbeit ein Schulter-Arm-Syndrom li., HWS-Beschwerden sowie taube Stellen an Wade und Oberschenkel li. Zeitweise stellten sich Hämorrhoidalbeschwerden ein, die mit behandelt wurden. Ende Juni wurden die Nasentropfen nur noch ein Mal morgens und ein Mal abends zum Einschlafen gebraucht, die Nasensekrete liefen immer noch gelb-grün ab. Ab Sommer 2000 zeigte sich der Patient zunehmend zufrieden mit dem Behandlungsresultat, obwohl die Nasenatmung bei tiefem Durchatmen noch hörbar geräuschvoll war. Da er im Geschäft keine nasale Sprechweise tolerieren konnte, sprühte er unregelmäßig, manchmal täglich ein bis zwei Mal, ein Antihistaminikum in die Nase.

Da anhand der Laborparameter (IgE) keine Allergie festzustellen war, ging der Behandlungsansatz von einem chronischen Schleimhautschaden im duodenalen Verbundsystem aus. Eine stärkere Berücksichtigung dessen im Herbst 2000 erbrachte allmählich eine Heilkrise. Am 8.11.00 schilderte der Patient folgende in den letzten Wochen aufgetretene Symptomatik: Übelkeit, Gelenkschmerzen, Infektgefühl, vertrug Essen nicht gut, schwitzte viel, Schüttelfrost nach dem Essen, Heiserkeit, Schleimausscheidung aus den Bronchien. Diese Beschwerden klangen im Behandlungsverlauf bis zum Jahresende vollständig ab. Ein stabiler Zustand wurde erreicht. Die Nase wurde als dauerhaft frei empfunden, Nasentropfen waren überflüssig.

Am 6.2.2001 berichtete der Patient, daß er im Januar eine akute Nasennebenhöhlenentzündung durchgemacht hatte, die antibiotisch behandelt worden war. Es kam zu Rezidiven bzw. zu einer Kiefernhöhlenvereiterung. Zustand zum Termin: Nasenatmung gut, jedoch nicht ganz frei, Ekzem auf der Brust, Oberbauch gespannt. Der Patient wurde weiter naturheilkundlich behandelt und erschien bis

27.11.01 ca. ein Mal monatlich. Die „Nasale“ wurde bei acht Terminen 2001 nur noch ein Mal angewandt, nämlich während der ersten Behandlung, um den akuten Zustand abzufangen. Danach wurde sie unnötig, und das Schwergewicht der Behandlung verschob sich noch stärker auf das duodenale Verbundsystem (Autonosodentherapie), das Immunsystem (Eigenblutbehandlung) und erschöpfte sich hinsichtlich der kaum noch Beschwerden verursachenden Nase mit Pharmaakupunktur und noch zweimaliger Nasenschleimhautanregung mittels Wecoton Nasen-Reflex-Öl mite. Die o.g. Hautverquellungen beidseits des Nasenrückens und unmittelbar über den Nasenflügeln waren reduziert.

Prognose:
Die Rhinopathia atrophicans et medicamentosa erscheint zu ca. 80% gebessert, wenn auch nicht vollständig ausgeheilt. Dies hätte eine noch längere Therapie auch der anderen Organschwächen und Regulationsstörungen erfordert, was am knappen Zeitregime des Patienten scheiterte. Nach der Heilkrise, die durch die Antibiotika-Behandlung unnötig lange hingezogen wurde, besserte sich der Zustand des Patienten schnell, so daß die Behandlungsfrequenz verringert werden konnte. Der Patient empfindet heute keine Beschwerden mehr.

Diskussion

Grundsätzliches

Im Vergleich zu bisherigen nasalen Schleimhautbehandlungen weist die „Nasale“ nach W. Quast einige grundlegende Veränderungen in der Behandlungsweise auf, die das Spektrum der Wirkweisen deutlich erweitern. Eine Modifizierung der Therapie der Nasenschleimhaut wurde in folgenden Punkten vorgenommen:

  1. Statt einer Ölmischung, die nach N. Krack in die Schleimhaut beider Nasenmuscheln einmassiert wird, bringt man mit der „Nasalen“ eine wäßrige Lösung aus Minzöl und verschiedenen naturheilkundlichen Medikamenten ins gesamte Naseninnere bzw. in die angrenzenden Nasengänge, die Mundhöhle usw. ein. Im Gegensatz zur Krackschen gezielten Reflexzonenmassage wird bei der „Nasalen“ eine Kombination von Spülung und stationärer Drainage des Naseninnenraums mit arzneilicher, mechanischer und elektrophysikalischer Komponente angewendet. Die Frage, ob man mit der Nasenmassage nach N. Krack nicht genauer und womöglich zielgerichteter arbeiten kann als mit der „Nasalen“ nach W. Quast, ist mehr theoretischer Natur. So wie der Chirotherapeut immer den ganzen Rücken behandeln sollte, ist es immer richtig, die ganze Nase zu therapieren. Damit werden die entsprechenden Heilreize insgesamt und durchaus auch unspezifisch ausgelöst und die Regulationsmechanismen der Selbstheilungskräfte dort in Gang gesetzt, wo sie benötigt werden. Zudem sollte man bedenken, daß die Nasen von vielen Patienten heute derart operiert wurden, daß Strukturen wie die einzelnen Nasenmuscheln schlecht manuell abgegrenzt werden können.

  2. Der unbedingt erwünschte Niesreiz, der dem Körper ein zielgerichtetes Signal zur unmittelbar lokalen Heilung der Schleimhäute gibt (Ausscheidung, Durchblutung, Abschwellung), wird durch zwei stationäre Reizstäbchen erreicht, die zusätzlich den Naseninnenraum zwecks Ablaufen der Sekrete freihalten.

  3. Die hinzugefügte Unisol-Heilsonnen-Bestrahlung verstärkt den Effekt des Reizes. Eine dem Natursonnenlicht vergleichbare Wärmestrahlung erzielt eine stark durchblutungsfördernde und abwehrsteigernde Tiefenwirkung bis in die angrenzenden Nasennebenhöhlen.

  4. Es bedarf nicht unbedingt einer Ölmischung, denn wie sich empirisch zeigt, leistet die wesentliche Anregung der Schleimhautfunktionen eindeutig das Minzöl. Durch seine Wirkung kann man zudem auf den Zustand der Schleimhaut noch während der Behandlung schließen, denn im besten Falle lediglich geringer Schleimhautschäden spürt der Patient die „Nasale“ bis „in den Hinterkopf“.

  5. Die eingebrachten Medikamente beinhalten zur gleichen Zeit ein konstitutionell unterstützendes und ausleitendes Vorgehen, womit die systemische Wirkung des Reizes verstärkt wird.

  6. Das fakultativ zugesetzte Neuraltherapeutikum dient in der ?Nasalen?-Mischung eigentlich als Trägersubstanz, unterstützt jedoch gleichzeitig die unmittelbare lokale Wirkung der Therapie (Schleimhautanästhesie, Abschwellung, Durchblutung).

Hypothesen über den Wirkmechanismus

Das Minzöl

In der Quastschen Praxis galt Minzöl (z.B. von der Ackerminze, wie ich es auch als Oleum Menthae arvensis verwende) als universell wirksam und allerorten indiziert, vor allem bei Packungen, Auflagen und als Zusatz zur „Nasalen“. Minze, eine in ihrem Wirkungsspektrum unglaublich vielfältige Pflanze, wächst überall in unserer näheren Umgebung. In Mitteleuropa kommen fünf Arten wild vor: die Ackerminze (M. arvensis), die Wasserminze (M. aquatica), die Poleiminze (M. pulegium), die Grüne Minze (M. spicata) und die aus der Kreuzung von Grüner und Wasserminze hervorgegangene Pfefferminze (M. piperita, auch Hausminze). Minzen gehören somit zur uns unmittelbar umgebenden Natur, sind Lebewesen im gleichen Biorhythmus.

Unsere europäische Minze vermag ungeheuer viel. Der „Pschyrembel“ nennt die Wirkung der Pfefferminze auf Atemwege und Verdauung, dann die des Menthols gegen Juckreiz, Neuralgien und Insektenstiche, auch bei Schnupfen und zur Schleimhautanästhesie sowie in Kühlsalben.15 Ein kurzer Blick auf ihre traditionelle Anwendung aber, wie sie Gerhard Madaus in seinem „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ dereinst sehr verdienstvoll zusammengestellt hat, macht den weitaus umfassenderen Heilcharakter der Pflanze deutlich: In der Volksmedizin wurde sie zu jeglicher Krampfstillung vor allem im Bauch- und Unterleibsbereich gebraucht (bis hin zur Geburtserleichterung), natürlich zur Behandlung des duodenalen Verbundsystems (Magen, Darm, Leber, Galle, Milz/Pankreas) mit seinen Folgeerscheinungen wie z.B. Ikterus, Vomitus usw. Darüber hinaus wirkt Minze nervenstärkend, „klärt“ den Kopf, wirkt als Aphrodisiakum, gegen Hämorrhoiden und Nasenbluten, regelt die Mensis etc. pp. Hören wir Madaus selber: „Den wirksamsten Bestandteil des Pfefferminzöls bildet das Menthol, das erregend auf Vasomotoren- und Atemzentrum und auf den Herzmuskel wirkt, während die Erregbarkeit des Zentralnervensystems etwas herabgesetzt wird. Auch die die Kälteempfindung leitenden Nervenendigungen werden erregt, so daß bei Einwirkung des Menthols auf die Haut und Schleimhaut ein erhebliches Kältegefühl auftritt, das mit einer Kältehyperästhesie verbunden ist. Durch Minderung bzw. Aufhebung der Schmerzempfindung erzeugt Menthol eine – allerdings auf die oberen Hautschichten beschränkte – lokale Anästhesie. Im Munde verursacht es Reizung und Speichelfluß, dagegen verringert es die Sekretion der Nasenschleimhaut. Es wirkt antiseptisch, antiviral und hemmt in einer Verdünnung von 0,1% das Wachstum der meisten Bakterien. Das Menthol wird mit der Galle ausgeschieden, ein Vorgang, der sicherlich am Zustandekommen der cholagogen Wirkung beteiligt ist und bei genügend hoher Konzentration eine desinfizierende Wirkung in den Gallenwegen bedingen kann.“16

Man könnte neben den Wirkungen auch weitere Indikationen bzw. Therapien aufzählen, die von der Anwendung des Menthols profitieren. So ist in unserem Zusammenhang insbesondere die traditionelle Anwendung von Pfefferminzöl zur Tonsillenmassage bzw. zur Nachbehandlung beim Roedern noch erwähnenswert.17 Dies alles verweist auf die Bedeutung des Minzöls/Menthols und kennzeichnet seine Stellung als wesentlichstem Teil der Mischung in der „Nasalen“ nach W. Quast. Die Frage stellt sich, wie nun die Wirkungen des Minzöls (aber auch der anderen Mischungs-Bestandteile) im Körper kommuniziert werden.

Die Schleimhaut des Körpers

Eine beliebte Frage, die Wilhelm Quast seinen Schülern gern stellte, war: Wie viele Schleimhäute haben wir eigentlich im Körper? Nach kurzer Assistenzzeit wußte man die erwartete Antwort: Nur eine. „Und alle Schleimhautzonen telefonieren gerne miteinander“, fügte einer seiner Assistenten dann manchmal hinzu. Eben dies scheint mir eine wichtige Erfahrung und damit die wesentliche Erklärung für die festzustellende Wirkung der „Nasalen“ vor allem in unmittelbaren Schleimhautbereichen zu sein. Diese Feststellung spricht nicht gegen die bekannten anatomischen und reflektorischen Zusammenhänge zwischen dem Naseninnenraum und dem Nervus Trigeminus bzw. dem Hypophysenvorderlappen, auch sind Korrelationen zwischen den Nasenreflexzonen und den Headschen Zonen, kutiviszerale Beziehungen oder bestehende Lymphverbindungen u.v.a.m. für bestimmte reflektorische Wirkungen ein wichtiges Erklärungsmuster.18 Neu aber ist die Annahme, daß die Wirkung der „Nasalen“ nach W. Quast vor allem auf einem körpereigenen Kommunikationssystem beruht, dessen wesentlicher Träger das im Detail kaum erforschte Organ Schleimhaut ist.

Unsere Schleimhaut entstammt in ihrer Genese dem inneren Keimblatt, einer morphologischen und funktionellen Differenzierung des „Baumaterials“ bei der Entstehung des Menschen. Ich zitiere die Anatomie nach Waldeyer/Mayet: „Das innere Keimblatt, das Entoderm, hat die Aufgabe der Stoffaufnahme und -verarbeitung. Es liefert das Epithel des Darmrohres (mit Ausnahme kleiner Gebiete am Anfang und am Ende) und die vom Darmepithel ausgestülpten Drüsen (Schilddrüse, Epithelkörperchen, Thymus, Leber, Bauchspeicheldrüse, Kehlkopf, Luftröhre und Lungen). Da Harnblase, weibliche Harnröhre, Scheidenvorhof und der kleinere Teil der männlichen Harnröhre Bildungen des Enddarmes sind, werden auch ihre Epithelien und die von den Epithelien gebildeten Drüsen (Vorsteherdrüse, Bulbourethraldrüsen, Scheidenvorhofdrüsen, Paraurethraldrüsen) vom Entoderm geliefert.“19 Damit erschöpft sich eines der bekanntesten Anatomiebücher und kennt im Sachregister im wesentlichen nur mehr Riechschleimhaut, Tunica mucosa uteri und Tunica mucosa laryngis, weil die Autoren anatomisch gesehen in der Schleimhaut kein homogenes Organ erkennen können. Sieht man mit der gleichen Intention im „Taschenatlas der Physiologie“ nach, findet sich noch Schleimhautschwellung, jedoch kein übergreifender funktioneller bzw. Kommunikationszusammenhang, der beschrieben werden könnte.20

Dies jedoch wird der Bedeutung des Organs Schleimhaut nach Ansicht des Verfassers nicht gerecht. Denn begreift man die Schleimhaut entsprechend auch ihrer monokausalen Genese als ein Organ, das sich mit dem Wachstum des Menschen lediglich „von oben nach unten“ durch den ganzen Körper gezogen hat, wird erklärlich, worauf die „Nasale“ und alle ihre Vorgänger sowie Parallel-Therapien Einfluß haben: auf alle Körperbereiche, in denen sich Schleimhaut befindet. Zwar anatomisch manchmal scheinbar inselartig zerstreut, bildet die Schleimhaut offenbar trotzdem insgesamt eine Art Reaktionseinheit.

Die Annahme einer komplexen Funktionseinheit „Schleimhaut“ wird untermauert durch vielfache Beobachtungen aus der Praxis.21 So ist die Krankengeschichte eines 37jährigen Patienten dokumentiert, der seit dem Ende der Pubertät unter chronisch rezidivierenden Sinusitiden sowie Rhinitiden leidet; familienanamnestisch relevant ist die M.-Crohn-Erkrankung seiner drei Geschwister. Dieser Patient nun berichtete über eine regelmäßige Beteiligung der Mundschleimhaut (i.S. von Schwellung, Rötung, Schmerzen) bei beginnenden Rhinitiden, über eine jeweils im inflammatorischen Entzündungsstadium vorkommende empfindliche Magenschleimhaut sowie über kurzzeitige, massive Diarrhöen, die nur in Verbindung mit dem Schnupfen auftreten und spontan binnen kurzer Zeit wieder remittieren. Auffällig war auch bei diesem Patienten die sulzige Schwellung der medialen Suborbitalregion. Ganz offensichtlich stehen hier Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut sowie die gesamten Schleimhäute des Verdauungstraktes in einem engen reaktiven Zusammenhang.

Auch die von W. Fließ u.a. postulierten reflektorischen Zusammenhänge der Nasenschleimhaut mit den Schleimhäuten des weiblichen Genitaltraktes scheinen vorderhand empirisch bestätigt in jenen Fällen, da über die Behandlung der Nase Zyklusstörungen positiv beeinflußt werden konnten. Allerdings ist der Wirkmechanismus im Sinne eines neuronalen Reflexbogens nicht bewiesen; es erscheint durchaus möglich und sogar wahrscheinlich, daß auch hier die Reizantwort über ontogenetisch verwandte Gewebe kommuniziert wird. Die parallelen Reaktionen verschiedener Schleimhäute verlaufen eindeutig bidirektional, was im Widerspruch zu einer reflektorischen Antwort steht. So berichtete eine 38jährige Patientin, die seit drei Jahren die „Nase voll“ hatte, über ihren im vierwöchigen Rhythmus wiederkehrenden Schnupfen mit Nebenhöhlenbeteiligung. In der Anamnese fiel dann auf, daß sie sich vor dreieinhalb Jahren eine Hormonspirale hatte einsetzen lassen. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich ein dramatisches Schmetterlingserythem. Ein Lupus erythematodes konnte nicht bestätigt werden, und unter Cortisongaben gingen die Hauterscheinungen zurück. Seitdem hatte sie keine Mensis mehr. Nach ihrem Zyklus befragt stellte sich heraus, daß sie anhand massiver Mastodynie sehr wohl den eigentlichen Zeitpunkt der Monatsblutung ausmachen konnte, und dies immer genau den Beginn des Schnupfens markierte.

Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft ist auf Grund solcher Beobachtungen darin zu sehen, mit Hilfe gezielter anamnestischer Befragungen die Zusammenhänge der Nasenschleimhaut mit zum einen den Schleimhäuten des duodenalen Verbundsystems sowie zum anderen dem Genitalsystem aufzuspüren, um obige Postulate verifizieren zu können. Angesichts der benötigten großen Anzahl von Fallbeispielen wird diese Aufgabe nur im kollegialen Zusammenspiel vieler Heilpraktiker anzugehen sein. Ein weiteres Problem bei der Erhellung dieser Zusammenhänge stellt die komplexe Vorbehandlung der meisten Patienten dar. Vielfach im Laufe ihrer Leidensgeschichte wurden sie operiert, hat man Siebbeinzellen gefenstert und Nasenscheidewände begradigt, ganz zu schweigen von den unzähligen antibiotischen Behandlungen. Dadurch sind viele Reaktionen des Organismus verfälscht, bzw. maskiert, was die Erfolgsaussichten unserer naturheilkundlichen Methoden erheblich minimiert. Es steht ein langer Weg für den einzelnen Patienten, aber auch für den Behandler bevor. Um so mehr ist die medizinische Forschung gefordert, die angenommene Kommunikationsstruktur theoretisch zu erklären, aufzudecken, auf welcher Basis das „Telefonieren“ der Schleimhaut funktioniert. Dafür aber bedarf es erst einmal der Hinwendung des wissenschaftlichen Interesses zum Organ Schleimhaut, dessen Bedeutung mit der auf empirisch-analytischer Basis erarbeiteten Darstellung der „Nasale“ nach W. Quast hier herausgehoben wurde.

Die Stellung der Schleimhaut in ausgewählten naturheilkundlichen Therapierichtungen

Die regelmäßig zu beobachtenden pathophysiognomischen Verquellungszonen beidseits des Nasenrückens unmittelbar über den Nasenflügeln bzw. der medialen Suborbitalregion werden hier erstmals beschrieben (vgl. Abb. 1). Die Schwellung von Haut und Unterhautgewebe im bezeichneten Bereich wird vom Verfasser als zusätzliches Diagnostikum betrachtet und verändert sich in der Verlaufskontrolle von Gesundungsprozessen deutlich. Auffällig ist die Korrelation der Deutung der durch den Autor beobachteten Schwellung mit den Erklärungsmustern der klassischen chinesischen Akupunktur. Der zentrale Bereich des Gesichtes, dem anatomisch die darunter liegenden Nasen-, Nasenneben-, Kiefern- und Stirnhöhlen eng benachbart sind, wird von sechs Hauptmeridianen durchlaufen. Bis auf den „Dreifachen Erwärmer“, dem keine spezifische Organstruktur, sondern eine übergreifende Transportfunktion zugeordnet wird, handelt es sich um die Leitbahnen sogenannter „Fu-Organe“, d.h. um Organe, die hohl sind und von Schleimhaut ausgekleidet werden: Blase, Gallenblase, Magen, Dickdarm und Dünndarm. In der chinesischen Meridianlehre werden die Akupunkturpunkte o.g. Meridiane im perinasalen Bereich häufig dann eingesetzt, wenn Disharmonien in den dazugehörigen Organen auftreten. Nach meiner Kenntnis ist dies das einzige Modell, welches den Zusammenhang der körperweiten Funktionseinheit Schleimhaut in ganz praktischer Art und Weise mit einbezieht, ohne allerdings eine über die Phänomenologie hinausgehende Erklärung dafür zu liefern.22

Auch in der Homöopathie als einer weiteren bedeutenden Methode der Naturheilkunde finden sich Anhaltspunkte für die parallele Reaktion verschieden lokalisierter Schleimzonen des Körpers.

So heißt es in der Materia Medica von Boericke zu folgenden Mitteln beispielsweise:

Kalium bichromicum:
„Diese Droge hat eine besondere Affinität zu den Schleimhäuten von Magen, Eingeweiden u. Luftwegen … Schleimhäute überall betroffen. Katarrh von Rachen, Kehlkopf, Bronchien u. Nase. … Nase. Druck u. Schmerz an der Nasenwurzel, stechender Schmerz in der Nase. … Dicke, fädige grünlichgelbe Absonderung. … Magen. Schweregefühl sofort nach dem Essen. Gefühl als ob die Verdauung aufgehört habe. Magenerweiterung. Gastritis. … Harnwege. Brennen in Urethra. … Fädiger Schleim im Urin. … Weibliches Genital. Gelber zäher Ausfluß, Pruritus der Vulva, mit starkem Brennen u. Erregung. …“

Hydrastis Canadensis:
„Wirkt besonders auf die Schleimhäute, macht sie nachgiebig u. bewirkt dicke, gelbe, fädige Absonderung. Der Katarrh kann irgendwo sein – Hals, Magen, Uterus, Urethra –, immer ist er charakterisiert durch die besondere Schleimabsonderung. … Nase. Dickes, hartnäckiges Sekret retronasal zum Rachen hin. Wässerige, ätzende Absonderung. … Magen. Wundes Gefühl im Magen, mehr oder weniger anhaltend. … Urin. Schleimige Absonderung. … Weibliches Genital. … Pruritus Vulvae mit reichlichem Weißfluß. …“

Apis mellifica:
„… Apis wirkt besonders auf die äußeren Teile, auf die Haut u. die Bekleidungen der inneren Organe sowie auf die Schleimhäute. … Nase. … Rot, geschwollen, entzündet, Schmerzen. … Magen. … Gefühl von Wundheit. … Urin. Brennen u. Schmerzhaftigkeit beim Wasserlassen. … Weibliches Genital. Ödeme der Labien … Wundheit u. stechende Schmerzen; Ovariitis … Große Empfindlichkeit überall im Bauch u. Gebärmuttergegend.“

Bryonia alba:
„Wirkt auf alle serösen Häute u. die Eingeweide, die sie bekleiden. … Schleimhäute alle trocken. … Nase. Häufig Nasenbluten, wenn Menses kommen sollten. … Schnupfen mit schießendem, anhaltendem Stirnschmerz. Schwellung der Nasenspitze. … Magen. … Magen berührungsempfindlich. Druck im Magen nach dem Essen wie von einem Stein. … Stuhl. … Stühle braun, dick, blutig. … Weibliches Genital. Mensis zu früh, zu reichlich … Stechende Schmerzen in den Ovarien beim tiefen Einatmen; sehr berührungsempfindlich. …“23

Diese Aufzählung läßt sich problemlos erweitern, jedoch mögen die genannten Beispiele genügen. Die komplexe und differenzierte Betrachtung dieser und weiterer homöopathischer Mittel soll den klassischen Homöopathen überlassen bleiben. Jedoch wird auch anhand dieser nur angerissenen Arzneimittelbilder deutlich, daß eine Vielzahl homöopathischer Arzneien bekannt ist, die sowohl bei Erkrankungen der Nasenschleimhaut als auch der Schleimhaut anderer Organe angezeigt sind. Die verschieden lokalisierten Schleimhautzonen reagieren gleichsinnig, insofern ist das unterscheidende Merkmal nicht die Lokalisation, sondern die jeweilige Modalität der Reaktion. Leider läßt der rein deskriptive Ansatz des Vergleichs von Symptomatik und Arzneimittelbildern keine Rückschlüsse auf anatomische, physiologische oder pathophysiologische Erklärungsmodelle zu. Hier bleibt ebenfalls weiterer Forschungsbedarf.

Zusammenfassung

  1. Die „Nasale“ nach Wilhelm Quast, von mir nach dem charismatischen Berliner Heilpraktiker benannt (praktizierend von 1976 bis 2000) und hier erstmals beschrieben, ist eine aus der naturheilkundlichen Praxis heraus entwickelte Erfahrungs-Heilmethode. Sie ist eine Weiterentwicklung der nasalen Reflextherapie nach Niels Krack und übertrifft als lokale Reiztherapie mit systemischer Wirkung alle mir bekannten Verfahren wie Nasenreflexzonenmassagen mit ätherischen Ölen, Einatmung verschiedenster Dämpfe, Nasenduschen mit Salzlösungen, spezielle Tropfbehandlungen, Injektionen etc. Die erprobten Indikationen zeigen, daß die „Nasale“ als naturheilkundliche Schlüsseltherapie begriffen werden kann.

  2. Im Unterschied zur mehr theoretisch-analytischen Beschreibung der nasalen Reflextherapie nach N. Krack hat die Erprobung und empirisch-analytische Untersuchung der „Nasale“ nach W. Quast das Schwergewicht des Indikationskatalogs auf die akuten und chronischen Erkältungs-, Atemwegs- und allergischen Krankheiten verschoben. Zusätzlich erprobt ist die Therapie in der allgemeinen naturheilkundlichen Umstimmungs-Behandlung, auch und gerade in der Geriatrie sowie zur Durchbrechung von Reaktions-Blockaden während der Therapie.

  3. Im Mittelpunkt der Erklärung der Wirksamkeit der Therapie stehen als äußerer Faktor das Minzöl und als innerer Faktor die Schleimhaut. Wichtig und neuartig bei der Darstellung der Behandlungsmethode ist die Annahme, daß die Wirkung der „Nasale“ nach W. Quast vor allem auf einem körpereigenen Kommunikationssystem beruht, dessen wesentlicher Träger das im Detail kaum erforschte Organ Schleimhaut ist. Mit der Betrachtung der Schleimhaut als Reaktionseinheit läßt sich erklären, warum die „Nasale“ und verwandte Therapien vor allem im Schleimhautbereich schnell heilend wirken können und welche Organsysteme auf Grund dieses Zusammenhangs vor allem erreicht werden.

  4. Die langjährige Durchführung der ?Nasale? nach W. Quast hat zu einer Ergänzung der Antlitzdiagnostik nach H.-D. Bach geführt. Die vorgefundenen symmetrischen Verquellungen beidseits des Nasenrückens unmittelbar über den Nasenflügeln zeigen obligatorisch eine länger bestehende Funktionsstörung der inneren Nase an, die in vielen Fällen in einem engen Zusammenhang mit weiteren Schleimhautdefekten v.a. im Verdauungs- und Urogenitaltrakt stehen. Die innere Schleimhautschwellung der Nase tendiert im Sinne einer Umkehrung des kuti-viszeralen Reflexes dazu, sich nach außen Raumgewinn zu verschaffen (vgl. in diesem Sinne beispielsweise den Leberbuckel).

Fazit

Die „Nasale“ nach Wilhelm Quast ist Heilkunde durch Erfahrung mit großem Gewinn für die Patienten. Denn die Nase ist ein sensibler Seismograph für unser Wohlbefinden, sie ist ein schon frühzeitig ansprechender „Feuermelder“ für allerlei krankmachende Fehlfunktionen und störende Dauerreize unseres Körpers, die sich irgendwann zu bedrohlichen Organkrankheiten ausweiten können. Wenn der Nestor der Naturheilkunde Josef Karl noch 1989 schrieb: „Über die endonasale Reflextherapie gibt es inzwischen ausreichend Literatur für Interessierte, und ich persönlich bedaure, daß anscheinend durch die momentan starke Beschäftigung mit den Ohrakupunkturpunkten dieser vorzügliche Ort therapeutischer Beeinflussung wieder etwas in Vergessenheit geriet“24, so muß der Verfasser dieses Beitrags ihm Recht geben. Jedoch ist zu hoffen, daß mit der Anwendung und nunmehr erfolgenden Publikation der „Nasale“ nach Wilhelm Quast erneut ein wesentlicher Schritt in die von Josef Karl vorgeschlagene Richtung getan wurde.

Anmerkungen:
1 Dies ist die Erstbeschreibung einer langjährig erprobten Heilbehandlung als Weiterentwicklung der nasalen Reflextherapie nach Niels Krack. Die Studie erhielt den Stiftungspreis 2004 der Stiftung Deutscher Heilpraktiker. Das vollständige Manuskript kann in der Berliner Geschäftsstelle der Stiftung eingesehen werden.
2 Eugen Roth, Das Taschentuch, in: Das große Eugen Roth Jubiläumsbuch 2003, S. 155.
3 A. Waldeyer, A. Mayet 1986, Bd. 2, S. 179ff. u. S. 390.
4 MSD-Manual 1993, Kapitel “Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde”, Abschnitte 5. Nase und Nasennebenhöhlen (S. 810ff.) und 6. Nasopharynx (S. 817). In dem über 3300 Seiten umfassenden Kompendium füllen die Nasenerkrankungen im Sinne schulmedizinischer Diagnostik und Therapie gerade mal acht Seiten.
5 Wilhelm Fließ 1897.
6 Wilhelm Fließ 1893, S. 4. Vgl. auch Aderhold Fröse 1927 u. Alfred Koblanck 1958.
7 Alfred Koblanck 1958, S. 46ff.
8 So stellte z. B. die Sendereihe “Quivive” des Senders SFB am 1.11.2000, um 20.15 Uhr, die operative Naseninnenraum-Entkernung als gängige und sanfte Variante bei Nasenschleimhautpolypen oder –schwellungszuständen nach Versagen einer inhalativen Cortisontherapie dar: neben chirurgischer Schleimhaut-Entfernung, Nasenscheidewand-Fensterung usw. wurde eine Laser-OP zur Verkleinerung der Nasenmuscheln oder auch eine Behandlung der inneren Nase mit Radiowellen empfohlen.
9 Niels Krack 1992. Leider sind die von Krack benutzten Ölmischungen Nasen-Reflex-Öl mite und forte sowie die Nasen-Reflex-Salbe der Firma Wecoton außer Handel.
10 Natürlich gibt es verschiedene andere Methoden der abschwellenden und ausleitenden Nasenbehandlung, auf die hier jedoch nicht weiter eingegangen werden soll. Vgl. etwa “Nasenspülung – Nasenlavage” 2000.
11 Wichtiger Hinweis: Der Verfasser hat große Sorgfalt darauf verwendet, alle Angaben, insbesondere jene zur praktischen Durchführung der Therapie, zu Indikationen und Kontraindikationen dem aktuellen medizinischen Wissensstand entsprechend zusammenzustellen. Da jedoch Irrtümer und Druckfehler nie auszuschließen sind, ist jeder Anwender dieser Behandlungsmethode aufgefordert, in eigenen Verantwortung seiner Sorgfaltspflicht nach zu kommen.
12 In der Akupunktur auch als “Halle des Druckes” (Extrapunkt HN 2) bezeichnet.
13 Ich bin mir natürlich darüber im klaren, dass dieses Verfahren die “objektive” Bewertung der “Nasale” erschwert. Jedoch verbietet sich für uns Heilpraktiker m. E. jedes Experiment zum Nachteil des Patienten.
14 Dirk René Delanier 1977, S. 18f. u. 20f.
15 Pschyrembel 1990, S. 1050.
16 Gerhard Madaus 1979, S. 1872-1879, Zitat, S. 1875.
17 Otto Buchinger 1936, S. 20 u. S. 17ff.: Die Technik des Röderns sowie S. 29ff.: Die Nase, die Röder-Methode und die Endonasale Reflex-Therapie.
18 Vgl. dies ausführlich bei Niels Krack 1992 abgehandelt im Teil: “Zur Anatomie der Nase”, 21-36.
19 A. Waldeyer, A. Mayet 1987, Bd. 1, S. 66f.
20 Stefan Silbernagl u. Agamemnon Despopoulos 1991, S. 366 bzw. Inhaltsverzeichnis.
21 Die nachfolgenden Beobachtungen verdanke ich der Kollegin Susanne Wedemeyer aus Kollmar, die sich “nebenbei” der Mühe einer kritischen Revision dieses Manuskripts unterzogen hat. Dafür danke ich ihr sehr.
22 Walter Binder 1984 sowie Klaus Richter u. Horst Becke 1992, S. 143.
23 William Boericke 1991, S. 49ff., 104ff., 281ff. u. 259ff.
24 Josef Karl 1989, S. 32.

Literatur:
Adler, Martin: Die Baunscheidtmethode. Handbuch für die tägliche Praxis, Köln 1992
Binder, Walter: Klassische Akupunktur und klinische Leitsymptome. Ein Lehr- und Handbuch für die Praxis, Passau 1984
Boericke, William: Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen. Materia Medica und Repertorium, 4. Aufl., Leer/Ostfriesland 1991
Buchinger, Otto: Heilung der Mandelentzündung und deren Folgekrankheiten: Herz-, Nieren-, Rheuma insbesondere durch die Röder-Methode, Hannover 1936
Das große Eugen Roth Jubiläumsbuch, München u. Wien 2003
Delanier, Dirk René: Rückendiagnose. Erkennung und Behandlung über den Rücken. Praktischer Leitfaden über Entstauung und Stauung, Krefeld 1977
Fließ, Wilhelm: Neue Beiträge zur Klinik und Therapie der Nasalen Reflexneurose, Leipzig u. Wien 1893 sowie Die Beziehung zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen. In ihrer biologischen Bedeutung dargestellt, Leipzig u. Wien 1897
Fröse, Aderhold: Der Nasentrigeminus und das vegetative Nervensystem, Hannover 1927
Gleditsch, Jochen M.: Reflexzonen und Somatotopien. Als Schlüssel zu einer Gesamtschau des Menschen, 4. Aufl., Schorndorf 1994, S. 47-50
Karl, Josef: Das lymphatische System und seine naturheilkundliche Therapie, insbesondere die Darstellung der “Röder-Methode”, München 1989
Koblanck, Alfred: Die Nase als Reflexorgan des autonomen Nervensystems, Ulm 1958
Krack, Niels: Nasale Reflex-Therapie mit ätherischen Ölen, 5. Aufl., Heidelberg 1992
Madaus, Gerhard: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Bd. 2, Abtlg. 1: Heilpflanzen, Hildesheim u. New York 1979 (Reprint v. 1938)
MSD-Manual der Diagnostik und Therapie, 5. Aufl., München, Wien u. Baltimore 1993
Nasale Reflex-Therapie mit ätherischen Ölen. Ein Klassiker erobert die Zukunft, Wecoton Naturarzneimittel, Freiburg/Br. 1999 (Therapeuten-Broschüre)
Nasenspülung – Nasenlavage. Einfache und wirkungsvolle Methoden, in: Sanum-Post, Nr. 52, Hoya 2000
Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch, 256. Aufl., Berlin u. New York 1990
Richter, Klaus/Becke, Horst: Akupunktur. Tradition-Theorie-Praxis, 2. Aufl., Berlin 1992
Silbernagl, Stefan/Despopoulos, Agamemnon: Taschenatlas der Physiologie, 4. Aufl., Stuttgart u. New York 1991
Stiefvater, E.: Therapie über die Nasenschleimhaut, in: Medizin heute, 1954, S. 559-562
Waldeyer, A./Mayet, A.: Anatomie des Menschen für Studierende und Ärzte dargestellt nach systematischen, topographischen und praktischen Gesichtspunkten, Teile I u. II, Berlin u. New York 1987 u. 1986 (jeweils 15. Aufl.)

Anschrift des Verfassers:
Dr. phil. Thomas Scholze
Heilpraktiker
Eichbergstr. 23
12589 Berlin

Zur aktuellen Zeitschrift / Zurück zum Inhaltsverzeichnis / Zum nächsten Artikel

Naturheilpraxis 04/2005